Chinas „schwarzes Gold“

Eine Hand die eine wachsende Pflanze hält

Es klingt wie der Stein der Weisen: Ein Deutscher in China verwandelt Fäkal-Schlamm in Düngemittel und Biogas – und macht damit blendende Geschäfte

 

HB I PekingHeinz-Peter Mang ist von der Idee besessen, aus menschlichen Fäkalien Geld zu machen. Angesichts der massenhaft in die Städte ziehenden Chinesen ist der deutsche Ingenieur überzeugt, dass das Land das große Los gezogen hat.

 

In China wird ein zunehmender Anteil der Toilettenabwässer in Düngemittel und Biogas verwandelt. Schätzungen zufolge werden allein in Peking täglich 6800 Tonnen menschlicher Exkremente aufbereitet – die Menge reicht aus, um fast drei olympische Schwimmbecken zu füllen.

 

Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas hat im letzten Jahrzehnt Millionen von Landarbeitern in die Städte getrieben, was die größte Wanderungsbewegung in der Menschheitsgeschichte darstellt. 2013 hat die Zahl der Städter in China 731 Millionen überschritten und die Landbevölkerung um mehr als 100 Millionen überholt. Einige Auswirkungen dessen: im Norden gibt es Wassermangel und im Süden laufen Fäkalien in die Flüsse.

 

Das zwingt Stadtplaner zu einem kreativeren Ansatz im Umgang mit den Abwässern vom stillen Örtchen, und bringt Ingenieure wie Mang ins Spiel, um die Modelle weiterzuentwickeln. Der Vorstoß einer Weiterverwertung von Kot und Urin als Energieressource oder Dünger weitet sich über China hinaus aus, und Mang tritt dafür ein, das Modell auch in anderen Teilen der Welt zu nutzen.

 

„Die Welt kann viel von der Art und Weise in China lernen, wie Abfall als Energie nutzbar gemacht wird“, sagt der 57– jährige Mang, der mit Studenten der Universität für Wissenschaft und Technologie in Peking an ökologischen Projekten zur Abwasserentsorgung arbeitet. „Da die Wiederverwertung von Fäkalien nicht tabuisiert wird, dreht sich alles um die Wissenschaft einer sicheren Aufbereitung. Da immer mehr Menschen in die Städte ziehen, ergibt sich eine beispiellose Gelegenheit.“

 

Weltweit gibt es verschiedene Methoden, um menschliche Ausscheidungen zu entsorgen: einige Städte schütten sie in Flüsse, andere verbrennen und wieder andere vergraben sie. Die Exkremente der Menschen werden zwar schon seit Jahrhunderten weiterverwertet, doch China bietet sich angesichts der immer voller werdenden Städte eine einmalige Chance.

 

Mang kam nach seinem Abschluss als Umwelttechniker und einer Magisterarbeit über die nachhaltige Nutzung von Klärschlamm 1982 nach Chengdu – im Rahmen einer deutschen Regierungsdelegation zur Zusammenarbeit an einem Biogas-Projekt. Später arbeitete er auch in Afrika und Kuba und berät nun auch Projekte in den USA, doch Dreh- und Angelpunkt seines Lebens und seiner Arbeit wurde China. Mittlerweile arbeitet er mit Regierungsvertretern, Gelehrten und Gesundheitsplanern zusammen und ist Gastprofessor an der Universität in Peking.

 

Ein Beispiel für seine Vision ist eine Anlage in Peking, die Fäkalien in Düngemittel und Biogas verwandelt. Etwa 200 Lastwagen liefern hier täglich 800 Tonnen Fäkalschlamm an, was eindeutig am Geruch erkennbar ist. Der Schlamm wird in eine Maschine gepumpt, in der unverwertbare Restabfälle wie Toilettenpapier und Plastiktüten abgesondert werden, erklärt Zhang Hui, Werksleiter der Anlage mit dem Namen Sijiqing, was „Vier Jahreszeiten Grün“ bedeutet.

 

Der Rest wird dann getrennt: Feststoffe wandern in den Kompost-Flügel, wo sie zehn Tage lang bei 60 Grad Celsius fermentieren. Der Prozess tötet schädliche Bakterien und Eier des Ascaris ab – parasitäre Spulwürmer, die Menschen befallen. Der Kot wird dadurch zu einem reichhaltigen Düngemittel für Bäume und Gemüse verwandelt. Das flüssige Material fließt in Tanks zur Herstellung von Biogas und wird dann letztlich in die größeren Wasseraufbereitungsanlagen weitergeleitet.

 

China hat die Nase gegen- über anderen Entwicklungsländern vorn, was Sammelsysteme für städtische Abwässer angeht. Doch die Aufbereitungsquote ist noch nicht so weit vorgeschritten. Und für eine Massenanwendung gibt es Hürden, die es zu überwinden gilt. So stellen beispielsweise neue Migranten in den Städten ein Problem dar, denn viele von ihnen betrachten die Toilette als einen Mülleimer und schmeißen alles Mögliche von Batterien bis hin zu Zeitungen in die Toiletten-Schüssel. Und dann gibt es noch die Herausforderung der verpassten Gelegenheiten. Deshalb macht sich Mang dafür stark, die Wartung der Glühbirnen in öffentlichen Toiletten zu verbessern. „Die Menschen müssen zu allen möglichen Nachtzeiten mal – wenn man ihnen kein Licht gibt, wie sollen sie dann sehen, wo sie hinmachen?“, sagt er mit Blick auf die Exkremente, die sich manchmal morgens in öffentlichen Toiletten häufen. „Das ist eine Menge verschwendeter Ausscheidungen.“

 

Handelsblatt 17.02.2015                         

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