„Guten Tag, hier spricht ihr Auto“

Eine Weltkugel im Datenstrom

Japan vergibt eine Vorwahlnummer allein für Maschinen, die übers Handynetz miteinander kommunizieren. Mit der Maßnahme will das Land im kommenden Internet der Dinge seine Spitzenstellung verteidigen.

 

Martin Kölling Handelsblatt Tokio   In Japan könnten die Menschen ein weiteres Alleinstellungsmerkmal an immer intelligentere Maschinen verlieren: die eigene Mobiltelefonnummer. Japans Innen und Kommunikationsministerium will neben der Vorwahl 060 die Vorwahl 020 freischalten – und zwar speziell für die Verbindung zwischen Geräten. Auch die Freigabe weiterer Vorwahlen für die Maschinenkommunikation wird erwogen. Zugespitzt gesagt könnten damit in ein paar Jahren bald mehr Geräte als Menschen Telefonnummern besitzen.

 

Die Vergabe ist ein wichtiger industriestrategischer Schritt. Das Ministerium will damit ein Hemmnis für die nächste Revolution der Internetwirtschaft beiseite räumen: Für das kommende Internet der Dinge (IoT) werden die Mobilnummern knapp.

 

Bereits jetzt sind nach Schätzungen weltweit 25 Milliarden Geräte miteinander und mit riesigen Rechenzentren verbunden. Doch in Zukunft werden immer mehr Autos, Maschinen, Unterhaltungs- und Haushaltselektronik sowie Messgeräte und Sensoren vernetzt, um unsere Lebens- und Arbeitswelten immer feiner zu vermessen und zu steuern.

 

Japan gehen die Handynummern aus

Das Problem: Nicht immer geht dies über bestehende Wifi- oder Festnetzleitungen. Gerade für mobile Geräte wie Autos oder Sensoren im Außeneinsatz wie smarte Stromablesegeräte sind Mobilnetzverbindungen oft die beste Wahl. Nur gehen in Japan den bisher freigeschalteten Vorwahlen 070, 080 und 090 spätestens 2018 die Nummern aus. „Die Einführung eines eigenen Vorwahlbereichs für vernetzte Geräte zeigt, dass die Regierung das Thema wirklich ernst nimmt und in der Zukunft einen festen Platz für das IoT sieht”, sagt Marco Köder, Direktor für Digital Business bei J. Walter Thompson in Tokio.

 

Die Regierung wird von der Sorge getrieben, dass Japan und seine Firmen wie schon bei Flachfernsehern oder Smartphones die frühe Weltmarktführung verlieren. Auch bei der Verbreitung der mobilen Internetwirtschaft und vor allem der Monetarisierung von Inhalten wie Spielen und sozialen Netzwerken hat Japan schon vor mehr als zehn Jahren den Durchbruch geschafft.

 

Darüber hinaus sei Japan im Internet der Dinge auch im Unternehmenskundengeschäft sehr stark, sagt Köder. Viele mobile Maschinen verfügt bereits über eigene Leitsystem und Kommunikationsschnittstellen. Doch nun holt die Welt auch hier auf. „Die Frage ist diesmal, inwieweit sich Japan dem internationalen Wettbewerb stellen und Lösungen entwickeln kann, die einen globalen Bedarf decken“, so Köder.

 

Panasonic verschenkt wichtige Patente

Der Elektronikkonzern Panasonic griff daher bereits zu einem drastischen Mittel, um sich beim IoT in der globalen Spitze zu etablieren. Es hat dieses Jahr 50 Patente für die Vernetzung von Geräten und Rechenzentren in der Cloud Interessenten lizenzfrei zur Verfügung gestellt. „Wir hoffen, dass unsere Initiative andere globale Firmen inspirieren wird, ebenfalls ihr geistiges Eigentum und ihre Ideen zur Verfügung zu stellen, um Netzwerke durch diese Allianz zusammenarbeiten zu lassen“, begründete der Chief Technology Officer von Panasonics nordamerikanischer Niederlassung, Todd Rytting, den Schritt.

 

In Japan wiederum will die Regierung die Hemmnisse schleifen, um Japans Unternehmen daheim ein Freilandlabor mit den bestmöglichen Bedingungen zu bieten. Die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe fördert auch massiv die New Economy und die boomende Start-up-Szene. Wichtige Ministerien haben sogar eigene Wagniskapitalfonds eingerichtet, um neue Geschäftsideen zu fördern.

 

Mit den zwei neuen Vorwahlen wird nun die Infrastruktur für das Internet der Dinge deutlich verbessert. Künftig werden 170 Millionen neue Verbindungen verfügbar. Nicht alle werden allerdings an Maschinen gehen, da die 060-Nummer auch für Menschen genutzt werden soll. Aber es gibt ja noch die Vorwahlen 030 und 040, um künftige Engpässe zu entschärfen.

 

Handelsblatt 25.06.2015

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