Brauchbar ist nicht nützlich: Der Unterschied zwischen Erfindung und Innovation

Ein innovatives Produkt muss nicht nur funktionsfähig sondern nützlich sein. Schließlich führen viele Wege nach Rom – allerdings ist die Autobahn sehr beliebt, während sich kaum jemand für den Pilgerpfad entscheidet.

Nur wenn es für die Anwender einen Nutzen hat, ist es eine Innovation, meint Braden Kelley in einem Beitrag für Innovation Excellence. „Innovation verwandelt die brauchbare Saat der Erfindung in eine Lösung, welche höher als jede bestehende Alternative bewertet wird und weitreichende Akzeptanz findet.“

Während die Funktion das ist, was ein Produkt für den Anwender tut, kommt der Nutzen oft erst durch die Art zustande, wie das Produkt das tut, erklärt Kelley in seinem Buch „Stoking Your Innovation Bonfire“. Ähnlich wie ein „effizientes“ Vorgehen (die Dinge richtig tun) vielleicht vernünftig ist, aber noch lange nicht „effektiv“ (das Richtige) sein muss.

Als Beispiel nennt er die Mausefalle. Unzählige Patentlösungen gibt es, mit denen sich die lästigen Nager auf raffinierteste Weise neutralisieren lassen. Und doch sterben bis heute die meisten Mäuse am Genickbruch per Federmechanismus – das genial einfache Instrument aus Holz und Draht kostet den hoffnungsfrohen Mäusekiller weniger als zwei Euro.

Ob eine Investition – etwa die Einführung einer innovativen IT-Lösung – etwas bringt, also einen Nutzen hat, befindet eben letztlich der Kunde, meint auch der deutsche Oracle-Chef Jürgen Kunz in einem lesenswerten Expertengespräch mit Dieter Harreither vom Capgemini-Vorstand.

Erfolgsentscheidend ist der Nutzen

Um das Potenzial von Innovationen richtig einschätzen zu können, ist es wichtig, den Unterschied zwischen einer Erfindung (funktionsfähig) und Innovation (nützlich)zu verstehen – dies ist auch Thema eines Vortrags von Braden Kelley.

Er schlägt vor, die landläufige Gleichung Innovation = Idee + Ausführung abzuwandeln:

Innovation = Nutzenerzeugung x Nutzenzugang x Nutzenargumentation

Dass er die Bestandteile miteinander multipliziert, soll verdeutlichen, dass eine schlecht oder gar nicht ausgeführte Komponente das ganze Ergebnis zunichtemachen kann.

Die Bestandteile seiner neuen Formel schlüsselt Kelley folgendermaßen auf.

  1. Nutzenerzeugung: Die Investition muss eine so große Verbesserung bringen, dass sie den Aufwand für einen Wechsel zum neuen System locker ausgleicht.
  2. Nutzenzugang: Je leichter es für die Kunden ist, auf das neue Produkt umzusteigen, desto eher werden sie es tun. Dieser Punkt umfasst den gesamten Produktlebenszyklus vom Design über Kundenservice bis zum Recycling.
  3. Nutzenargumentation: Was soll das neue Produkt und wie passt es in das Leben der Kunden? Nur wer dies beantworten kann, wird nennenswerte Verkaufszahlen zuwege bringen. Idealerweise wird gleichzeitig klar, wie einfach es ist, das alte gegen das neue Produkt auszutauschen. Kelley unterscheidet an dieser Stelle zwischen leicht verbesserten Produkten, bei denen eine Erklärung reicht und radikalen Innovationen, die nach einer „Umschulung“ verlangen.

Nutzenerzeugung ist wichtig, aber noch lange nicht alles: Nur wenn auch der Zugang einfach ist und die Argumente überzeugen, hat eine Innovation echte Chancen.

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Ich finde die Formel sehr

Ich finde die Formel sehr anschaulich, denn wenn am Ende der berühmte "Wurm nicht dem Fisch schmeckt, sondern dem Angler", hat man keine Innovation.
Oftmals wird - gerade wenn man mit einer Innovation in Verfahrensprozesse beim Kunden eingreift - der Aufwand unterschätzt. Die Hürden sind hier meist höher als bei Plug-and-Play Endprodukten.

Auch bedingt eine Produktinnovation nicht selten auch eine Prozessinnovation bei der Herstellung oder in der Verwendung. Die Prozessinnovation ermöglicht teilweise erst den Nutzenzugang für den oder gemeinsam mit dem Kunden. Oftmals findet man dies im Bereich der Werkstoffwissenschaften, beispielsweise bei Batterien oder Brennstoffzellen, wo die Komplexität des Gesamtsystems zunächst (bewusst) unterschätzt wird. Im Gegensatz zu diesen elektrochemischen Kleinreaktoren ist eine Solarzelle eine wenig erklärungsbedürftiges Plug-and-Play Modul.

In dieser Argumentationskette ist bei den Beispielen Brennstoffzelle/Batterie die Nutzenerzeugung eher ökologisch-politisch gesetzt und wird journalistisch breit in der Nutzenargumentation getragen. Woran es mangelt, ist der Nutzenzugang für den Kunden (Infrastruktur Wasserstoffbetankung oder Ladestationen, Reichweite/Komfort, Lebensdauer vs. Kosten). Wird die Nutzenargumentation zu früh breit kommuniziert, ziehen sich die Kunden bei Nichterfüllung zurück.

Man sollte also den Begriff Innovation noch um den des Zeitfaktors erweitern, also jeder Schritt zur rechten Zeit und in der richtigen Reihenfolge.

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