Die Qual der Wahl: eine Methoden-Übersicht zur Ideenbewertung

Ideenbewertung

Es hilft alles nichts – irgendwann muss eine Entscheidung her. Welche Idee ist am besten? Weil die Wahl einer Idee gleichzeitig bedeutet, unzählige andere auszumustern, ist dieser Teil des Innovationsprozesses sicherlich einer der anstrengendsten. Da kommt methodische Unterstützung eventuell wie gerufen …

Genau wie beim Ideensammeln gibt es typische Emotionen und Verhaltensweisen, die eine Entscheidung gerade für umwälzende Ansätze be- und verhindern können: persönlicher Geschmack, Konfliktscheue, Bequemlichkeit und Wertekollision, um nur einige zu nennen. Methodisches Vorgehen kann dabei helfen, diese Klippen zu umschiffen und den Aufwand möglichst gering zu halten.

In einem Artikel im vergriffenen Handbuch Innovationskultur und Ideenmanagement beschreibt Horst Geschka ein vierstufiges Problemlösungsmodell und nennt dazu jeweils die wichtigsten Methoden.

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Nachdem es in den Phasen 1 und 2, Problemklärung und ldeenfindung, darum ging, möglichst viel Verschiedenes und Abwegiges zuzulassen (divergentes Denken), gilt es jetzt, in den Phasen 3 und 4, Ideenauswahl und Umsetzungsentscheidung,wieder auf den Punkt zu kommen (konvergentes Denken).

Der Innovationsexperte Graham Horton nennt in seinen Zehn Regeln für die Ideen-Beurteilung die Verfeinerung der Ideen als eine weitere entscheidende Phase. Im vorliegenden Modell läuft die Verfeinerung stets parallel als Voraussetzung für die jeweils nächste Entscheidungsrunde.

Horst Geschka sortiert die Bewertungsmethoden in drei Gruppen – ganzheitlich, dialektisch analytisch– und nach Komplexität.

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1. Ganzheitliche Bewertungsmethoden

Bewertung jedes Vorschlags als Ganzes ohne Betrachtung von Teilaspekten

Rosinenpicken: Spontan und subjektiv greift sich jeder seine fünf (hierzu am besten in Kartenform vorliegenden) Lieblingsideen heraus. Diese Ideen gehen in die nächste Runde.

Punktekleben: Diese Methode ist der einfachen Abstimmung deswegen überlegen, weil sie Konsens begünstigt. Jeder erhält eine gleiche Anzahl von Klebepunkten und verteilt diese möglichst zügig auf die auf einer Liste stehenden Ideen. Ein noch differenzierteres Meinungsbild ergibt sich bei einer Gewichtungsmöglichkeit (Verteilung der Punkte von gleichmäßig bis „alle Punkte zu einer Idee“).

Paarvergleich (geeignet bei weniger als 15 Ideen): Jede Idee wird im Vergleich mit jeder anderen bewertet, woraus sich eine Rangfolge ergibt.

2. Dialektische Bewertungsmethoden

Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen ohne strenge Ausrichtung an Kriterien dient der Vorbereitung der eigentlichen Entscheidung

Pro/kontra-Katalog: Für jeden Vorschlag werden Pro- und Kontra-Argumente ausformuliert und einander in zwei Spalten gegenübergestellt. Anschließend kann ein Punktekleben oder Paarvergleich stattfinden.

Ideenanwalt (geeignet bei weniger als 20 Ideen): Wirkt der Gefahr der Trägheit und Routine in Bewertungssitzungen entgegen. Jede Idee bekommt einen „Anwalt“, der ihre einzigartigen Vorzüge zu vertreten hat. Für die eigentliche Auswahl eignen sich anschließend Nutzwertanalyse oder Paarvergleich.

3. Analytische Bewertungsmethoden

Bewertung nach einzelnen Kriterien mit dem Vorteil der Nachvollziehbarkeit und der Möglichkeit des Abgleichs mit den Zielen – bei gleichzeitigem Risiko, die Gesamtwirkung einer Idee aus den Augen zu verlieren

Muss-Auswahl: Erfüllt eine Idee ein zuvor festgelegtes, fallspezifisches K.O.-Kriterium nicht, scheidet sie aus.

Soll-Auswahl: Ja/Nein-Auswahl mit Kompensationsmöglichkeit; erfordert vorherige Festlegung einer Toleranzgrenze. (Wie viele Kriterien müssen auf jeden Fall erfüllt sein?)

Muss- und Soll-Auswahl eignen sich für den einfachen Ausschluss nicht geeigneter Ideen.

Checklisten: Als Fragen formulierte Kriterien werden pro Idee abgehakt oder auf einer Skala bewertet.

Nutzwertanalyse: Graduelle Kriterien (Time-to-Market oder Investitionsvolumen) werden auf einer Skala bewertet; die einzelnen Kriterien sind außerdem nach ihrer Bedeutung gewichtet. Die Gesamtgüte errechnet sich aus der Kombination beider Messgrößen und ergibt eine Ideen-Rangfolge.

Portfolio-Analyse: Zwei unterschiedliche Kenngrößen, in denen mehrere Kriterien zusammengefasst sein können, stehen sich in einer Matrix gegenüber. Ziel ist es, aus der Positionierung der Ideen Umsetzungsprioritäten abzuleiten. Dimensionen können zum Beispiel sein:

  • Marktrisiko vs. technisches Risiko,
  • Marktattraktivität vs. Umsetzungsbarrieren,
  • Marktattraktivität vs. Know-how-Nutzung,
  • gesellschaftliche Akzeptanz vs. ökonomisch-technische Attraktivität

Wirtschaftlichkeits-Rechnungen (eher geeignet für einen späteren Zeitpunkt innerhalb des Innovationsprozesses): Summe der Auszahlungen und Einzahlungen über die gesamte Entstehungs- und Nutzungsdauer des Innovationsvorhabens nach den möglichen Ansätzen

  • Kapitalwertmethode (NPV),
  • Amortisationsrechnung,
  • „Innerer-Zinsfuß“-Methode

Ende der Debatte

Liegt endlich eine enge Auswahl vor, muss noch die endgültige Entscheidung fallen. Den wiederum ganz eigenen Regeln dieses Schritts widmet sich der nächste Abschnitt des Artikels.

Zwar fast schon ein Klassiker, doch immer wieder schön ist der Blick in eine Fokusgruppe der Steinzeit, der typische Entscheidungs-Dilemmata unterhaltsam auf den Punkt bringt.

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