Ein Blick in die Zukunft

Die Welt

Maßgeschneiderte Therapien für Krebskranke und energiesparende Displays für Handys: Diese Entwicklungen sind mit dem diesjährigen Deutschen Innovationspreis ausgezeichnet worden.

 

wiwo I Düsseldorf  Die deutsche Wirtschaft wächst. Die hiesigen Unternehmen behaupten sich dank Exportstärke und Innovationskraft erfolgreich gegen die Konkurrenz aus den USA, China und dem Rest der Welt. Paradebeispiele dafür sind die Sieger des Deutschen Innovationspreises, den die Wirtschaftswoche in diesem Jahr wieder mit Accenture, EnBW und Evonik verliehen hat. Der Preis wurde in drei Kategorien vergeben.

 

KATEGORIE MITTELSTAND

Computerprogramm ermittelt Medikament

 Wer heute an Krebs leidet, bekommt meist nicht nur ein Medikament verschrieben, sondern einen ganzen Cocktail an Antitumorwirkstoffen. So hoffen die Ärzte, die tückische Krankheit zu stoppen. Ob der Patient allerdings eine Kombination erhält, die ihm wirklich hilft, die tödliche Krankheit zu bekämpfen, ist ziemlich ungewiss. Denn bisher kann kein Mediziner im Voraus sagen, welches Präparat für ihn das beste ist. Grund dafür ist, dass jeder Patient ebenso einzigartig ist wie seine Erbanlagen, die Gene. Zudem unterscheiden sich auch die Tumore genetisch, oft verändern sie sich sogar noch während der Behandlung mit einem Medikament oder während einer Bestrahlung.

 

Mithilfe der Gene könnte es in Zukunft gelingen, vorab die passenden Medikamente zu finden. Denn das Berliner Unternehmen Alacris Theranostics hat ein Computermodell entwickelt, das diese Prognosen ermöglicht.

 

Damit errechnen die Wissenschaftler, welche Wirkstoffkombination einem Patienten am besten hilft. Sie nutzen für ihren „ModCell“ genannten Simulator vor allem die genetischen Informationen des Kranken und seines Tumors, die sich heute für wenige 100 Euro bestimmen lassen. In das Modell sind Daten aus Genforschungsprojekten, Medikamentenstudien und eigene Erkenntnisse eingeflossen.

 

Viele Krebsärzte seien sehr interessiert an einer solchen Vorhersagemöglichkeit, sagt Alacris-Geschäftsführer Bodo Lange. Immerhin könnte sie die Zahl der Menschen, die Krebs überleben, dramatisch erhöhen.

 

Ein interessanter Nebeneffekt: Das Modell sucht aus seinem Wissenschatz an möglichen Medikamenten und ihren Wirkmechanismen im Körper mitunter auch Mittel heraus, die gegen Rheuma oder andere Erkrankungen zugelassen sind. „Wir stoßen so auf hochwirksame Präparate, die es schon gibt und die zugelassen sind – nur eben nicht für Krebs“, sagt Lange. Denn das Modell sucht nach molekularen Schwachpunkten des Tumors und entsprechenden Wirkstoffen, die genau an diesen Stellen angreifen und den Krebs am Wachsen hindern können. Und das könnte eine Vielzahl moderner Biowirkstoffe sein, sagt Lange: „Dem Modell ist es egal, ob Krebs auf der Packung steht.“

 

Alacris zwei Ziele: Neben der individuellen Therapie soll die Simulation auch die Entwicklung von neuen Medikamenten beflügeln – nicht nur gegen Krebs. Mithilfe der Computersimulation ließen sich Medikamente viel schneller, preiswerter und effektiver entwickeln, glaubt Lange. Und so zählen Pharmakonzerne wie Bayer, die britische GlaxoSmithKline oder die US-amerikanische Eli Lilly inzwischen zu den Kooperationspartnern und Nutzern von ModCell, das Alacris seit 2012 vermarktet.

 

KATEGORIE GROßUNTERNEHMEN

Neue Flüssigkristalle verbessern Handydisplays

Flüssigkristalle des Darmstädter Chemie- und Pharmaunternehmens Merck stecken in rund 60 Prozent aller Flachbilddisplays weltweit. Vor allem bei tragbaren Telefonen aber macht sich ein Grundproblem der Technik schmerzhaft bemerkbar: Die weiße Hintergrundbeleuchtung leuchtet immer, selbst wenn der Bildschirm schwarz ist, und verschwendet Energie aus dem Akku.

 

Und weil die Displays der Smartphones mit jeder Generation größer werden, steigt auch ihr Leistungshunger. Trotzdem sollen Akkus und Geräte dünn und handlich bleiben. Vergangenes Jahr präsentierte Merck deshalb eine neue LC-Technologie, bei der die neu entwickelten, zwischen zwei Glasplatten liegenden Flüssigkristalle, das Licht extrem effizient nutzen. Die Folge: Das Bild erscheint leuchtender und schärfer, und trotzdem braucht das Display rund ein Drittel weniger Energie.

 

Bereits eine Zehntelgrammmischung der Flüssigkristalle verleiht den Displays von Smartphones und Tablets ihre Leuchtkraft. Stehen die Kristalle unter Spannung, richten sie sich einheitlich senkrecht zur Glasplatte aus und lassen Licht durch. „Die Flüssigkristalle funktionieren als eine Art Lichtventil“, sagt Michael Heckmeier, der bis Ende vergangenen Jahres die Flüssigkristallforschung bei Merck leitete.

 

Wo weiteres Wachstum herkommen kann, umreißt Roman Maisch, der bei Merck Marketing und Vertrieb verantwortet: „In der Entwicklung sind faltbare Displays.“ Daneben habe Merck in seinem neuen Innovationszentrum in Darmstadt gerade Smart Windows einbauen lassen. Diese Fenster lassen sich mithilfe einer Flüssigkristallschicht ähnlich einer selbsttönenden Sonnenbrille stufenlos verschatten. Das funktioniert ohne Jalousien, ermöglicht den freien Blick nach draußen und bietet hohes Energiesparpotenzial: Die Technik kann die Innentemperatur um bis zu zehn Grad senken.

 

KATHEGORIE START-UP

Biochip beschleunigt Pharmaentwicklung

Als Ulrich Rant vor gut 13 Jahren seine Doktorarbeit begann, hatte er eine Aufgabe abbekommen, die – vorsichtig ausgedrückt – „sehr kreativ gefasst war“, erzählt der Physiker heute. Sein Professor, ein Fachmann für experimentelle Halbleiterphysik an der Technischen Universität München, hatte einfach gesagt: „Wir machen mal was mit dem Erbgutmolekül DNA auf Gold und schauen, wie wir das manipulieren können.“ Dass dabei eines Tages etwas sehr Praktisches herauskommen würde, war mehr als unwahrscheinlich.

 

Aus der vagen und eher grundsätzlichen Frage wurde ein Projekt, das die Analyse von Biomolekülen dramatisch verbessert und beschleunigt – und ein Produkt – ein Biochip, den Rants Firma Dynamic Biosensors seit 2014 unter dem Namen SwitchSense vermarktet. Mit dem schnellen Testsystem können etwa Pharmaforscher herausfinden, ob ein mögliches neues Arzneimittel sein Ziel im Körper finden wird. Auch Umweltgifte können rasch festgestellt werden.

 

Schon im ersten Jahr verkaufte das Startup vier seiner 300 000 Euro teuren Analysegeräte. Der Grund für die hohe Nachfrage liegt offenbar im enormen Tempo und der Genauigkeit des Systems, was sowohl Universitäts- als auch Pharmaforscher schätzen. Finanzchef Dirk Scholl sagt: „Switch-Sense kann Kosten und Zeitaufwand um bis zu 90 Prozent senken.“

 

Handelsblatt 07.05.2015 

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