Deutschland greift nach den Sternen

Sterne

Das deutsche Raumfahrtzentrum will ein Spaceshuttle in Rostock landen lassen.

 

Thomas Jahn Handelsblatt New York Ein kühner Plan des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR): Es wirbt bei der Bundesregierung um die Landeerlaubnis für Raumschiffe des US-Luftfahrtunternehmens Sierra Nevada Corporation (SNC) in Deutschland. Laut DLR sind Flughäfen in Mecklenburg- Vorpommern wie beispielsweise Rostock-Laage geeignet. In dem Bundesland gibt es wenig Flugverkehr, es ist dünn besiedelt.

 

Die Kosten sollen sich in Grenzen halten. Das SNCRaumschiff „Dream Chaser“ (Traumjäger) ist eine Art Mini- Spaceshuttle und könnte auf herkömmlichen Landebahnen landen. SNC zählt zu den etablierten Partnern des US-Verteidigungsministeriums und der Nasa. Sein Unternehmen habe für die Suche nach einem deutschen Weltraumbahnhof „einen Vertrag mit dem DLR geschlossen“, sagt SNC-Vorstandsmitglied John Roth. „Wir haben einige Flughäfen identifiziert, die durchaus geeignet wären.“ Das Mini- Shuttle „Dream Chaser“ soll die Weltraumstation ISS versorgen, Satelliten reparieren und Weltraumschrott beseitigen und Astronauten oder auch technisches Gerät zur Erde zurückbringen.

 

Die Landung von Raumschiffen in Deutschland hätte große Vorteile für hiesige Wissenschaftler: Sensibles Forschungsmaterial könnte zeitnah in deutsche Labors gebracht werden – ohne die Gefahr, dass beispielsweise Gewebeproben auf einem stunden- oder tagelangen Transport beeinträchtigt werden. „Endlich könnten die Wissenschaftler den direkten Einfluss des Weltraums auf lebendige Zellen im eigenen Labor messen“, sagt Jürgen Drescher, der das DLR-Büro in Washington leitet.

 

Es gab bereits erste Gespräche mit der Landesregierung und der Flughafendirektion Rostock-Laage, die einer solchen Idee nicht abgeneigt sind. Derzeit wirbt die DLR bei der Regierung und Ministerien für einen entsprechenden gesetzlichen Rahmen: Kommerzielle Raumtransporte sind derzeit in Deutschland noch nicht zulässig.

 

Technikpionier aus den USA

SNC ist ein Raumfahrt- und Technikpionier in den USA, der bisher zahlreiche Aufträge von der Nasa und dem Pentagon erhielt. Das Unternehmen steckte nach eigenen Angaben bislang eine halbe Milliarde Dollar in die Entwicklung des Dream Chasers. Das Projekt erhielt allerdings vor wenigen Monaten einen Rückschlag, als die Nasa das Gefährt nicht für den künftigen Astronautentransport zur Weltraumstation ISS auswählte und die Konkurrenzangebote von Space X und Boeing vorzog. Sie stellen bemannte Kapseln für den Flug ins All her. Jetzt ruhen die Hoffnungen von SNC auf dem noch ausstehenden Auftrag der Nasa für den kommerziellen Gütertransport zur ISS.

 

Mit der Absage der Nasa wendet sich SNC Europa zu. Vor gut 16 Monaten unterzeichneten das DLR und die Europäische Weltraumagentur ESA ein „technisches Abkommen“ mit dem Unternehmen mit Sitz in Colorado. Schon bald könnte ein langfristiges Abkommen geschlossen werden.

 

Kommt es zum Flugeinsatz, will die DLR das Landerecht: Andere Länder wie Spanien, UK oder Schweden finanzieren bereits, teilweise mit EU-Geld, ihre „Spaceports“. Da aber Deutschland als ESA-Partnerland die Kosten am europäischen Beitrag für die ISS wesentlich mitfinanziert hat, sollten hier auch die Möglichkeiten für eine direkte Landung geschaffen werden. Ein Flughafen wie in Rostock-Laage könnte ohne große Kosten dafür tauglich gemacht werden.

 

Der „Dream Chaser“ ist deutlich kleiner als das Spaceshuttle und kann auf herkömmlichen Flugbahnen wie ein Jumbo-Jet landen. Für einen neuen Raketenstart könnte es per Schiff zurück nach Cap Canaveral in Florida gebracht werden.

 

DLR-Bürochef Drescher erhofft sich Vorteile. Kommerzielle Landungen von Raumfahrzeugen würden nicht nur die Infrastruktur voranbringen, sondern auch eine hohe Aufmerksamkeit in Deutschland erregen und wie in den USA jüngere Menschen dazu anspornen, Ingenieurwesen, Wissenschaft oder Mathematik zu studieren. Auch könnten unter diesen Voraussetzungen Anfänge für den Weltraumtourismus entstehen. „Durch die Nutzung des Weltraums entstehen neue Märkte“, sagt Drescher, „wir müssen uns als Land der Ideen jetzt Gedanken um die wirtschaftliche und wissenschaftliche Nutzung unserer Investments machen.“

 

Handelsblatt 29.01.2015

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