Auftrieb für Biometrie-Branche

Fingerabdruck

Fingerabdruck-Sensoren in Laptops und Smartphones gibt es schon lange. Bisher scheiterten Versuche, biometrisch gestützte Zugangskontrollen massentauglich zu machen. Das könnte sich nun ändern.

Fingerabdruckleser für Computer und Smartphone sind keine Erfindung von Apple. So bieten Notebook-Hersteller wie Lenovo schon seit Jahren in bestimmten Modellen die Option an, mit einem Fingerwisch die Bildschirmsperre aufzuheben. Doch bislang konnte sich dieses Feature nicht durchsetzen. Für das inzwischen obsolete Smartphone- System Windows Mobile brachten die asiatischen Hersteller HTC und Toshiba vor Jahren bereits Modelle mit einem Scanner für Fingerabdrücke auf den Markt. Doch sie waren damit ebenso wenig erfolgreich wie Motorola mit seinem Android-Smartphone Atrix, das auch mit einem Fingerabdruck geöffnet werden konnte.

Apple bereitete sich jahrelang auf den Einstieg in die Biometrie- Technologie vor. Im Juli 2012 wurden intensive interne Forschungen durch den Kauf der Technologie-Firma Authentec für 356 Millionen Dollar abgerundet. Und seit wenigen Tagen ist nun das neuen iPhone 5s zu kaufen. Damit könnte nach Einschätzung mancher Experten eine neue Ära für die Biometrie im Massenmarkt anbrechen.

Im Home-Button des Geräts befindet sich ein Fingerabdruckscanner, der das Telefon entsperren kann. Außerdem kann der Fingerabdruck beim Einkauf im iTunes-Store von Apple das Passwort ersetzen. „Wir halten das für einen guten und wichtigen, weil anwenderfreundlichen Schritt“, sagt Sabine Bendiek, Geschäftsführerin von EMC Deutschland, einem Spezialisten für die Speicherung großer Datenmengen. „Passwörter werden zu einfach gewählt oder sie sind so komplex, dass Anwender sie sich nicht merken können.“

„Das iPhone 5s ist das erste im großen Stil vertriebene Mobilgerät, in dem ein biometrischer Sensor verbaut wird“, freut sich Kay Meier, Top- Manager des amerikanischen Biometrie- Start-ups Bio-key. „Das ist der Tag, auf den wir lange gewartet haben“, sagte Meier. Allerdings sei das Apple- System allein darauf ausgerichtet, das iPhone selbst und das eigene Ökosystem – nämlich den Einkauf bei iTunes – abzusichern.

Was in den Augen von Meier als Nachteil der iPhone-Lösung erscheint, sieht Apple als großen Vorteil. Die Kalifornier planen nämlich bislang nicht, die biometrischen Informationen über eine Programm- Schnittstelle (API) anderen Software- Herstellern und Dienstleistern bereitzustellen. Auch einen Einsatz des iPhones als digitales Portemonnaie hat Apple bisher nicht geplant. Vielleicht ahnen Cook und seine Leute auch, dass die Akzeptanz für einen breit angelegten Einsatz des Fingerabdrucks als Universalschlüssel für Finanz- Transaktionen oder Zugangskontrolle für Heim und Büro bei den Kunden noch nicht vorhanden ist.

Zur Verunsicherung der Anwender tragen auch Äußerungen wie die des Hamburgischen Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar bei. Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sagte er, Fingerabdrücke sollte man nicht für alltägliche Authentifizierungsverfahren abgeben, insbesondere wenn sie in einer Datei gespeichert werden. „Biometrische Merkmale kann man nicht löschen. Sie begleiten uns das Leben lang.“ Apple hatte allerdings zum Verkaufsstart des iPhone 5s schlüssig geschildert, dass der Fingerabdruck selbst gar nicht auf dem iPhone gespeichert wird.

Das Smartphone erzeugt – wie andere Biometrielösungen auch – aus den Linien des Fingerabdrucks eine Zahl, in die in einer komplexen mathematischen Berechnung ein zufälliger Wert mit eingeht. Nur dieser „Hash“ wird gespeichert, und aus dieser Zahl lässt sich kein Fingerabdruck rekonstruieren, selbst wenn man über die Hochleistungsrechner der NSA verfügt. Außerdem verschlüsselt Apple diesen „Hash“ noch mit einem aufwendigen Kryptoverfahren.

Doch auch wenn sich der Fingerabdruck nicht auslesen lässt, gibt es Missbrauchsmöglichkeiten. Einem Experten des Chaos Computer Clubs ist es nach eigenen Angaben gelungen, den Apple-Sensor mit Hilfe einer Nachbildung auszutricksen. Er veröffentlichte ein kurzes Video, in dem zu sehen ist, wie ein iPhone 5s mit Hilfe einer Folie auf einem anderen Finger entsperrt wird. Apple betonte bisher, das iPhone 5s erfasse für die „Touch ID“-Funktion in hoher Auflösung Teile des Fingerabdruck-Musters in tieferen Hautschichten. Es ist ein kapazitativer Sensor – das heißt, er reagiert auf das elektrische Feld des Fingers. Der Konzern selbst verglich die Sicherheit der Lösung mit der eines fünfstelligen Zahlen-Codes. Immerhin: Das iPhone verlässt sich nicht nur auf den Fingerabdruck, sonder lässt den Benutzer auch regelmäßig seinen Sicherheits-Code eintippen.

Handelsblatt, News am Abend, Dienstag 24.09.2013

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