Die Utopien von Mr. Amazon

Himmel

Jeff Bezos, Konzernchef und Multimilliardär, finanziert High-Tech-Projekte wie Raumfähren für

Touristen

 

Matthias Hohensee Wirtschaftswoche Silicon Valley Seine Kritiker halten Jeff Bezos für einen skrupellosen Hasardeur, der Amazon um jeden Preis immer größer machen will – ohne Rücksicht auf Aktienkurs und Rendite. Erst vor wenigen Wochen meldete der US Internetkonzern einen Verlust von 126 Millionen Dollar für die vergangenen drei Monate. Und stellte einen noch höheren Fehlbetrag für das laufende Quartal in Aussicht.

 

Der Trendforscher Mark Anderson aus Seattle unterstellt Amazon-Gründer Bezos dagegen visionäre Pläne. „Seine Internet-Aktivitäten sind Mittel für noch ambitioniertere Ziele“, sagt der Mann, der Bezos’ Imperium genau studiert hat. Amazon sowie Bezos’ umfangreiche Beteiligungen an hoch bewerteten Internet-Unternehmen wie dem Kurznachrichtendienst Twitter und der Taxi- App Uber sind nur Geldmaschinen, um ehrgeizige Pläne zu finanzieren.

 

Touristen sollen günstig ins All reisen können

Der Online-Pionier Bezos hat sich im Laufe der Jahre an einem bunten Sammelsurium von Firmen beteiligt, für das kein Problem der Menschheit zu groß ist: Mit Juno Therapeutics will er den Krebs besiegen, mit Vicarious künstliche Intelligenz schaffen und mit General Fusion per Kernfusion die Energieprobleme der Welt lösen. Und da ist Bezos’ Liebling Blue Origin, mit dem er seinen Jugendtraum – günstige Reisen ins All – verwirklichen will.

 

Aus seinen Absichten hat er nie einen Hehl gemacht. 1997 postulierte der damals 33-Jährige in seinem ersten Schreiben an die Amazon- Aktionäre seine Prinzipien. „Alles ist langfristig ausgerichtet“, erklärte er. „Weil wir uns darauf fokussieren, mögen wir anders entscheiden und Konflikte anders angehen als einige andere Unternehmen.“ Auch seine Vision vom Besiedeln des Weltraums hat er nie verheimlicht. 1982 gab der künftige Mogul als Jahrgangsbester seiner Highschool dem „Miami Herald“ ein Interview. Und erklärte darin selbstsicher, dass er im All Hotels, Vergnügungsparks und Kolonien für zwei bis drei Millionen Menschen errichten wolle. Hirngespinste eines glühenden Star-Trek- Fans? Bezos war damals 18 Jahre alt und wirkte schon als Zwölfjähriger erwachsen.

 

Der hochintelligente Bezos studierte später Informatik in Princeton und entdeckte Anfang der Neunzigerjahre, damals Analyst bei einem New Yorker Hedgefonds, die Wachstumschancen des Internets – und sein ganz persönliches Lotterielos, um seine Träume umzusetzen. Vor 20 Jahren gründete in einer Garage Amazon, der zum größten Online-Händler der Welt aufgestiegen ist.

 

Bezos. „Ich habe in der Lotterie gewonnen“

„Ich habe in der Lotterie gewonnen“, witzelt Bezos gern. Das große Los, das ihm erlaubt, seine Ideen und Visionen zu verwirklichen – auf der Erde und im All. Im Januar ist Bezos 50 geworden. Das Alter hat seine Ambitionen nicht gedämpft. Angesichts eines Vermögens von gut 30 Milliarden Dollar und eines verschworenen Familienclans kann ihm herzlich egal sein, was seine Kritiker von ihm halten.

 

Sein ambitioniertestes Vorhaben ist Blue Origin. Lange war die 2000 gegründete Firma ultrageheim, deren Hauptsitz sich gegenüber vom internationalen Flughafen Seattles befindet. Das Gebäude ist gespickt mit Requisiten der Star-Trek-Filme. Hier verwirklicht er seinen Kindheitstraum: Das Start-up und seine angeblich 400 Mitarbeiter – so viel ist bisher bekannt – entwickeln eine Raumfähre, die Astronauten und Weltraumtouristen ins All befördern.

 

Sein Finanzier lüftete erst etwas den Schleier des Geheimnisses, nachdem Elon Musk mit SpaceX ins Weltraumgeschäft einstieg. Der ist ebenfalls Internet-Milliardär, der Bezahldienst PayPal hat ihn reich gemacht, und nebenbei noch Gründer des Elektroauto-Pioniers Tesla Motors. Musk verfolgt einen ähnlichen Kindheitstraum wie Bezos, nur konkreter. „Ich will dabei helfen, den Mars zu besiedeln“, sagt er.

 

Beide Milliardäre liefern sich einen harten Wettbewerb um die Gunst der USWeltraumagentur Nasa, von deren Aufträgen ihre Firmen abhängen. Zum Ärger von Bezos liegt Musk derzeit vorn. Dessen Dragon-Raumtransporter hat bereits mehrfach die Internationale Raumstation mit Material versorgt. Vor allem soll Musks Firma, die knapp 4000 Mitarbeiter beschäftigt, bereits profitabel arbeiten.

 

 

 

Blue Origin hingegen unternahm zwar Teststarts, hat aber bis heute nichts ins All befördert. Ursprünglich sollten schon 2010 erste Flüge für Weltraumtouristen stattfinden. Davon ist keine Rede mehr. Das hat Folgen fürs Geschäft: Wettbewerber SpaceX hat bereits Aufträge von knapp zwei Milliarden Dollar von der Nasa erhalten. Blue Origin bisher nur 25,7 Millionen Dollar an Fördergeldern. Bezos hat nach Angaben von Blue Origin rund eine halbe Milliarde Dollar in die Firma gesteckt – wie bei Amazon ist kein Profit in Sicht.

 

Uhr soll 10 000 Jahre lang die Zeit akkurat angeben

Bezos stört das nicht: „Man muss immer langfristig denken“, sagt er oft. „Dann sieht man die Zusammenhänge anders.“ Wie langfristig? Zum Beispiel 10 000 Jahre. So lange soll „The Clock of the Long Now“ die Zeit akkurat anzeigen. Die mechanische Uhr ist ein weiteres visionäres Projekt, das Bezos großzügig unterstützt.

 

Ersonnen hat den Zeitmesser in den Achtzigerjahren der amerikanische Ingenieur Danny Hillis. Die Uhr ist das ultimative Konzept von Langfristigkeit. Sie soll sich 10 000 Jahre lang problemlos warten und reparieren lassen. Ihre Bestandteile dürfen nicht zu wertvoll sein, um Diebe nicht anzulocken. Nachdem Hillis die Idee 1995 im Technologiemagazin „Wired“ publik gemacht hatte, fanden sich Gleichgesinnte, die ihre Umsetzung mit der „Long Now“-Stiftung fördern. Der Plan ist, etliche der Uhren weltweit aufzustellen. Bezos ist der prominenteste und vermögendste Unterstützer. Er hat bislang nicht nur mindestens 42 Millionen Dollar gespendet, sondern auch Land bereitgestellt – bei den Sierra Diablo Mountains im Westen von Texas. El Paso, die nächste größere Stadt, ist rund 200 Kilometer entfernt.

 

Der entlegene Standort der Uhr ist Teil einer 1200 Quadratkilometer großen Ranch, die Bezos gehört. Ihre schiere Ausdehnung – Berlin ist 892 Quadratkilometer groß – plus ein benachbartes Grundstück mit 400 Quadratkilometern machen ihn zu einem der größten Landbesitzer der USA. Auch der Weltraumbahnhof von Blue Origin befindet sich auf dem Gelände.

 

Der Berg soll den 60 Meter hohen, aus Stahl, Keramik und Stein bestehenden Zeitmesser beherbergen – und schützen. Sein oberes Ende durchsticht in einer Kuppel den Berg, wo sein Lauf mithilfe des Standes der Mittagssonne korrigiert wird. Die Uhr verrät die Zeit nur, wenn sie aufgezogen wird. Dann spielen ihre zehn Glocken eine von 3,5 Millionen Melodien, die sich in 10 000 Jahren nicht wiederholen sollen. Noch wird gebaut. Bezos informiert sich höchstpersönlich alle paar Wochen über den Stand der Arbeiten.

 

Der Sinn des Projektes ist umstritten. Gibt es in 10 000 Jahren überhaupt noch Menschen? Hat sich bis dahin der Begriff von Zeit geändert? Genau solche Fragen wollen Bezos und Hillis provozieren. 

 

Handelsblatt 14.08.2014             

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