Das Haus wird zum Kraftwerk

Kraftwerk

Immer mehr Gebäude versorgen sich selbst mit Strom und Wärme. Der Knackpunkt ist das Speichern von Energie.

 

Christian Hunziker Handelsblatt Berlin

Timo Leukefeld kann die Entwicklung des Gas und Strompreises entspannt verfolgen. Denn das Einfamilienhaus im sächsischen Freiberg, das der Energieexperte zusammen mit seiner Familie bewohnt, versorgt sich selbst mit Strom und Wärme. Photovoltaik- und Solarthermiemodule auf dem Dach sowie ein Wärmespeicher aus Wasser sorgen dafür, dass das Haus im Prinzip ohne Wärme- und Stromlieferung von außen auskommt. Leukefeld und der Fertighausanbieter Helma, der das Eigenheim gebaut hat, sprechen deshalb von einem energieautarken Haus.

 

Nicht nur in Sachsen wird deutlich: Energieeffizienz bedeutet zunehmend auch Energieproduktion. Verstärkt wird diese Tendenz durch die EU-Gebäuderichtlinie. Diese schreibt vor, dass neue Wohngebäude ab 2021 nur noch einen äußerst niedrigen Energiebedarf haben dürfen.

 

Schon weit vorangekommen auf diesem Weg ist man nicht nur in Freiberg, sondern auch in Frankfurt am Main. Dort hat der städtische Wohnungskonzern ABG Frankfurt Holding vor kurzem Richtfest für sein Aktiv- Stadthaus im Gutleutviertel gefeiert. Damit, heißt es bei der ABG, gelinge der Wandel vom energieverbrauchenden zum energieerzeugenden Gebäude. Photovoltaikanlagen auf dem Dach und an der Fassade versorgen die 74 Mietwohnungen mit Strom, wobei überschüssiger Strom in einer Batterie gespeichert wird. So lassen sich Elektroautos aufladen, die die Mieter im Carsharing-Modell nutzen. Außerdem sieht das Konzept vor, die Wärme des Abwassers für Heizung und Warmwasserbereitung zu nutzen.

 

Abgesehen vom „Beitrag zum Klimaschutz“ will die ABG Frankfurt Holding den Mietern „eine bezahlbare Wohnung durch kalkulierbare Nebenkosten “ bieten. Die Miete soll bei 13 Euro pro Quadratmeter liegen – inklusive der Kosten für Heizung und Wassererwärmung. Sogar 1800 Kilowattstunden Strom jährlich – so viel verbraucht ein sparsamer Zweipersonenhaushalt – sind in dieser Gesamtmiete enthalten.

 

Auf die Erzeugung von Strom und dessen Speicherung in einer Lithium-Ionen- Batterie setzt auch der Freiburger Architekt Wolfgang Frey. Er ist nicht nur Planer, sondern auch Bauherr des Green City Tower auf dem Güterbahnhofareal in Freiburg. Bei dem Turm, der 70 Mietwohnungen sowie Büro- und Gewerbeflächen umfassen wird, setzt Frey auf die Erzeugung von Strom; Wärme hingegen wird nicht produziert.

 

Kosteneinsparungen für Mieter oder Hausbesitzer

„Das Ziel ist nicht die Stromautarkie des Towers, sondern das intelligente Gebäudemanagement“, sagt Katja Kukatz vom Architekturbüro Frey. Das sei „die Basis für neuartige Stadtteilkonzepte, in denen verschiedene Smart- Energy-Buildings sinnvoll miteinander kommunizieren“. Konkret bedeutet das etwa, dass überschüssiger Strom in anderen Gebäuden verbraucht werden soll.

 

Das ist auch sinnvoll, weil die Speicherung des Stroms ein wunder Punkt solcher Konzepte ist. „Die Zwischenspeicherung in der Lithium- Ionen-Batterie beschränkt sich auf Tage“, sagt Kukatz. Damit ist es nicht möglich, im Sommer erzeugten Strom bis zur kalten Jahreszeit zu konservieren, in der die Sonnenstrom- Ausbeute naturgemäß gering ist. Hinzu kommt der hohe Preis der Batterien: Beim Mehrfamilienhaus in Frankfurt kostet diese rund 200 000 Euro, also 2700 Euro pro Wohnung.

 

Nicht nur aus diesem Grund sieht Energieexperte Leukefeld aus Freiberg den Schlüssel für die Energieeffizienz nicht in der Strom-, sondern in der Wärmeerzeugung. „Solarthermie hat einen viel höheren Wirkungsgrad als Photovoltaik“, argumentiert er. Zudem lasse sich Wärme viel besser speichern als Strom. In Leukefelds Einfamilienhaus ist ein großer Wasserspeicher zur langfristigen Speicherung von Wärme integriert. Den restlichen Wärmebedarf deckt ein Holzofen.

 

Trotzdem erzeugt auch das Freiberger Haus über Photovoltaikmodule Strom – und zwar so viel, dass im Großteil des Jahres sogar ein Elektroauto damit versorgt werden kann. Möglich wird dies laut Leukefeld dadurch, dass intelligente Maßnahmen den Stromverbrauch deutlich reduzieren. Seine fünfköpfige Familie kommt ohne Komfortverzicht mit 2000 Kilowattstunden Strom pro Jahr aus – unter anderem deswegen, weil das Wasser für die Waschmaschine nicht elektrisch aufgeheizt werden muss, sondern aus dem Wärmespeicher kommt.

 

Bei alledem gehe es auch um langfristige Kosteneinsparung, ist Leukefeld überzeugt. Die für das Erreichen der Energieautarkie nötigen Zusatzelemente kosten nach seinen Worten zwar 80 000 Euro; dem stehe aber ein jährlich vierstelliges Einsparpotenzial bei Heiz- und Stromkosten gegenüber. Und das, sagt Leukefeld, sei auch im Hinblick auf die Altersvorsorge wichtig: „Man wohnt dann im Alter fast umsonst.“

 

Handelsblatt 16.09.2014              

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