Offene Innovation für KMU: Chancen und Hürden

erstellt am 19.04.2011

Procter & Gamble, BMW und IBM heißen einige der Open Innovation-Medienstars. Denn diese Konzerne haben nachweislich großen Erfolg mit der partnerschaftlichen Forschung und Entwicklung – ihre Produktneuheiten stammen zu beachtlichen Teilen von externen Dienstleistern oder aus virtuellen Netzwerken. Was aber bedeutet das für die Max Müller GmbH oder Karla Kuhl & Co.?

Eine Studie der Rotterdamer Erasmus-Universität hat 605 kleine und mittelständische Unternehmen aus den Niederladen zum Thema Open Innovation befragt. Wenn KMU (kleine und mittelständische Unternehmen) sich der offenen Innovation zuwenden, verfolgen sie demnach grundsätzlich klare auf den Markt bezogene Ziele – sie wollen etwa Kundenwünsche erfüllen oder sich Wettbewerbsvorteile verschaffen.

Bei der Umstellung auf Open Innovation lassen sich laut der Studie charakteristische Unterschiede zwischen Dienstleistern und Produktherstellern sowie zwischen kleineren und größeren Unternehmen feststellen.

Als eines der Haupthindernisse bei der Zusammenarbeit mit anderen Firmen nannten die befragten Unternehmen organisatorische und kulturelle Differenzen. Daneben tauchen ernsthafte Probleme bei der Verwaltung, der Finanzierung und dem Wissenstransfer auf.

Open Innovation aus Sicht des „kleineren“ Partners

Für Blogging Innovation hat Stefan Lindegaard kleine und mittelständische Unternehmen zu ihren Erfahrungen mit offener Innovation befragt – das erste Interview der Serie gibt Einblick in eine deutsche Software-Schmiede.

Jan Schlink von Metaio, einem Spezialisten für Augmented Reality, war sich zu Beginn nicht einmal sicher, ob sein Unternehmen offene Innovation betreibt. Darunter sei doch eher die Partnerschaft großer Unternehmen mit kleinen Dienstleistern zu verstehen.

Diese Einschätzung der eigenen Rolle sei in kleineren Unternehmen häufiger zu beobachten, erklärt Stefan Lindegaard: Während Open Innovation in großen Unternehmen zumeist ein strategisches Thema ist, befassen sich kleine Firmen manchmal erst dann mit der Angelegenheit, wenn ihnen eine Partnerschaft angeboten wird.

Auf die Frage nach den Vorteilen antwortet Jan Schlink, dass Metaio alleine durch den Verkauf der eigenen Softwareprodukte niemals eine so bedeutende Stellung hätte erreichen können. Außerdem sei es interessant, vom großen Partner zu lernen – beispielsweise was Abläufe und Produktlebenszyklen betrifft.

Während Konzerne mit offener Innovation in der Regel ihre führende Position sichern oder neue Produktvorteile erzielen wollen, hilft eine Innovations-Partnerschaft kleinen Unternehmen beim Erobern neuer Marktsegmente.

Dass der größere Partner Ideen stehlen oder den kleineren Partner strategisch über den Tisch ziehen könnte, sind die Hauptsorgen von KMU, glaubt Jan Schlink. Doch ließe sich derart unangenehmen Überraschungen mit guter Vorbereitung und ausgefeilten Verträgen vorbeugen. Und er bekräftigt: Wo es um die juristischen Rahmenbedingungen geht, sollten kleine Unternehmen keinesfalls Geld sparen.

An Innovations-Partnerschaften interessierte KMU müssen seiner Ansicht nach ihreProdukte anpassen können (an Industrie- und Qualitätsstandards und kurzfristige Änderungen); sie sollten international ausgerichtet, aufgeschlossen und sozial kompetent sein – und genau wissen, wo ihre Stärken liegen.

Weil in Innovations-Partnerschaften zwangsläufig Querverbindungen zwischen den verschiedenen Abteilungen der kooperierenden Unternehmen entstehen, sei es wichtig, so Schlink, dass die Verantwortung für das Thema nicht nur bei der Geschäftsführung liege, sondern dass alle mit im Boot seien.

Training für den Ernstfall

Je mehr Erfahrung Mitarbeiter in Bezug auf gemeinsames Entwickeln mitbringen, desto leichter werden sie sich künftig in ein firmenübergreifendes Innovations-Team eingliedern lassen. Zur Vorbereitung schlägt Stefan Lindegaard in einem Beitrag für 15inno vor, dass Mitarbeiter die nötigen Sozialkompetenzen trainieren, indem sie sich an Projekten von Intermediären wie IdeaConnection oder auch InnoCentive beteiligen.

In den buntgemischten Teams dieser Intermediäre wird zwangsläufig auch der Umgang mit kulturell völlig unterschiedlich geprägten Menschen geübt. Dies ist gerade für Mitarbeiter kleiner Unternehmen wichtig, weil dort das Thema Diversity weniger häufig und heftig auf den Tisch kommt als in internationalen Konzernen.

Auch auf der Wissensplattform Quora finden sich weitere Antworten auf die Frage „Mit welchen Hürden müssen an offener Innovation interessierte KMU rechnen?“

Quell-URL: http://die-erfinder.3mdeutschland.de/innovationskultur/offene-innovation-fuer-kmu-chancen-und-huerden

Die-Erfinder.com: http://www.Die-Erfinder.com