Praxisbeispiel RIM: Wie aus dem Pionier ein trauriger Nachzügler wurde

rim

Über zwanzig Jahre lang wuchs und gedieh das kanadische Unternehmen Research in Motion. Mit einer starken Vision, einem ausgefeilten Produkt und einem riesigen Marktanteil erschien das Unternehmen unangreifbar. Umso schmerzhafter war die Lektion, die den ignoranten Vorständen schließlich erteilt wurde.

Der Produktmanager nimmt eine umfassende und sehr lesenswerte Analyse der Firma RIM, Hersteller des einst legendären BlackBerry, zum Anlass sich dem Thema „disruptive innovation“ zu widmen.

1984 gründete der 23-jährige Elektroingenieur Mike Lazaridis Research in Motion. Er besaß eine klare Vision – die drahtlose Datenübertragung und Kommunikation zu ermöglichen, und obendrein den Willen und die nötigen Fähigkeiten. RIM kann mit Fug und Recht als eigentlicher Erfinder des Smartphones bezeichnet werden.

23 Jahre später begann das inzwischen von Lazaridis und seinem Vorstandskollegen Jim Balsillie aufgebaute Imperium, zu bröckeln. Weitere fünf Jahre danach ist es eine Ruine, an deren Rettung nur noch wenige glauben. Was ist geschehen?

Kurz gesagt hat die Führungsetage den Trend nicht nur verschlafen, sondern die Aktivitäten der Konkurrenz selbstherrlich ignoriert. Sie hatten ja ein fantastisches Produkt und Millionen von Kunden …

Todesurteil Halsstarrigkeit

Schon als Werkstudent kam Mike Lazaridis zu einem folgenreichen Schluss: Wer dem Marketing erlaubt, das geistige Niveau der Entwicklungsabteilung zu drücken, unterzeichne damit das eigene Todesurteil. Dass er dann als Geschäftsführer von RIM seinen Ingenieuren stets die Zeit und den Raum gab um die Zukunft zu gestalten, ermöglichte einerseits den unaufhaltsamen Aufstieg, beschleunigte andererseits den rasanten Abstieg.

2007 kam das iPhone, ein Paradebeispiel für „disruptive innovation“ und stellte alles bisher da gewesene infrage. Bei RIM wischte es die Neuigkeit einfach vom Tisch. Denn es passte nicht zu dem dort vorherrschenden, für Ingenieure typischen Denken: innerhalb eines gesetzten Rahmens das Beste zu erschaffen. Im Gegensatz dazu agierte Apple völlig frei. Was interessierte sie die Batterielebensdauer oder die Übertragungsgeschwindigkeit bei hohen Datenmengen? Hauptsache das Design und die Funktionen stimmten, alles andere würde sich mit der Zeit ergeben.

Selbst jetzt kam RIM nicht auf die Idee, die eigenen Annahmen zu prüfen. Mit dem Mini-Computer iPhone hatte das Paradigma „ein Smartphone ist ein aufgemotzter PDA“ ausgedient. Doch RIM hielt beharrlich am bestehenden Geschäftsmodell fest und wagte es nicht, seine Business-Kunden mit einem neuen Betriebssystem zu konfrontieren.

So konnte Apple ohne großen Widerstand seines erfolgreichen „Vorgängers“ den Markt völlig umkrempeln und RIM schließlich auch noch die treue Geschäftsklientel abjagen. Die schier unfassbare Folge von PR-Pannen, Spottbriefen und Strategiefehlern, die den Börsenwert von RIM Ende 2011 auf ein Viertel des Ursprünglichen stürzen ließ, nimmt sich wie das letzte Zucken eines Dinosauriers nach dem Asteroideneinschlag aus.

Artikel aus der Branche
11.06.2015
Dank neuer Materialien dürften Chips immer potenter werden, meint Intel-Gründer Gordon Moore 

29.05.2015
Der Elektroauto-Spezialist Tesla sucht neue Absatzmärkte für Batterien. Während diese sich für Haushalte wohl noch nicht rechnen, sollen sie bei Versorgern einspringen – etwa bei einer Überlastung des Stromnetzes. B. Weddeling, T. Jahn, L. Bay Handelsblatt New York Im Silicon Valley will nahezu jeder Gründer sein wie Elon Musk, der 43-Jährige, der sein Vermögen mit Paypal machte und das Geld dann weiter investierte. In das Raumfahrtunternehmen SpaceX steckte er 100 Millionen Dollar, in Tesla Motors 70 Millionen und 30 Millionen in Solarcity.

21.05.2015
Schlaganfall-Patienten leiden oft lebenslang unter den Folgen. Doch eine neue Therapie verspricht eine dauerhafte Genesung. Dabei werden Blutgerinnsel mechanisch entfernt. 

Weitere Artikel aus der Branche
Artikel aus der Branche
06.01.2015
Gummihütchen, Membranen oder Mini-Schalter: Die Welt der Computertastaturen ist geheimnisvoll. Doch nicht jedes Modell ist für jede Aufgabe gleich gut geeignet. 

29.07.2014
High-Tech-Kameras drehen 360-Grad-Filme, liefern autonom Luftaufnahmen per Drohne und verschmelzen virtuelle und reale Welt. 

22.08.2013
Große Hitze und ständige Stromausfälle: Die Strapazen für Handys und Internet auf dem Schwarzen Kontinent sind groß. Kenianer haben eine neue Technologie entwickelt, die dem Rechnung trägt.Wer in Afrika reist oder arbeitet, weiß, dass Kommunikationsverbindungen schon wegen der unsicheren Stromversorgung Glückssache sind. Mittlerweile ist zwar ein Großteil des Kontinents ans Mobilfunknetze angeschlossen. Doch was nutzt das, wenn die Antenne, der Laptop oder das Ladegerät gerade keinen Strom haben oder wegen empfindlicher Elektronik in dem extremen Klima den Geist aufgeben?

Weitere Artikel aus der Branche
0 KommentareKommentar schreiben
Kommentar hinzufügen
Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen

CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu verifizieren, ob Sie ein realer Benutzer sind und so automatisiertem Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Wer sind wir
Logo 3M
3M beherrscht die Kunst, zündende Ideen in Tausende von einfallsreichen Produkten umzusetzen – kurz: ein Innovationsunternehmen, welches ständig Neues erfindet. Die einzigartige Kultur der kreativen Zusammenarbeit stellt eine unerschöpfliche Quelle für leistungsstarke Technologien dar, die das Leben besser machen. Deshalb: Wenn Sie denken, dass 3M etwas für Sie tun kann, dann schreiben Sie uns.
Partner:
FAZ - Institut
RWTH Aachen
F&E Manager
Technische Uviversität Berlin
3M - Contentpartner
Steinbeis SMI
eSSENTIAL Accessibility Icon Download free eSSENTIAL Accessibility Browser