Praxisbeispiel: Warum Segway unter die Räder kam

Segway

Die Erfindung hatte alles, was für einen Markterfolg sprach: Smart, praktisch und mal ganz was anderes - der elektrische Stehroller. Trotzdem hat er sich nicht durchgesetzt – wie kann das sein?

Destination Innovation findet fünf Gründe für das Scheitern des Segway Personal Transporters und der Strategieberater David Aaker weist hin auf weitere Aspekte.

Ideale Ausgangslage

Das von Dean Kamen erfundene zweirädrige Elektrogefährt kam 2001 auf den Markt. Die Firma Segway ließ sich die PR-Kampagne einiges kosten, die Presse überschlug sich – und doch ist der Segway heute eher eine Kuriosität als ein echter Renner.

David Aaker nennt als zusätzliche Pluspunkte:

  • eine brillante, patentgeschützte Technologie
  • das Energiespar-Thema
  • der ideal zu vermarktende Lifestyle-Aspekt, der eine hohe Kundenloyalität ermöglicht hätte
  • von Anfang an eine nahezu fehlerfreie Produktion

Was ist also schief gelaufen und was lässt sich daraus lernen?

Übertriebene Erwartungen

Der Segway wurde als die Zukunft der Personenbeförderung angepriesen. Er sollte die Welt à la Personal Computer und Internet verändern. Die PR war viel zu dick aufgetragen, die Produktion auf eine halbe Million Roller pro Jahr ausgelegt. (Tatsächlich gingen im ersten Jahr 30.000 Stück über die Ladentheke.)

David Aaker zieht einen Vergleich zum Aktienmarkt: Hohe Ansprüche sind kein Problem – solange sie erfüllt oder übertroffen werden.

Produkt statt Lösung

Der Segway funktioniert super. Doch fehlte der Kontext. Wo ist er abzustellen? Wie und wo aufzuladen? In vielen Ländern gab es Schwierigkeiten mit der Zulassung, weil der Roller weder auf die Straße noch auf den Gehweg „passte“. So durchdacht, wie das Produkt war, so sehr fehlte es an Überlegungen zur Infrastruktur.

Erfindung statt Innovation

Der Segway wurde patentiert und bis zur Markteinführung unter Verschluss gehalten. Es überraschte die Erfinder, dass ihr Produktdesign nicht als cool, sondern als beknackt bezeichnet wurde. Was nicht weiter verwundert, wenn die Entwicklung weder Anwender-Tests noch sukzessive Verbesserungen einschloss.

Unklare Zielgruppe

Wer sollte den Segway fahren, für wen war er besonders geeignet? Eine nette Idee allein überzeugt noch keine Käufer, schon gar nicht, wenn sie für den Spaß tief in die Tasche langen müssen.

Schwachstelle Vertrieb

Für David Aaker war der Vertrieb das Verhängnis: Es fehlte an zuverlässigen Kontaktpunkten zum Kunden, gerade weil das Gefährt erklärungsbedürftig ist. Statt des Vertriebs über Amazon hätte der Berater einen Verkauf in Warenhäusern für sinnvoll erachtet.

Fazit

Gerade bei revolutionären Erfindungen ist davon auszugehen, dass sie nicht in bestehende Schemata passen. Umso wichtiger ist es, genau darauf vorbereitet zu sein. Dazu gehört es, potenzielle Nutzer auszumachen und einzubeziehen, zu experimentieren und die Erkenntnisse in die Produktentwicklung einfließen zu lassen – kurz: das Umfeld so zu präparieren, dass es bei der Markteinführung bereits überzeugte Fans gibt.

Während Destination Innovation denSegway als Fehlschlag einordnet, urteilt David Aaker ambivalent: Die Firma Segway lebe noch, habe eine bedeutende Nische gefunden und bleibe innovativ. Inzwischen gibt es ein Golfmobil, Robotik-Produkte und den Ausblick auf ein Zweipersonen-Vehikel. Der Hersteller müsse lediglich darauf achten, dass nächstes Mal nichts schief geht, denn: „Eine Strategie ist nur so gut wie ihr schwächstes Glied.“ Während bei der Distribution und Zielgruppenbestimmung Fehler unterliefen und mehr Bescheidenheit Segway gut zu Gesicht gestanden hätte, überlebte das Unternehmen. Die Durchhaltekraft verdankt das Unternehmen seiner finanziellen und technologischen Stärke, den hohen Produktionsstandards, seiner „Hingabe“ und einigen fanatischen Anhängern, die den Segway-Lifestyle samt Sportarten wie Segway-Polo hochhalten.

Artikel aus der Branche
07.05.2015
Neue Computertechniken verhelfen Betrieben zu Innovationssprüngen und mehr Gewinn, wie Beispiele zeigen. Doch viele Unternehmen haben Berührungsängste. 

30.04.2015
Die neuen, feinfühligen Maschinen können Hand in Hand mit Angestellten zusammenarbeiten. M. Buchenau, A. Höpner Handelsblatt Stuttgart/München Im Ansbacher Bosch-Werk hat die Zukunft der Fertigung schon begonnen. Sie wirkt noch etwas gewöhnungsbedürftig. Eine Roboterhand mit drei Gliedern setzt ein Steuerungselement erst in ein Bearbeitungszentrum ein und holt es anschließend heraus, um es direkt an eine Arbeiterin zu übergeben. 

24.03.2015
Mit hohem Aufwand soll Tokio noch erdbebensicherer werden. Mit Simulationen und neuen Gebäudetechnologien rüsten sich die Japaner für die nachste Naturkatastrophe. 

Weitere Artikel aus der Branche
Artikel aus der Branche
07.05.2015
Neue Computertechniken verhelfen Betrieben zu Innovationssprüngen und mehr Gewinn, wie Beispiele zeigen. Doch viele Unternehmen haben Berührungsängste. 

28.08.2014
Es muss nicht immer Erdöl sein. Viele Materialien lassen sich aus Pflanzen gewinnen. Industrielle Fertigungstechnik soll den Bio-Kunststoffen zum Durchbruch verhelfen. 

06.08.2014
Ein französischer Ökopionier wirbt für „Filtergärten“. Die Technik soll sogar Kläranlagen ersetzen können. Karin Finkenzeller Wirtschaftswoche ParisSkeptische Blicke istThierry Jacquet gewöhnt. „Es klingt ja auch ein bisschen seltsam, wenn einer behauptet, er würde Abwässer mithilfe von Pflanzen so sauber kriegen, dass man darin baden kann“, sagt der 49-jährige Franzose und zwinkert vergnügt durch die runde Brille. 

Weitere Artikel aus der Branche
Artikel aus der Branche
11.06.2015
Dank neuer Materialien dürften Chips immer potenter werden, meint Intel-Gründer Gordon Moore 

29.05.2015
Der Elektroauto-Spezialist Tesla sucht neue Absatzmärkte für Batterien. Während diese sich für Haushalte wohl noch nicht rechnen, sollen sie bei Versorgern einspringen – etwa bei einer Überlastung des Stromnetzes. B. Weddeling, T. Jahn, L. Bay Handelsblatt New York Im Silicon Valley will nahezu jeder Gründer sein wie Elon Musk, der 43-Jährige, der sein Vermögen mit Paypal machte und das Geld dann weiter investierte. In das Raumfahrtunternehmen SpaceX steckte er 100 Millionen Dollar, in Tesla Motors 70 Millionen und 30 Millionen in Solarcity.

21.05.2015
Schlaganfall-Patienten leiden oft lebenslang unter den Folgen. Doch eine neue Therapie verspricht eine dauerhafte Genesung. Dabei werden Blutgerinnsel mechanisch entfernt. 

Weitere Artikel aus der Branche
Artikel aus der Branche
05.05.2015
Weit draußen auf dem Meer produzieren Offshore-Windparks Strom. Doch wie kommt die Energie ans Festland? Für eine Lösung dieses Problems wurde Gunnar Asplund für den Europäischen Erfinderpreis 2015 nominiert. 

19.02.2015
Es klingt wie der Stein der Weisen: Ein Deutscher in China verwandelt Fäkal-Schlamm in Düngemittel und Biogas – und macht damit blendende Geschäfte HB I PekingHeinz-Peter Mang ist von der Idee besessen, aus menschlichen Fäkalien Geld zu machen. Angesichts der massenhaft in die Städte ziehenden Chinesen ist der deutsche Ingenieur überzeugt, dass das Land das große Los gezogen hat. 

04.12.2014
Kommunen suchen nach Wegen, die Laubberge im Herbst klimafreundlich weiterzuverwerten. HB I Berlin Jetzt fallen sie wieder, in gelb, rot und braun. Allein in Berlin, der grünen Hauptstadt, sind es etwa 70 000 Tonnen Blätter, die jeden Herbst an Straßen, in Parks und Gärten zusammengekehrt und dann entsorgt werden müssen. Es ist ein Laubberg, der rund 2000 Güterwaggons füllen könnte. Doch wohin mit der bunten Pracht? 

Weitere Artikel aus der Branche
Artikel aus der Branche
13.08.2015
Telemedizin erobert die USA. Vorreiter ist die renommierte Mayo Clinic, die mit Apple kooperiert. 

11.08.2015
Als erster Hersteller will der US-Konzern 2016 ein selbstfahrendes Auto auf den Markt bringen. Auch Opel soll profitieren. Thomas Jahn Handelsblatt Detroit Milford Proving Ground ist eine der größten und ältesten Teststrecken der Welt. Auf dem 16 Quadratkilometer großen Areal prüft der Autobauer General Motors (GM) seit 1924 seine Fahrzeuge auf Herz und Nieren. Nun stellte GM dort ein neues Testgelände für selbstfahrende Autos vor. „Die Branche befindet sich an einem Wendepunkt“, sagte Mark Reuss, Produktchef von GM, bei der Einweihung. 

04.08.2015
Der gelbe Riese aus Bonn produziert seit Jahresbeginn Hunderte Elektrofahrzeuge in Eigenregie. Die Kastenwagen könnten sich als gutes Geschäft entpuppen. 

Weitere Artikel aus der Branche
Artikel aus der Branche
04.02.2015
Das Internet und neue technische Möglichkeiten zwingen Unternehmen zum Umdenken. Der Konsumgüterriese Procter & Gamble testet bereits den automatisierten Kauf von Rasierklingen. 

15.10.2014
Forscher entwickeln künstliche Gliedmaßen mit neuronalem Anschluss. Damit lassen sich sogar Trauben pflücken. HB I Cleveland Handprothesen mit viel Fingerspitzengefühl haben amerikanische und schwedische Forscher entwickelt. Dabei nutzten sie neuartige Verschaltungen zwischen den Prothesen und den vorhandenen Nerven im amputierten Arm der Patienten. Die Wissenschaftler konnten so deren Gespür für Gegenstände deutlich verbessern. Beide Forscherteams beschreiben ihre Arbeiten im Journal „Science Translational Medicine“. 

18.08.2014
Jeff Bezos, Konzernchef und Multimilliardär, finanziert High-Tech-Projekte wie Raumfähren fürTouristen Matthias Hohensee Wirtschaftswoche Silicon Valley Seine Kritiker halten Jeff Bezos für einen skrupellosen Hasardeur, der Amazon um jeden Preis immer größer machen will – ohne Rücksicht auf Aktienkurs und Rendite. Erst vor wenigen Wochen meldete der US Internetkonzern einen Verlust von 126 Millionen Dollar für die vergangenen drei Monate. Und stellte einen noch höheren Fehlbetrag für das laufende Quartal in Aussicht. 

Weitere Artikel aus der Branche
Artikel aus der Branche
25.08.2015
Eine neue Hand aus dem 3D-Drucker: Das Verfahren soll künftig auch Menschen ohne Zugang zu Hightech-Prothesen helfen. Entwickler feiern die Idee weltweit. Doch die Forschung steht noch am Anfang. 

22.04.2015
Tödliche Rückschläge, zahlreiche Pleiten – nach 25 Jahren Forschung wird das Reparieren von Genen nun zum Geschäft. Erste Verfahren gegen Erbkrankheiten kommen auf den Markt, bald sind Krebs und Herzleiden an der Reihe. 

15.04.2015
Der Internetriese entwickelt gemeinsam mit dem US-Pharmariesen J&J neue Robotiksysteme. Astrid Dörner Handelsblatt New York Die Details sind vage, doch die Vision ist klar. Google kooperiert mit dem weltgrößten Pharmakonzern Johnson und Johnson (J&J), um den Operationssaal der Zukunft zu gestalten. Es geht um roboterassistierte Chirurgie.

Weitere Artikel aus der Branche
Artikel aus der Branche
17.09.2015
Auf der IFA in Berlin haben sich Fernsehhersteller mit hohen Kontrasten und schillernden Farben gegenseitig überboten. Doch stellt die Superschärfe die TV-Branche vor neue Herausforderungen. 

15.09.2015
Neue Geräte zur Schlafüberwachung sind weit mehr als nur ein weiteres Gadget. Angesichts der Überalterung der Bevölkerung könnten sie zu einem Zukunftsmarkt werden. Elektronikkonzerne wittern bereits ein Milliarden-Geschäft. 

11.09.2015
Mit der Entschlüsselung des Gehirns steht die Menschheit vor einer neuen Epoche: Gedanken beginnen, Maschinen zu steuern, Maschinen, Gedanken zu lesen. Das Marktpotenzial der Hirnforschung ist riesig. 

Weitere Artikel aus der Branche
Artikel aus der Branche
06.01.2015
Gummihütchen, Membranen oder Mini-Schalter: Die Welt der Computertastaturen ist geheimnisvoll. Doch nicht jedes Modell ist für jede Aufgabe gleich gut geeignet. 

29.07.2014
High-Tech-Kameras drehen 360-Grad-Filme, liefern autonom Luftaufnahmen per Drohne und verschmelzen virtuelle und reale Welt. 

22.08.2013
Große Hitze und ständige Stromausfälle: Die Strapazen für Handys und Internet auf dem Schwarzen Kontinent sind groß. Kenianer haben eine neue Technologie entwickelt, die dem Rechnung trägt.Wer in Afrika reist oder arbeitet, weiß, dass Kommunikationsverbindungen schon wegen der unsicheren Stromversorgung Glückssache sind. Mittlerweile ist zwar ein Großteil des Kontinents ans Mobilfunknetze angeschlossen. Doch was nutzt das, wenn die Antenne, der Laptop oder das Ladegerät gerade keinen Strom haben oder wegen empfindlicher Elektronik in dem extremen Klima den Geist aufgeben?

Weitere Artikel aus der Branche
2 KommentareKommentar schreiben
Bild des Benutzers miracle

er ist einfach zu teuer

er ist einfach zu teuer

Bild des Benutzers Markus1

Der Helm ist in der Tat

Der Helm ist in der Tat selbstverständlich bei einem Gefährt, das 25 km/h erreicht. Hat mich bei einer Segway-Fahrt auch überhaupt nicht gestört!

Bild des Benutzers JAn

Der Segway ist ein cooles und

Der Segway ist ein cooles und sehr stylisches Fortbewegungsmittel. In Deutschland braucht man für den Segway jedoch ein Mofakennzeichen und einen Helm, - das ist das Gegenteil von cool. Das kann nichts werden, wenn die Bürokratie sich drauf stürzt.

Kommentar hinzufügen
Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen

CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu verifizieren, ob Sie ein realer Benutzer sind und so automatisiertem Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Wer sind wir
Logo 3M
3M beherrscht die Kunst, zündende Ideen in Tausende von einfallsreichen Produkten umzusetzen – kurz: ein Innovationsunternehmen, welches ständig Neues erfindet. Die einzigartige Kultur der kreativen Zusammenarbeit stellt eine unerschöpfliche Quelle für leistungsstarke Technologien dar, die das Leben besser machen. Deshalb: Wenn Sie denken, dass 3M etwas für Sie tun kann, dann schreiben Sie uns.
Partner:
FAZ - Institut
RWTH Aachen
F&E Manager
Technische Uviversität Berlin
3M - Contentpartner
Steinbeis SMI
eSSENTIAL Accessibility Icon Download free eSSENTIAL Accessibility Browser