Digitalisierung in der Medizin

Eine große Pille aus der kleinere Pillen heraus fallen

Pharmakonzerne wie Novartis suchen nach neuen Technologien, damit Arzneimittel besser wirken.

 

M. Telgheder, H. Alich Handelsblatt Frankfurt, Basel Peter Schmidt ist Anfang 50, etwas übergewichtig und schwer herzkrank. Ohne sein neues Medikament riskiert er, sein Leben zu verlieren. Dennoch vergisst Herr Schmidt öfter mal, seine Medizin zu nehmen. So wie an diesem Morgen. Gegen Mittag bekommt er dann einen mahnenden Anruf seines Hausarzts, der ihm ins Gewissen redet. Sensoren am Körper Schmidts, die permanent seine Körperfunktionen überwachen, haben via Mobiltelefon seinem Arzt eine Warnung geschickt.

 

Das ist die Vision von David Epstein. Der Amerikaner ist Vorstand für das Pharmageschäft beim Schweizer Novartis-Konzern. „Wir kommen in eine Ära, in der Digitaltechnologie und die Pharmaindustrie zusammenfinden, um für Patienten bessere Resultate zu erzielen“, sagt er dem Handelsblatt.

 

Überwachung von Risikopatienten

Zusammen mit Partnern entwickelt Novartis nun Digitaltechnologien, mit deren Hilfe Ärzte ihre Risikopatienten besser begleiten können. Dafür haben die Schweizer sogar eine eigene Geschäftseinheit gegründet, die Digital Medicine Unit. „Derzeit arbeiten dort zwölf Mitarbeiter, aber es werden sicher schnell mehr werden“, sagt Epstein.

 

Geht es nach ihm, soll seine Zukunftsvision schnell Realität werden. „Ich hoffe, dass wir zur Begleitung unseres neuen Wirkstoffs gegen Herzversagen schon Ende 2016 ein Überwachungssystem auf dem Markt haben werden“, kündigt der Novartis-Vorstand an. Der neue Wirkstoff „LCZ696“ gilt als einer der Hoffnungsträger für neue Milliardenumsätze. Die Zulassung erwartet Novartis für das zweite Halbjahr.

 

Analysen sprechen dem digitalen Gesundheitsmarkt Milliardenpotenzial zu. Nach Einschätzung der Unternehmensberatung Arthur D. Little soll sich der Wert von 2013 bis 2020 von 60 Milliarden auf 230 Milliarden Dollar mehr als verdreifachen. „Viele Pharmakonzerne arbeiten derzeit an Strategien jenseits der reinen Medikamentenentwicklung“, sagt Kevin Deane von der Unternehmensberatung PA Consulting. „Daran, wie man die Behandlung wirksamer machen kann, indem man beispielsweise die Therapietreue erhöht.“

 

Pflaster misst per Chip die Medikamenteneinnahme

Der Berater weiß, wovon er spricht. Schließlich ist PA Consulting mit verschiedenen großen Pharmakonzernen im Gespräch, um das selbst entwickelte Pflaster mit Chip zum Einsatz zu bringen. Das Pflaster kann beispielsweise über die Haut messen, ob der Patient regelmäßig die ihm verordneten Medikamente einnimmt. Interesse an der PA-Entwicklung hatte schnell ein großer Pharmakonzern gezeigt, dessen Name Deane allerdings nicht verrät.

 

Eine große Herausforderung für die Techniker der Unternehmensberatung war es dann, die Kosten pro Chip auf ein vertretbares Maß zu senken, was Technik-Chef Frazer Bennett und seinem Team schließlich gelang. „Wir konnten zeigen, dass sich der Chip bei einer Auflage von jährlich 200 Millionen Einheiten für 50 US-Cent produzieren lässt“, sagt Bennett. Damit wird das elektronische Teil für viele Pharmakonzerne interessant.

 

Doch nicht nur für die Überwachung chronisch Erkrankter sind die neuen digitalen Techniken geeignet. Sie sollen auch schlicht helfen, das Leben vieler Patienten zu erleichtern. So hat der Medizintechnikkonzern Abbott einen Sensor entwickelt, der – unter der Haut platziert- regelmäßig die Blutzuckerwerte messen kann, die bequem per Handscanner abgefragt werden.

 

Spezielle Apps sollen Ärzte unterstützen

Auch für die Medikamentenforschung eröffnet die Digitalisierung neue Möglichkeiten: Der Softwarekonzern Oracle arbeitet zusammen mit dem kalifornischen Start-up Proteus Digital Health an einem Überwachungssystem für Patienten, die an klinischen Studien für Medikamente teilnehmen. So sollen aussagekräftigere Daten gewonnen werden.

 

Nicht zuletzt wollen die Pharmafirmen mit neuen Technologien auch die Ärzte enger an sich binden: Bayer beispielsweise hat für seinen Blutverdünner Xarelto eine Ärzte-App entwickelt, die unter anderem Hilfestellung bei der Umstellung von Patienten auf das neue Mittel gibt.

 

 

Handelsblatt 29.01.2015                         

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