Chemielabor auf einem Chip

Eine Platine mit verschiedenen Microchips

Mit dem Europäischen Erfinderpreis sind in diesem Jahr zehn Forscher für Innovationen in der Medizin, bei Kunststoffen und in der Datenübertragung ausgezeichnet worden.

Thomas Trösch Handelsblatt Paris  Ein Chemielabor auf einem Chip, ein voll recycelbarer Kunststoff oder der erste Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs: Das Europäische Patentamt (EPA) hat in Paris seine renommierten Erfinderpreise vergeben. Die international besetzte Fachjury hatte aus Hunderten Vorschlägen zehn Forscher ausgewählt.

 

Der Europäische Erfinderpreis gilt als wichtigster Preis für Innovation in Europa. Er wird seit 2006 jährlich vom EPA verliehen und soll Erfinder ehren, die mit ihrer Arbeit technische Lösungen für die wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit entwickelt haben.

 

So wie Ludwik Leibler. Der Franzose hat eine neue Klasse von Kunststoffen entwickelt, mit denen sich die wachsenden Plastikmüll-Berge bekämpfen lassen. Die sogenannten Vitrimere sind vollständig recycelbar und haben die Fähigkeit zur Selbstheilung – eine umweltschonende Alternative zu Glas oder Metallen etwa im Fahrzeugbau oder in der Elektronik. Für diese Entwicklung wurde Leibler mit dem Erfinderpreis in der Kategorie Forschung ausgezeichnet.

 

Für viele Frauen bedeutet die Diagnose Brustkrebs einen belastenden Marathon aus OP, Bestrahlung und Chemotherapie. Die Niederländerin Laura van ’t Veer hat einen genbasierten Gewebetest entwickelt, der im Frühstadium der Krankheit verlässliche Aussagen ermöglicht, ob eine Chemotherapie notwendig ist. Dafür hat van ’t Veer den Erfinderpreis in der Kategorie kleine und mittlere Unternehmen erhalten.

 

Wer heute zu seinem Smartphone greift, hat gute Chancen, mit der Erfindung von Franz Amtmann und Philippe Maugars in Kontakt zu kommen. Das österreichisch-französische Forscherduo hat es möglich gemacht, dass Mobiltelefone heute per Nahfeldkommunikation (Near Field Communication, NFC) berührungslos und sicher Daten übertragen. Ob beim bargeldlosen Bezahlen, als Steuerung für Smart Homes oder als Tool für Industrie-4.0-Anwendungen, NFC ist auf dem besten Weg, sich zur Schlüsseltechnologie für den mobilen Datenaustausch zu entwickeln. Franz Amtmann und Philippe Maugars erhielten dafür in Paris den Preis in der Kategorie Industrie.

 

Einen Preis für sein Lebenswerk erhielt der Schweizer Andreas Manz. Mit seinem Lab-on-a-Chip revolutionierte er die Analysetechnik. Mikrochips mit integrierten Pumpen, Ventilen und Kanälen ermöglichen Forschern medizinische, biologische oder chemische Analysen in einem Bruchteil der Zeit und zu deutlich geringeren Kosten gegenüber klassischen Laboranalysen. Ein Beispiel: DNA-Schnelltests zur Prävention von Erbkrankheiten.

 

Der Preis in der Kategorie Außereuropäische Staaten ging nach Japan: Sumio Iijima, Akira Koshio und Masako Yudasaka wurden für die Entwicklung von Kohlenstoff-Nanoröhren geehrt. Kohlenstoff in dieser Form hat unglaubliche Eigenschaften: Er ist stabiler als Stahl, so reißfest wie keine andere Substanz, leichter als Aluminium und biegsam. Mit Hilfe von Kohlenstoff-Nanoröhren werden PCs schneller, Auto und Flugzeugteile stabiler und Solarmodule effizienter.

 

Auch der per Abstimmung auf der EPA-Website vergebene Publikumspreis wurde für eine Innovation auf dem Gebiet der Krebs-Bekämpfung verliehen. Der Australier Ian Frazer konnte rund ein Drittel der insgesamt 47 000 abgegebenen Stimmen auf sich vereinen. Mit seinem 1999 verstorbenen chinesischen Forschungskollegen Jian Zhou, für den seine Witwe Xiao Yi Sun den Preis in Paris entgegennahm, wurde er für die Entwicklung von Gardasil ausgezeichnet. Dieser Impfstoff bekämpft das Humane Papillomavirus, einen Erreger von Gebärmutterhalskrebs.

 

„Die heute geehrten Erfinder haben bedeutende technologische Innovationen auf den Weg gebracht“, so EPA-Präsident Battistelli. „Der Erfindergeist und die Kreativität der Geehrten unterstreichen Europas Position als führende Technologieregion für Erfinder aus aller Welt.“

Handelsblatt 16.06.2015

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