Der Stadt von Morgen auf der Spur

Eine Stadt bei Nacht

Im Jahr 2050 werden zwei Drittel der Menschen in Städten leben. Dafür müssen neue Wohnformen und Verkehrssysteme entwickelt werden.

 

HB I Berlin Leise surren Elektroautos durch die Straßen. Die Luft ist sauber, denn weder Autos noch Fabriken stoßen Schadstoffe aus. Häuser sind wie Kernkraftwerke, die mit Solarzellen an den Fassaden mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen. Gärten auf den Dächern sorgen für ein angenehmes Klima in der Metropole und versorgen die Städter zusätzlich mit frischem Gemüse. Für die Forscher der Fraunhofer-Initiative „Morgenstadt“ soll diese Vision keine Utopie bleiben. Sie entwickeln Konzepte und Technologien für eine umweltfreundliche und lebenswerte Stadt von morgen.

 

„Wir stehen an der Schwelle zu einer neuen urbanen Ära“, sagt Fraunhofer-Experte Alanus von Radecki. Egal ob Klimawandel, Ressourcenknappheit oder die alternde Gesellschaft – die großen Zukunftsfragen stellten sich in besonderer Brisanz in den Städten.

 

Nach Angaben von Experten der Vereinten Nationen leben schon heute mehr Menschen in urbanen Räumen als in ländlichen Regionen. 2050 werden sich nach UN-Prognosen sogar etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung in den Städten drängeln.

 

„Der größte Handlungsdruck besteht im Verkehr“, warnt Radecki. Neue Mobilitätskonzepte seien gefragt, die Wege schneller und umweltfreundlicher machen, indem sie Angebote kombinieren: etwa das Elektroauto, die Hochbahn oder Car- und Bike- Sharing. Neben dem öffentlichen Verkehr verzeichneten diese Konzepte bereits heute Zuwachsraten.

 

Die Bundesregierung will zudem deutlich mehr umweltfreundliche E-Autos auf die Straßen bringen: Ziel sind eine Million dieser Fahrzeuge in Deutschland im Jahr 2020. Zum Vergleich: Anfang 2014 waren bundesweit weniger als 100 000 Elektro- und Hybrid- Fahrzeuge zugelassen.

 

Eine ähnlich große Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass Städte auch morgen noch attraktive Lebensräume für Menschen bieten. Die Metropolen sollen grüner werden. „Die Konsequenz wird irgendwann „Greenopolis“ sein, die grüne Großstadt, in der die Häuser Energie erzeugen und die Landwirtschaft wieder in die Stadt zurückkehrt“, meint Forscher Matthias Horx vom Zukunftsinstitut. Gemeint sind Gebäude, die kaum Energie verbrauchen und ihren Strom etwa aus Solarzellen an der Fassade gewinnen.

 

Beispiele für solche urbanen Oasen gebe es schon heute: „Singapur entwickelt sich zur „Green City“, dort werden Hochhäuser nur noch genehmigt, wenn sie einen Dschungel beherbergen und mindestens klimaneutral sind“, sagt Horx. Wie man Beton-Metropolen zum Sprießen bringt, zeigt auch das Beispiel New York. Die Sehnsuchts-Metropole, die einst auch Inbegriff einer dreckigen und grauen Beton-Stadt war, soll nach dem Willen ihres Bürgermeisters mit dem Projekt „Pla- NYC2030“ zur grünsten aller Städte werden.

 

Weitere Probleme bereiten den Forschern gesellschaftliche Fragen. „Vielen Großstädten droht eine soziale Spaltung“, warnt Fraunhofer-Experte Radecki. Für die Metropolen stelle sich nicht nur die Aufgabe, den Zerfall in ein strahlendes Zentrum und eine graue Peripherie zu verhindern, sondern auch Ausgegrenzte wieder in das urbane Leben einzubinden. Dafür müssten in den Städten Mehrgenerationenhäuser entstehen und an öffentlichen Orten eine altersgerechte Infrastruktur vorhanden sein.

 

Zukunftsforscher Horx sieht aber auch Chancen im demografischen Wandel: So könne etwa durch „Cohousing“ – den Trend zu neuen, durchmischten Stadtvierteln, in denen Alt und Jung Nachbarschaften bilden – eine neue Stadtkultur entstehen. Diese Form des gemeinschaftlichen Wohnens, die ursprünglich in Dänemark entstand, ist mittlerweile auch in den USA weit verbreitet. Sie richtet sich vor allem an Städter, die der Anonymität der Metropolen entfliehen wollen.

 

Wie auch immer die Zukunft der Stadt aussehen mag, auf die Forscher wartet viel Arbeit. Denn in vielen Metropolen sieht die Realität immer noch anders aus. Dort droht der Verkehrsinfarkt, Staus und schmutzige Luft sind Normalität. Vor allem die großen Städte verbrauchen Unmengen an Rohstoffen. Obwohl sie nur zwei Prozent der Erdoberfläche ausmachen, werden hier drei Viertel der globalen Energie verbraucht. Auf der anderen Seite produzieren Städte Müll, Abgase und Abwasser. Der Mercator-Stiftung zufolge stoßen sie 80 Prozent der weltweit emittierten Treibhausgase aus.

 

Handelsblatt 11.12.2014 

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