Technologie-Trüffelschwein: Die Erwartungen an Innovationsmanager sind vielfältig

Technologie Trueffelschwein

Ein Innovationsmanager spielt in modernen Innovationsprozessen eine wichtige Rolle. Doch die Erwartungen an ihn sind in Unternehmen nicht immer einheitlich, zudem muss der Innovationsmanager häufig zunächst selbst seine Rolle im Unternehmen definieren. Eine Studie der Hochschule Esslingen hat nun die unternehmerischen Erwartungen an einen Innovationsmanager abgefragt.

Bei Innovationsmanagern in Unternehmen sind heutzutage vor allem soft skills gefragt. Dies ist ein Ergebnis einer Studie an der Hochschule Esslingen. Demnach werden Innovationsmanager vor allem als Mittler zwischen den verschiedenen Unternehmenseinheiten betrachtet wird. So gaben 76 Prozent der Unternehmen an, ein Innovationsmanager müsse eine Art „interner Vermittler“ sein, 84 Prozent befanden die Funktion als „externer Netzwerker“ wichtig. Insgesamt lassen sich drei große Cluster erkennen, die sich in die Rubriken „Organisator und Koordinator“ (26 Prozent), „Antreiber und Motor“ (21 Prozent) und „Moderator und Trainer“ (9 Prozent) einordnen lassen. Es ist erstaunlich zu beobachten, wie groß die semantische Vielfalt ist, die die Rolle des Innovationsmanagers beschreibt. Es wurden gängige Begriffe wie „Integrator“, „Querdenker“ und „Entrepreneur“ verwendet. Es gab darüber hinaus zahlreiche durchgehend positiv besetzte Wortkreationen und -assoziationen sowie Bilder wie beispielsweise „Wissensbroker“, „Anwalt für Ideen“ und „Technologie-Trüffelschwein“. Unter den befragten Innovationsmanagern fiel zudem auf, dass ein Großteil zwar nicht die Berufsbezeichnung „Innovationsmanager“ trägt, aber sich selbst als solcher definiert und im Unternehmen auch so wahrgenommen wird.

Faktor soziale Kompetenz

Dem oben beschriebenen Rollenverständnis des Innovationsmanagers entsprechen auch die Erwartungen der Unternehmen bezüglich dessen Fähigkeiten und Kompetenzen.

Abb1

Abbildung 1: Erforderliche Kompetenzen eines Innovationsmanagers

Am wichtigsten ist die Sozialkompetenz (63 Prozent), also die Fähigkeit, mit anderen Menschen effektiv zusammenzuarbeiten und durch andere Menschen zu wirken. Dies lässt sich mit der vorangegangenen Frage nach der Rolle des Innovationsmanagers begründen, bei der er im Wesentlichen als Vermittler und Netzwerker gesehen wird. Als zweitwichtigste Kompetenz sehen die Befragten die Methodenkompetenz (39 Prozent), die gängigen Definitionen zufolge Arbeitsplanung, Diagnosetraining, Arbeits- und Problemlösungstechniken, sprich: die Anwendung von Wissen umfasst. Diese eignet sich ein Innovationsmanager häufig erst im Berufsleben an. Die Kompetenz, die am wenigsten wichtig scheint, ist laut Studienergebnissen die Fachkompetenz (37 Prozent), also vor allem das technologische und marktbezogene Wissen auf dem Fachgebiet der Innovation. Der relativ geringe Anteil dieser Kompetenz lässt sich zunächst dadurch begründen, dass bisher die wenigsten ein Studium speziell in einem Bereich absolviert haben. Zudem sind Innovationsmanager Generalisten. Selbst wenn diese einem technischen Bereich zugeordnet sind, fungieren sie eher als Manager, die koordinieren und technisches Input von Experten erhalten.

Vielfältige Aufgaben

Die Aufgaben eines Innovationsmanagers sind vielfältig. Der Studie zufolge besteht seine Hauptaufgabe darin, externe Netzwerke aufzubauen und zu pflegen und in Projekten und am Markt mit anderen zu kooperieren (73 Prozent). Zudem wird von ihm ein umfassendes Wissensmanagement erwartet. Dies beinhaltet unter anderem Kooperationen mit Forschungseinrichtungen, das Vorantreiben von Ideen und das Patentwesen (66 Prozent). Ebenso wichtig erscheint die Überwachung und Optimierung des Innovationsprozesses, welcher durch ein begleitendes Controlling noch aussagekräftiger und greifbarer wird. Ebenfalls relevant ist es, eine klare Innovationsstrategie zu schaffen und eine innovationsfreundliche Unternehmens- und Innovationskultur zu schaffen (50 Prozent).

Innovationsfreudiges Umfeld

Wesentliche Treiber von Innovation in Unternehmen ist allerdings nicht nur die Kompetenz des Innovationsmanagers, sondern auch eine entsprechende Unternehmenskultur: Bei der Frage nach den Bedingungen, die die Arbeit des Innovationsmanagers im Unternehmen erleichtern, waren knapp 81 Prozent der Meinung, dass eine „innovationsförderliche Kultur im Unternehmen“ sehr wichtig sei. Eine „Feedbackkultur“, „Offenheit gegenüber Neuem“ und „Fehlertoleranz“ sind wichtige Faktoren im Innovationsprozess und Unterstützer der innovationsförderlichen Unternehmenskultur. Darüber hinaus ist erkennbar, dass die „Unterstützung durch das Top-Management“ eine sehr wichtige Rolle in der täglichen Arbeit und der Akzeptanz eines Innovationsmanagers im Unternehmen spielt (78,6 Prozent).

Abb2

Abbildung 2: Bedingungen für ein erfolgreiches Innovationsmanagement

Obwohl hier vorwiegend eher „weiche“ Faktoren, die die Arbeit des Innovationsmanagers positiv beeinflussen, genannt wurden, spielen dennoch auch „harte“ Faktoren wie die „Bereitstellung von Ressourcen“ (43,9 Prozent) eine wichtige Rolle im Innovationsmanagement mittelständischer Unternehmen. Am wenigsten bedeutend sind in diesem Zusammenhang schnelle Innovationsprozesse (26,5 Prozent). Dies könnte in der Befürchtung begründet sein, dass durch sehr schnelle Prozesse die Qualität der Produkte oder Dienstleistungen leidet.

Die Bedeutung wird zunehmen

Selbst wenn die Rollen und Funktionen eines Innovationsmanagers meist sehr kontrovers diskutiert werden, werden sie insgesamt positiv bewertet. Knapp die Hälfte der Befragten glauben, dass die Bedeutung des Innovationsmanagers in Unternehmen zunehmen wird. Nur 4 Prozent gaben an, die Funktion werde an Bedeutung verlieren oder ganz verschwinden. In diesen Unternehmenwird eine solche Tätigkeit eher als Übergangsaufgabe wahrgenommen, die kurz- bis mittelfristig das Produktmanagement entlastet.

Dabei werden die Aufgaben von Innovationsmanagern in Zukunft inhaltlich ähnlich bleiben, wobei die Studie ergab, dass die Kreativität als neue Erwartung wichtiger wird. Dies muss kein Widerspruch zum Prozessdenken sein. Vielmehr sollte der Innovationsprozess, vor allem in den frühen Phasen (Fuzzy-front-end) Kreativität zulassen, fördern und kanalisieren, um die besten Innovationen auszuwählen und voranzutreiben.

 

F. Andreas Schittenhelm ist Professor für Finanzmanagement an der Hochschule Esslingen und dort verantwortlich für den Masterstudiengang Innovationsmanagement.

Mail: schittenhelm@hs-esslingen.de

 

Nina Dziatzko ist ist akademische Mitarbeiterin an der Hochschule Esslingen.

Mail: nina.dziatzko@hs-esslingen.de

 

Essentials

Ohne geeignete Rahmenbedingungen im Unternehmen kann ein Innovationsmanager seine Kompetenzen nicht gewinnbringend einsetzen

Innovationsmanager werden vor allem als Moderatoren, Organisatoren und Querdenker angesehen

Wichtiger als Methoden- und Fachkompetenz ist die Sozialkompetenz des Innovationsmanagers

 

Ein Gastbeitrag unseres Kooperationspartners

Innovationsmanager Magazin

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