Das Haus, das aufs Wort hört

Smart Home

Das intelligente Heim kommt in Mode: Apple plant einen Universalstandard. Doch auch Google, Amazon und Samsung wollen mitmischen

Christof Kerkmann Handelsblatt Düsseldorf „Siri, Zeit ins Bett zu gehen!“ Ein Kommando genügt und das Garagentor fährt herunter, die Haustür verriegelt sich und alle Lampen gehen aus. Nur noch das Display des Smartphones leuchtet. Das Haus, das aufs Wort hört: Dieses Szenario hat Apple entworfen. Vor einem Jahr stellte der Elektronikhersteller auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC den Standard Homekit vor, der Geräte wie Überwachungskameras, Lampen und Waschmaschinen vernetzen soll. Nun sind erste Produkte auf dem Markt, die sich mit dem iPhone fernsteuern lassen. Dies könnte eine Initialzündung sein: „Alle im Markt haben auf diesen Moment gewartet“, ist sich der Unternehmensberater Bernd Kotschi sicher. Apple mit seiner Marktmacht könne dafür sorgen, dass Smart Home zum Trendthema werde.

 

Die Idee des intelligenten Hauses kursiert schon länger: Erste Kühlschränke mit Internetanschluss waren bereits Ende der 90er-Jahre auf Messen zu bestaunen. Doch die Idee verfing nicht; das Konzept war genauso wenig ausgereift wie die Technik – und so wurden die Luxus-Kühler zum Sinnbild für überzogene Erwartungen.

 

Heute sind die Komponenten leistungsfähiger und billiger. Und die Anwendungen werden in Zeiten der Energiewende immer ausgereifter. So könnte eine ausgeklügelte Steuerung von Heizung, Herd, Rolladen oder Licht nicht nur mehr Bequemlichkeit bringen, sondern sich durchaus auch finanziell bezahlt machen.

 

„Wir sind allerdings noch in einem sehr frühen Stadium, der Markt ist zersplittert“, sagt Berater Kotschi. Beinahe jedes Gerät nutzt einen eigenen Standard, eine eigene App, teils auch eine eigene Steuereinheit, die an einen Router gekoppelt wird. Große Verwirrung statt großer Vernetzung. „Die meisten Endkunden sind überfordert“, meint Kotschi. Auch der Handel, der eine Vorauswahl trifft, vermarktet das Thema noch nicht systematisch.

 

All das will Apple nun ändern. Der Standard Homekit soll als Universalsprache dienen, als eine Art Esperanto fürs vernetzte Zuhause. Nutzer können von unterwegs aus ihre Lampen und Türen direkt mit dem iPhone steuern und obendrein ihr Haus absichern. Solche Szenarien will das deutsche Unternehmen Elgato möglich machen. Der Münchner Gadget Spezialist hat vier Geräte durch die strenge, mehrstufige Zertifizierung von Apple gebracht. Ein Hersteller muss zunächst einen Plan einreichen, dann das Produkt bauen und es freigeben lassen. „Es ist enorm schmerzhaft, diesen Prozess zu durchlaufen, aber so wird die Qualität gewährleistet“, sagt Elgato-Chef Markus Fest. Er weiß das aus eigener Erfahrung – keines seiner Produkte bekam auf Anhieb das Gütesiegel.

 

Elgato hat Wetterstation und Raumfühler entwickelt, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit messen und auch die Qualität des Innenklimas bewerten können. Zudem gibt es einen Kontaktsensor, der feststellt, ob Fenster oder Türen offen sind, und einen Stromschalter, der den Verbrauch misst und Geräte auf Kommando ausknipst. Damit sind unterschiedliche Szenarien denkbar: Wenn etwa Regenwolken aufziehen und das Fenster noch offen ist, könnte der Nutzer eine Nachricht bekommen.

 

„Apple hofft, ein Hardware-Ökosystem aufzubauen, das ähnlich funktioniert wie der App Store fürs iPhone“, sagt Martin Garner, Analyst bei CCS Insight. Doch auch andere Konzerne bringen sich in Position. Google etwa hat jüngst ein Betriebssystem für das Internet der Dinge vorgestellt, mit dem sich Geräte vernetzen lassen. Die Heizungssteuerung Nest soll einst als Zentrale dienen. Auch Amazon und Samsung arbeiten an eigenen Lösungen. „Die großen Technologiekonzerne fügen langsam ihre Puzzles zusammen“, sagt Smart-Home-Experte Kotschi. „Der Markt bewegt sich von Einzellösungen zu Plattformen.“

 

Der Start von Homekit könnte das alles beschleunigen. „Google und Samsung werden reagieren – mit dem Effekt, dass die Marketingbudgets deutlich ansteigen“, sagt Garner. Das könnte den ganzen Markt in Bewegung bringen: Er hält ein Szenario für wahrscheinlich, in dem kleinere Hersteller an diese drei Plattformen andocken, während größere Allianzen zumindest Schnittstellen zu Homekit Co. entwickeln.

 

Handelsblatt 16.06.2015

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