Das ist typisch: Klassische und neue Modelle für den Innovationsprozess

Innovationsmanagement - Modelle für den Innovationsprozess

Immer schön eins nach dem anderen mit verteilten Rollen … oder alles gleichzeitig, wie es kommt? Bevor aus einem erkannten Problem oder einer Idee eine Innovation wird, gibt es einiges zu tun und zu bedenken: Auf welche Weise dies geschehen kann, beschreiben Innovations-Prozessmodelle.

Ideen finden und bewerten, konzipieren, Produkt entwickeln, testen, an den Markt bringen und vertreiben: Diese oder ähnliche Schritte gibt es in jedem Innovationsprojekt. 2006 teilte Dr. Norbert Lühring Innovationsprozesse in vier Grundtypen ein. Sie unterscheiden sich danach, welche Übergabe- und Kontrollpunkte es wann und wo gibt und wie die Informationen fließen.

1.      funktional-arbeitsteilige Modelle

Hier richtet sich der Prozess mehr oder weniger nach der Unternehmensstruktur: Jede Abteilung erledigt, was sie kann und reicht das Projekt dann weiter. Ungünstig ist dabei, dass die Information nur von einer Schnittstelle zur nächsten fließt („Stille-Post“-Prinzip) und die wasserfallartige Abfolge jegliches Querdenken sehr erschwert.

2.      Stage-Gate-Modell

Die zurzeit gängigste Vorgehensweise, das Stage-Gate-Verfahren, basiert auf einem von Robert Cooper entwickelten Modell. Es teilt den Innovationsprozess in verschiedene Phasen, an deren Ende vereinbarte Ergebnisse präsentiert und abteilungsübergreifend anhand von „go/kill“-Kriterien überprüft werden. Ziel ist herauszufinden, inwieweit die Innovation (noch oder schon) den Markt-, Budget- und zeitlichen Anforderungen entspricht.

3.      parallelisierte Innovationsprozesse

Bei dieser Weiterentwicklung beginnt die nächste Phasen (Stage) des Innovationsprozesses bereits, während die andere noch läuft. Die Kontrollpunkte (Gates) werden flexibel festgesetzt. Ein gutes Informationsmanagement ist wesentlich für den Erfolg, der Koordinationsaufwand kann erheblich sein.

4.      Modell der integrierten Produktentwicklung

Dieses Modell basiert auf dem Ansatz des Simultaneous Engineering, das die strenge Trennung zwischen Produktentwicklung und Produktionsplanung aufhob. Ein funktionsübergreifendes Kernteam ist von Anfang bis Ende dabei, um den Informationsfluss zu sichern. Des Weiteren gibt es zwei Entwicklungs-„stufen“, eine externe, die den Austausch mit Kunden, Lieferanten und anderen Außenstehenden sucht und die interne, welche die daraus gewonnenen Erkenntnisse ins Projekt einfließen lässt.

Spiralen und Sprints: Neue Impulse aus der Software-Entwicklung

In den letzten Jahren sind neue spannende Ansätze hinzugekommen. In ihrem inknowaction-Blog greift die Innovationsexpertin Maria Tagwerker-Sturm den Gedanken auf, inwieweit Strategien aus der sehr schnelllebigen Software-Branche auf Innovationsprozesse in anderen Bereichen übertragbar sind. Die dortigen Praktiken und die zugrundeliegende Philosophie bieten ihrer Ansicht nach gute Anregungen, um Innovation weniger bürokratisch zu gestalten. Zwei inspirierende Ansätze sind hierbei Spiro-Stage-Gate und Scrum.

Spiro Stage-Gate

Diese Strategie fällt im weitesten Sinne unter die Kategorie „parallelisierte Innovationsprozesse“ und basiert auf dem Spiral Development, in dessen Zusammenhang Mitte der 80er-Jahre zum ersten Mal „iteratives Vorgehen“ erörtert wurde. Es kombiniert aufeinanderfolgende Schritte mit zyklischen „Überprüfungsschleifen“, die sicherstellen, dass der eingeschlagene Weg noch der richtige ist.

Eine passende Abbildung zu Spiro Stage-Gate findet sich auf dem Blog von Maria Tagwerker-Sturm:

Darstellung Innovationsprozess - Spiro Stage Gate

Scrum

Ebenfalls vor rund 20 Jahren entstand Scrum, eine Methode, die in der agilen Software-Entwicklung inzwischen häufig anzutreffen ist. Der Name beruht auf einem Begriff aus dem Rugby, bei dem die Mannschaft zusammen angreift und dabei den Ball vor- und zurückspielt. Kennzeichnend sind die so genannten sprints: Ein zuvor erarbeiteter grober release plan, bildet den Rahmen für diese Projektphasen, in denen gesammelte Anforderungen umgesetzt werden. Das funktionsübergreifende Team bespricht den Fortschritt in einem wöchentlichen scrum meeting. Nach jeder Umsetzungsphase findet eine sprint review mit Freigaben einzelner Ergebnisse statt.

Auch zu Scrum gibt es eine passende Abbildung in einem weiteren Beitrag auf dem Blog von Maria Tagwerker-Sturm:

Darstellung Innovationsprozess - Scrum

Der Ansatz ermöglicht es Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen, bevor sie eine Menge Geld versenken.

Es lohnt sich also, auch bei den Innovationsprozessen über den eigenen Branchen-Tellerrand zu blicken.

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