Die 7 Tugenden: ein Aufruf zu mentaler Innovation

Tugenden

„Wir sollten weniger über technische Innovationen und mehr über unsere Haltung nachdenken.“ So lautet ein Standpunkt Bernd Kolbs, der sich nach Stationen als Internet-Pionier und Innovationsvorstand der Telekom heute mit Workshops und Vorträgen für einen neuen Unternehmergeist und eine „Balanced Economy“ stark macht.

„Ich glaube an die Möglichkeiten des Engineerings. Unsere Kreativität ist grenzenlos. Doch hat sie uns auch in unsere heutige Lage gebracht.“ Eine Lage, in der „Weitermachen wie bisher“ keine Option mehr ist, wie Kolb die aktuelle Projektion des Club of Rome über den Zustand unserer Welt im Jahr 2052 zusammenfasst.

An sinnvollen Innovationen fehlt es uns nicht, wir müssten sie nur anwenden. Doch tun wir es nicht – aus Faulheit, Geiz oder Eitelkeit. Deshalb brauchen wir eine neue globale gesellschaftliche Haltung:

„Mit einem Küchenmesser kann ich Brot schneiden – eine hochgradig sinnvolle Anwendung. Ich kann damit einen Menschen töten – eine hochgradig unsinnige Anwendung. Entscheidend ist also die Anwendung einer Technologie. Und diese Anwendung ist wiederum eine Frage der Haltung. Auch ich weiß, dass ich mit meinem Küchenmesser jemanden umbringen kann, habe es aber noch nie gemacht – weil mich offensichtlich irgendetwas daran hindert.“

Tugenden als Orientierungsrahmen

Bei der Beschäftigung mit dem fast zwangsläufigen Untergang hochentwickelter Zivilisationen stieß Bernd Kolb auf die sieben Todsünden – und als andere Seite der Medaille auf vier antike und drei christliche Tugenden: Weisheit, Mut, Mäßigung, Gerechtigkeit, Glaube, Liebe und Hoffnung. „Wenn es nun darum geht, unsere Zukunft zu meistern, brauchen wir eine gewisse Qualität in unserem Denken und Handeln, die ich in dem Begriff Tugend sehr gut beschrieben fand.“

Aus diesen Überlegungen entstand Kolbs Vortrag „Die 7 Tugenden“, in dem er zunächst den Finger in die Wunde legt. Da geht es um die Folgen von Missgunst, Ignoranz und Maßlosigkeit, untermalt mit drastischen Zahlen, die allesamt öffentlich verfügbar sind.

Im weiteren Verlauf liegt der Fokus auf möglichen Auswegen – in Anlehnung an die sieben Tugenden. Wobei es falsch sei, die Diskussion auf nötige Einschränkungen zu verkürzen: „Ich glaube, wir brauchen eine Revolution der Qualität, nicht der Quantität.“ Und daraus ergeben sich auch neuartige unternehmerische Ansätze. Innovative Geschäftsmodelle verbinden für Bernd Kolb grundsätzlich Nachhaltigkeit und Rentabilität.

Mentale Innovationen: vom Hersteller zum Organisator des Gebrauchs

Maßlos (und sinnlos) sei es, dass auch in seinem Haushalt zwei Bohrmaschinen herumliegen, die nur alle paar Jahre zum Einsatz kommen. „Nachdem wir in dieser Phase unseres Wirtschaftens mehr Rohstoffe konsumieren als dieser Planet physikalisch zur Verfügung stellt, sollten wir an allen möglichen Stellen darüber nachdenken, wie wir rauskommen aus diesem Materie-Besitz-Denken und hinkommen zu einem Denken in Anwendungen.

Vom Verbraucher zum Gebraucher ist eine Philosophie des Produzierens und Nutzens von Dingen, die dem angemessen ist, dass unser Planet die Kapazität vorgibt. „Da können wir noch so tolle Planungen machen, wie wir wachsen und was wir noch alles an Bruttosozialprodukt-Schüben kriegen. Wenn es dafür nicht genügend Rohstoffe gibt, werden wir das Wirtschaften insgesamt umstellen müssen. Daher ist das richtige Maß zu finden meiner Meinung nach eine sehr wichtige Tugend.“

Auf die Frage, wie er das dem Hersteller der Bohrmaschine erklären wolle, antwortet Bernd Kolb: „… dass er sich sein Geschäftsmodell anschauen muss! Ich würde ihm sagen, in Wahrheit machst du dein Geschäft nicht mit Bohrmaschinen, sondern mit Löchern. Und wenn du anfängst so zu denken, dann denkst im neuen Paradigma. Und dann kannst du dir überlegen, welche Dienstleistungen beispielsweise vonnöten wären um dein Geschäft so zu organisieren, dass du künftig Löcher vermarktest und nicht mehr Hardware.“

Die 7 Tugenden zum Ansehen

Aufzeichnungen des Vortrags gibt es mit verschiedenen Schwerpunkten:

·         Als programmatische Rede beim Entrepreneurship Summit 2012

·         Anlässlich des NRW-Tages 2012

·         Als Teil der Konferenz Brand New Day 2012 im Konzerthaus Berlin

·         Als Gast der interdisziplinären Künstler-Plattform MADE

Strategien gegen den Kollaps unserer ökologischen, ökonomischen und sozialen Systeme entwickelt der von Bernd Kolb gegründete interdisziplinäre Thinktank Club of Marrakesh. Mehr zu dem Projekt und Bernd Kolbs Werdegang ist hier nachzulesen:

·         Wired

·         Ärzteblatt

·         Spiegel Online

·         Brandeins

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