Die Post unter Strom

Roboter führen Schweißarbeiten an einem Auto durch

Der gelbe Riese aus Bonn produziert seit Jahresbeginn Hunderte Elektrofahrzeuge in Eigenregie. Die Kastenwagen könnten sich als gutes Geschäft entpuppen.

 

B. Fröndhoff, C. Schlautmann Handelsblatt Aachen Durch die Hallen des Werkzeugmaschinenlabors WZL, eines Instituts der Aachener Uni RWTH, hallt hydraulisches Schnaufen, elektrisches Piepen und mechanisches Klacken. Gleich nebenan steht der ganze Stolz der Aachener Tüftler: ein gelbschwarzes Fahrzeug, versehen mit einer langen Motorhaube, schlitzförmigen Leuchten und einem Aufbau wie ein Eiswagen. Das WZL ist der Geburtsort des „Streetscooters“, den Wissenschaftler aus 15 Instituten gemeinsam mit einem Konsortium mittelständischer Firmen erschaffen haben – ein revolutionäres Fahrzeug, mit dem die Ingenieure eines beweisen wollen: Elektromobilität ist bezahlbar.

 

Achim Kampker, Professor an der RWTH, ist der Vater des Projekts. Und seit wenigen Monaten gleichzeitig Geschäftsbereichsleiter des einzigen Auftraggebers, der Deutschen Post. Die Doppelrolle ist so ungewöhnlich wie der Erfolg: „150 Elektrofahrzeuge haben wir seit April 2014 bereits auf die Straße gebracht“, berichtet Kampker im Gespräch mit dem Handelsblatt, „weitere 350 werden noch in diesem Jahr folgen.“

 

Seit Dezember 2014 ist die Post direkter Wettbewerber von Tesla, BMW und Toyota. Vor Weihnachten übernahm sie die Tüftlertruppe Street - scooter GmbH, die bis dahin mit 100 Leuten Elektroautos zusammenschraubte. In Zukunft dürfen es deutlich mehr Mitarbeiter werden.

 

Wie aus internen Berechnungen der Bonner Zentrale hervorgeht, werden sich die Fahrzeuge schon in naher Zukunft rechnen. Noch liegen Dieselfahrzeuge mit 16 Euro Betriebskosten auf 100 Kilometer knapp vor dem Elektromobil. Doch der Vorsprung schwindet. Die verbliebenen vier Euro Abstand wären eingeholt, sobald der Akku-Preis pro Kilowattstunde auf 250 Euro absackt.

 

Unwahrscheinlich ist das keineswegs. Seit dem Entwicklungsstart des Street - scooters sanken die Kosten für Lithium-Ionen-Akkus bereits von 800 auf 350 Euro. Die Analysten von Lux Research rechnen damit, dass ausgesuchte Akku-Hersteller wie Panasonic solche Energiespeicher in zehn Jahren sogar für 172 Dollar pro Kilowattstunde liefern können.

 

So lange aber will die Post nicht warten. Zu sehen sind ihre elektrischen Minilaster schon jetzt in Berlin, Hamburg und Aachen. In Bonn werden sie ab 2016 komplett die altgedienten Brief- und Paketfahrzeuge ersetzen. Mittelfristig, sagt Kampker, soll ein „signifikanter Teil“ der 35 000 Lieferwagen mit Elektroantrieb durch Deutschlands Städte rollen.

 

Auch die Produktion der optisch gewöhnungsbedürftigen Fahrzeuge kommt den Logistikkonzern günstig. Wie das Handelsblatt erfuhr, liegt die Zielmarke bei 22 000 Euro pro Stück. Das Campus-Spinoff Streetscooter war schon 2011 Lieferant der Deutschen Post. Damals präsentierte Kampker den ersten Prototyp auf der IAA in Frankfurt und gewann dort selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel als Fan. „Was Sie hier machen, ist wirklich eine gute Sache“, lobte die Physikerin, nachdem sie den Fahrersitz getestet hatte. „Machen Sie weiter so.“

 

Für den Dauereinsatz müssen noch einige Probleme gelöst werden. „Fürs Laden benötigen wir 16-, besser 32-Ampere-Leitungen“, erzählt ein Manager. In Städten wie Bonn sind die aber kaum zu haben. „Wir setzen deshalb auf eine intelligente Steuerung und laden zeitversetzt“, fand Kampker eine Übergangslösung. „Bei mehr als 100 Fahrzeugen an einem Standort benötigen wir aber Strom-Zwischenspeicher.“

 

Auch die Reichweite der Fahrzeuge strapaziert mitunter die Nerven der Postboten. Statt der zugesagten 120 Kilometer sind wegen des Stopandgo-Verkehrs in der Stadt meist nur 80 drin. Weil die Batterielieferanten empfehlen, die Akkus nur alle zwei Tage aufzuladen, fuhren die Scooter ihre Tagestouren von rund 35 Kilometern zunächst oftmals im roten Bereich. „Eine Baustelle mit großräumiger Umleitung kann da schnell zu einem Fiasko werden“, sagt ein Manager. Inzwischen lässt Kampker die Akkus, allen Warnungen zum Trotz, lieber täglich laden.

 

Besonders ärgerlich: Bei kaltem Winterwetter reduziert sich die Reichweite um ein Drittel. Auch Sitzheizungen und Warmluftgebläse, mussten die Boten einsehen, fressen elektrischen Strom.

 

Doch die laufenden Verbesserungen, die Kampker in enger Abstimmung mit den Postzustellern vornimmt, beschleunigen die Marktreife. „Es ist nicht ausgeschlossen, den Streetscooter in Zukunft auch Handwerksbetrieben anzubieten“, sagt er.

 

Handelsblatt 28.07.2015

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