Das fliegende Forschungslabor

Solar Flugzeug

35 000 Kilometer nur mit Sonnenenergie: Die Solar Impulse 2 steht vor der schwierigsten Etappe ihrer Erdumrundung – der Überquerung des Pazifiks.

 

Holger Alich Handelsblatt Zürich Pioniere brauchen nicht nur Mut. Sondern vor allem Geduld. Fünf Wochen sitzen Bertrand Piccard und André Borschberg mit ihrem Team und dem Solarflugzeug Solar Impulse 2 nun schon im ostchinesischen Nanjing fest. Eine hartnäckige Schlechtwetterfront über dem Pazifik verhindert den Start zur längsten und gefährlichsten Etappe der Weltumrundung: der Überquerung des Pazifiks. Das Ziel: Hawaii. Einzige Energiequelle: die Sonne.

 

Montagabend um 21 Uhr deutscher Zeit sollte Pilot Borschberg endlich abheben. Doch der Start wurde kurz vorher noch einmal verschoben: Die Risiken für den Piloten seien wegen des instabilen Wetters zu groß geworden, berichtete die Flugkontrolle. Um eine Kaltfront zu durchqueren, hätte die Flugzeit auf etwa sieben Tage verlängert werden müssen, was für den Piloten kritisch geworden wäre.

 

Konzipiert ist die Königsetappe auf fünf Tage, die der 62-jährige Ex-Militärpilot im 3,8 Quadratmeter kleinen Cockpit des Solarflugzeugs allein verbringen soll. Schlafen kann er dabei nur rund 20 Minuten am Stück. „Damit ich eine Pause machen kann, muss ich vorher das Flugzeug auf einen ruhigen Kurs manö- vrieren“, sagte Borschberg dem Handelsblatt. „Denn einen richtigen Autopiloten gibt es nicht. Treten Turbulenzen auf, muss ich ans Steuer.“

 

Anfang März sind die beiden Schweizer Luftfahrt-Pioniere mit der Solar Impulse zu ihrer Weltumrundung in Abu Dhabi gestartet. Die Strecke von insgesamt 35 000 Kilometern soll das Flugzeug allein mit Sonnenenergie bewältigen. Das hat noch nie jemand gewagt.

 

Mit dem Projekt will das Solar-Impulse-Team zeigen, wie saubere Technologien den Ressourcen-Verbrauch verringern können. Das Team umfasst rund 80 Mitarbeiter, 60 davon begleiten das Flugzeug auf seiner Weltumrundung.

 

Die Macher verstehen ihr Projekt quasi als fliegendes Forschungslabor – die beim Bau des Prototypen verwendeten Technologien sollen später möglichst breit in der Industrie eingesetzt werden. „Würde die in unseren Flugzeugen verbaute Technologie global eingesetzt, ließe sich der Energieverbrauch der Menschheit halbieren“, hatte Solar-Impulse-Mitbegründer Piccard einmal gesagt.

 

Auch in der Wirtschaft stößt das ambitionierte Projekt daher auf Interesse. Rund 80 Unternehmen und Institutionen unterstützen den Schweizer Solar-Flieger mit Geld, Ingenieuren oder Technologien. Die vier Hauptsponsoren sind der Schweizer Industriekonzern ABB, die Swatch-Tochter Omega, der belgische Chemie-Riese Solvay und der Schweizer Fahrstuhlhersteller Schindler. Aus Deutschland sind Bayer Material Science und die Software-Sparte von Siemens mit von der Partie. Seit dem erfolgreichen Testflug in den USA im Jahr 2013 zählt auch der Internetgigant Google zu den Sponsoren.

 

Das Budget beträgt umgerechnet 125 Millionen Euro, verteilt auf zehn Jahre; hinzu kommen die Kosten für den Flug. Die großen Aeronautik Konzerne wie Airbus und Boeing stehen indes abseits.

 

Bayer Material Science hat an der Kohlefaser-Struktur des Rumpfes mitgearbeitet. Zudem ist ein neuartiger Isolierschaum der Deutschen mit an Bord. Er wird zur Isolierung der Batterien eingesetzt, damit diese nicht zu kalt werden und an Leistungsfähigkeit verlieren. Dieser Spezialschaum wird mittlerweile auch in Kühlschränken der höchsten Energie-Effizienz-Stufe und in der Bauindustrie verwendet.

 

Die Solar Impulse 2, die in zwölf Etappen die Welt umfliegt, ist das zweite Solarflugzeug des Teams. Die Maschine ist mit 17 248 Solarzellen bestückt, die sich auf 72 Meter Spannweite verteilen – mehr als bei einer Boeing 747.

 

Die Solarzellen stammen vom US-Anbieter Sunpower und sind so dünn wie ein menschliches Haar. Dennoch haben sie eine Effizienz von 22,7 Prozent – deutlich mehr als Solarzellen der meisten Häuslebauer, die auf einen Wert von 16 Prozent kommen. Solarzellen für Satelliten schaffen 30 Prozent – sind aber zu schwer.

 

Die Zellen speisen ihre Energie in Lithium-Batterien, die 633 Kilogramm wiegen. Sie können genug Strom speichern, damit die vier E-Motoren das Flugzeug bis zu maximal sieben Tage und Nächte in der Luft halten können. Piccard und Borschberg stellten ihre Idee am 28. November 2003 der Öffentlichkeit vor – wenige Tage vor dem 100. Jubiläum des ersten Flugs der Gebrüder Wright. Solar-Impulse-Mitbegründer Bertrand Piccard kennt sich mit Rekorden aus. Zusammen mit seinem Partner Brian Jones umkreiste er 1999 als erster Mensch die Erde in einem Ballon. Sein Vater Jacques schaffte einen Tiefsee-Weltrekord. Der Großvater war zuvor mit einem Ballon in die Stratosphäre aufgestiegen.

 

 

Handelsblatt 28.05.2015 

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