Gemeinsame Innovation: Sieben Unterschiede zwischen kleinen und großen Unternehmen

Gemeinsame Innovation

Dinosaurier-Strukturen kontra Sponti-Kultur: Jenseits von Klischees gibt es tatsächlich wesentliche Unterschiede zwischen großen und kleinen Unternehmen, gerade wenn es darum geht, innovativ zu sein. Diese Unterschiede fordern bei einer Zusammenarbeit viel von beiden Parteien, eröffnen aber auch Chancen.

In Making Open Innovation Work gibt Autor und Berater Stefan Lindegaard praktische Tipps zum Thema Innovation. In dem Buch, das er als kostenlosen Download bereitstellt, befasst er sich unter anderem auch mit der unterschiedlichen Unternehmenskultur von großen im Vergleich zu kleinen Unternehmen. Dabei hat er sieben wesentliche Unterschiede ausgemacht:

1. Schnelligkeit beim Entscheiden

Große Konzerne mit einer bürokratischen Maschinerie brauchen oft viel länger als kleinere Firmen mit flacher Hierarchie, um Entscheidungen zu treffen. Wenn beide Unternehmensarten im Rahmen offener Innovation aufeinandertreffen, empfindet das kleinere Unternehmen die Fortschrittsgeschwindigkeit oft als frustrierend langsam. Gleichzeitig sind die Beteiligten des größeren Unternehmens häufig genervt, wenn der kleinere Partner ständig zur Beschleunigung mahnt.

2. Risikobereitschaft

Die Risikobereitschaft von großen und kleinen Unternehmen kann variieren. Besonders wenn das kleine Unternehmen in der Start-up-Phase noch schnell wächst, ist es oft extrem risikobereit, weil sein ganzes Vorhaben ja ein Risiko ist. Jahrzehntelang bestehende Unternehmen ziehen es allerdings eher vor, dass alles bleibt, wie es immer war, anstatt etwas Neues und womöglich Riskantes auszuprobieren. Auch hier ist beiderseitige Frustration zu erwarten.

3. Einsatz von Ressourcen

In kleinen Unternehmen zählt jeder Cent. Die meist knappen Ressourcen werden nur dann bewilligt, wenn sie direkt dem Umsatzergebnis dienen. Bei größeren Unternehmen steht dieses Kriterium nicht so stark im Vordergrund.

4. Verständnis und Kontrolle der Geschäftsmodelle

In einem kleinen Unternehmen versteht jeder, wie die Firma funktioniert, welches Geschäftsmodell verfolgt wird und was dem Kunden Mehrwert bringen soll. Große Unternehmen sind in ihren Strukturen so fragmentiert, dass die Mitarbeiter gar nicht alles verstehen können. Innovationen im gesamten Unternehmen und überhaupt ein gemeinsames Verständnis davon durchzusetzen, ist da eine schwierige und langwierige Aufgabe. So ist Innovation dann auch eher im Produktbereich denn im ganzen Unternehmen angesiedelt.

In größeren Unternehmen fühlen Menschen sich nur für ihren Bereich verantwortlich. Hingegen „kontrollieren“ einige wenige Menschen die Unternehmensstrategie. Umso wichtiger ist es, dass die Geschäftsleitung Innovationen vorantreibt. Je mehr die „Kontrolle“ sich auf Entscheidungen, Budgets und Inhalte verteilt, desto schwieriger werden Innovationen. Bei einer Zusammenarbeit könnten kleinere Unternehmen die Auswirkungen als mangelnde Begeisterung des großen Unternehmens betrachten und die Geschwindigkeit auch hier als viel zu langsam empfinden.

5. Vorhandensein von Prozessen

Viele kleine Unternehmen haben noch keine Innovationsprozesse festgelegt. In dem gesamten Themenbereich Prozesse, Tools und Unternehmensführung kann ein kleines Unternehmen sicher besonders von einer Partnerschaft mit einem größeren Unternehmen profitieren.

6. Definition von Innovation

Kleine und große Unternehmen können den Begriff Innovation ganz unterschiedlich definieren. Für einige, vielleicht die meisten Großunternehmen ist Innovation ein „super“ Produktentwicklungs-Team. Sie suchen einen Durchbruch für ein bereits bestehendes Produkt oder Projekt. Bei einem Start-up ist die Innovation das komplette Geschäft.

7. Umgang mit Regeln

Große Unternehmen befassen sich mit dem Wettbewerb, dem Markt und den Regeln. Kleine Unternehmen schaffen eher neue Regeln. Hier können große Unternehmen profitieren, da für erfolgreiche Innovationen Regeln öfter gebeugt und manchmal auch gebrochen werden müssen.

Große Innovatoren wie Google, Apple, P&G und 3M, die in den bürokratischen Strukturen von Großunternehmen auch starke Prozesse für eine erfolgreiche Innovationskultur haben, sind eher die Ausnahme. Genauso wie die Firma Cisco, die statt Wettbewerb in einer Kultur der gemeinsamen Ziele in offener Innovation mit Partnern zusammenarbeiten möchte. Wenn Unternehmen aber immer ihre Größe und Macht nutzen, um sich durchzusetzen, haben kleinere Unternehmen besonders am Anfang einer Zusammenarbeit Probleme mit diesem Verhaltensmuster.

Unterschiede als Verbindungsglied

Vielleicht lässt sich nach den Ausführungen von Lindegaarddas Fazit ziehen, dass eine Zusammenarbeit besonders dann zu erfolgreichen Innovationen führt, wenn das Großunternehmen sich selbst Raum für ein Stück Start-up-Spiritschafft, aber das kleine Unternehmen andererseits auch bereit ist, von den erfolgreichen Strukturen des Großunternehmens zu lernen.

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