Die Vermarktung des Gehirns

Querschnitt eines Menschlichen Gehirns

Mit der Entschlüsselung des Gehirns steht die Menschheit vor einer neuen Epoche: Gedanken beginnen, Maschinen zu steuern, Maschinen, Gedanken zu lesen. Das Marktpotenzial der Hirnforschung ist riesig.

 

Jens Münchrath Martin Kölling Düsseldorf/Tokio Auch der große Denker Aristoteles war vor Irrtümern nicht gefeit. Aus seinen empirischen Studien, in diesem Fall der Sektion von geschlachteten Tieren, zog der griechische Philosoph den Schluss, das Gehirn sei das „blutloseste“ und zugleich „kälteste“ Organ des Menschen. Es diene vor allem der Kühlung des Körpers. Das „Denken“ und die „Seele“ verortete Aristoteles im Herzen.

 

Heute, gut 2300 Jahre später, ist die Wissenschaft – zumindest, was die Bedeutung der knapp drei Pfund schweren, weiß-gelblichen Masse angeht – entscheidende Schritte weiter. Es ist das bei weitem wichtigste und komplexeste Organ der Evolutionsgeschichte.

 

Mit vereinten Kräften arbeiten Neurowissenschaftler, Biologen, Mediziner, Ingenieure und eben auch Philosophen an der Enträtselung des Gehirns, versuchen, den geheimnisvollen Prozessen in seinem Inneren auf den Grund zu gehen. Im Hintergrund lauern Konzerne auf mögliche Ergebnisse – voller Hoffnung, neue Produkte ließen sich entwickeln, die Umsätze in die Kasse bringen. Die Hirnforschung – sie ist ein mögliches Marktstimulanzprogramm.

 

Das europäische HumanBrain-Projekt (Budget 1,2 Milliarden Euro) hat es sich zum Ziel gesetzt, das Gehirn mit Hilfe von Hochleistungsrechnern künstlich zu simulieren. Im Frühjahr 2013 rief US-Präsident Barack Obama das amerikanische Pendant ins Leben. „Brain Activity Map“ heißt das Forschungsprojekt. Das Ziel: die Kartierung der kompletten neuronalen Aktivität. Zehn Jahr läuft das Programm und soll drei Milliarden Dollar kosten.

 

In der Tat gibt es beachtliche Fortschritte: Inzwischen können Neurowissenschaftler die biochemischen und elektrischen Prozesse, die im Gehirn ablaufen, beobachten und verorten. Sie entziffern Gehirnströme und wandeln sie in computerlesbare Daten um. „Neuroimaging“ heißt die Technik, die Prozesse im Gehirn sichtbar macht. Aktivierte Gehirnregionen werden in warmen Farben, also Rot oder Gelb, inaktive in Blau oder Grün dargestellt. Bilderreihen zeigen die Entwicklung des Denkprozesses.

 

Doch es ist erst der Anfang einer Entwicklung, die in die nächste technologische Revolution münden könnte – vergleichbar mit der Erfindung der Dampfmaschine oder der Elektrizität. Am Ende dieser Entwicklung steht die künstliche Intelligenz (KI), jenes Phänomen, das für die einen eine Verheißung, für andere die größte Bedrohung der Menschheit ist.

 

Ganz so weit ist es noch nicht. „Wir können nur das Gehirn eines Insekts rekonstruieren“, sagt der japanische Industriestratege, Interface-Designer und Zukunftsforscher Morinosuke Kawaguchi. Doch die Anwendungen, die sich schon beim jetzigen Forschungsstand absehen lassen, sind ebenso vielfältig wie atemberaubend. Gedanken beginnen, Maschinen zu steuern. Maschinen beginnen, Gedanken zu lesen. Durch bloßes Denken können wir bald womöglich Autos lenken, Computerspiele steuern oder Mails schreiben.

 

Das Marktpotenzial ist enorm. Nach einer Studie von BBC Research, einem Marktbeobachter mit Technologieschwerpunkt, wird der Markt für intelligente Maschinen von derzeit gut sechs bis 2019 auf gut 14 Milliarden Dollar wachsen und einen immer größeren Anteil der menschlichen Arbeit ersetzen.

 

Bis 2020, so Hirnforscher Shin Ishii vom Forschungsinstitut für fortschrittliche Telekommunikation (ATR) in Kyoto, werde diese Schnittstelle zwischen Gehirn und Maschine marktreif sein. „Mit der Gehirn-Maschine-Schnittstelle befinden wir uns in einer Welt zwischen der realen und der digitalen“, sagt Zukunftsforscher Kawaguchi. Der nächste logische Schritt sei die künstliche Intelligenz. Oder anders gesagt: Das menschliche Hirn droht eine Zwischenstufe der Evolution vom Homo sapiens zur Machina sapiens zu werden, vom denkenden Menschen zur denkenden Maschine.

 

Handelsblatt 03.09.2015

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