Ein Dübel für die ganze Welt

Dübel

Er hält etwa so viele Patente wie Thomas Edison und gilt unter Tüftlern als Legende: Artur Fischer, Schöpfer von Spreiz dübeln, Blitzgeräten, Spielzeug und etwa 1000 anderen Dingen, ist für den Europäischen Erfinderpreis nominiert.

 

Richard Friebe Handelsblatt Berlin

 

Mit Preisen hat Artur Fischer Erfahrung – sowohl als Empfänger wie auch als Stifter. Er selbst hat 2001 den nach ihm benannten und zusammen mit der Baden-Württemberg- Stiftung verliehenen Erfinderpreis ins Leben gerufen. Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die der inzwischen 94-Jährige selbst verliehen bekommen hat, gehören die Dieselmedaille, der Werner- von Siemens-Ring, der Deutsche Gründerpreis und das Bundesverdienstkreuz in mehreren Stufen.

 

Dazu kommen, obgleich er selbst nie eine Hochschule besucht hat, mehrere Ehrendoktorwürden. Und nun ist er auch für den Europäischen Erfinderpreis 2014 nominiert, in der Kategorie Lebenswerk.

 

Dabei hat Fischer noch viel vor. Der nächste große Wurf Fischers und seines Teams soll schon bald vorgestellt werden. Es ist etwas aus jener Gruppe von Produkten, aufgrund derer die von ihm gegründete Firma auf dem Weltmarkt im Wortsinne fest verankert sind: Dübel – diesmal aus einer Mischung aus Kunststoff und Glas, sehr leicht, hitzebeständig, nicht leitend, nicht korrodierend, besonders geeignet für Anwendungen, wo elektrischer Strom fließt.

 

Das tausendundwievielste Patent es für ihn sein wird, weiß er nicht genau. In der Schublade und auf der Werkbank liegen auch noch ein paar andere mehr oder minder fertige Ideen. Und dann ist da noch ein wahres unabgeschlossenes Lebenswerk, dem sich Fischer „wenn ich mit den anderen Sachen soweit fertig bin“, noch einmal widmen will. Doch dazu später mehr.

 

Es gibt wohl nicht viele Menschen weltweit, die noch nicht mit mindestens einer von Fischers Erfindungen zu tun hatten – oder mit etwas, das aus ihnen entstand. Selbst wer in einem Haus, das ganz ohne Dübel gebaut ist, lebt, ist wahrscheinlich zumindest schon einmal mit Blitz fotografiert worden. Fischer war derjenige, der 1949 das erste Gerät erfand, bei dem man nur einen Knopf zu drücken brauchte, um Kameraverschluss und Blitz – damals noch ein echter aus Magnesium- Pulver – gleichzeitig auszulösen.

 

Nach diesem Synchronisationsprinzip funktionieren heute noch so ziemlich alle Blitzgeräte, egal ob in eine Kamera eingebaut oder extern. Der Erfolg kam damals umgehend und begründete einerseits eine der famosesten Erfinderkarrieren seit Thomas Edison. Anderseits ebnete er den Weg für ein Unternehmen, das von einem Ein- Mann-Betrieb zu einem in den verschiedensten Branchen aktiven globalen Akteur mit mehr als 4000 Mitarbeitern wurde.

 

Dass die junge Firma sich nicht auf das damals gerade aufblühende Geschäft mit Fototechnik konzentrierte, hatte vor allem einen Grund: Der Gründer und Chef hatte schlicht zu viele verschiedene Ideen – und dazu noch das Stehvermögen, so lange in seiner Werkstatt zu basteln, bis aus der Idee ein Produkt entstanden war.

 

Der gelernte Schlosser Artur Fischer – „froh, am Leben zu sein und meine Eltern und den Bruder noch zu haben“ – hatte, nachdem er aus britischer Kriegsgefangenschaft geflohen war, bei einem Ingenieur zu arbeiten begonnen. Jener Dr. Ing. Rössger beförderte ihn aufgrund seines Einfallsreichtums ziemlich rasch, machte allerdings auch bald einen Fehler, ohne den seine eigene Firma und nicht eine mit Fischers Namen vielleicht zu einem weltweit agierenden Multibranchenunternehmen geworden wäre: Er setzte Fischer einen Meister vor die Nase, der dessen freien Geist und kreative Hand zu sehr einschränkte.

 

Fischer zog die Konsequenz: selbstständiger Neuanfang bei null. „Ich hatte ja anfangs nicht einmal einen eigenen Hammer“, erinnert sich der Erfinder heute. Doch bald folgten Geistesblitze, dann Foto blitze, Dübel und vieles mehr.

 

Selbst eine weltweit erfolgreiche Kinderspielzeug-Marke hat der 1919 in Tumlingen im Nordschwarzwald geborene Schwabe erdacht und in die Welt gebracht. Er hatte das Technikbaukastensystem 1964 eigentlich nur als Weihnachtsgeschenk für die Kinder von Geschäftspartnern erfunden. Heute gib es Fischertechnik- Baukästen in unzähligen Ausführungen für Kinder ab fünf Jahren bis zu Profiausführungen für Trainingszwecke in der Industrie, programmierbare Robotersysteme inklusive.

 

Fischer, der die Leitung des Unternehmens schon vor 34 Jahren in die Hände seines Sohnes übergeben hat, berät bis heute andere Erfinder, und das nicht nur in der eigenen Firma. Mit ihnen spricht er über seine Maximen wie „Du musst ehrlich wollen und mit dem Herzen dabei sein. Du musst nach Lösungen suchen, die anderen die Arbeit erleichtern. Und du musst dich fragen, was dienen kann, nicht, was du verdienen kannst.“

 

Von Fischer lernen heißt aber nicht unbedingt Erfinden lernen. Denn die dafür nötigen Talente, Geisteshaltungen und Charaktereigenschaften und auch, in seinen eigenen Worten „die Demut, Dankbarkeit und das Durchstehvermögen“ sind nicht so leicht als Lehrbuchwissen vermittelbar.

 

Doch aus Fischers Werdegang, aus seinen Erfolgen und Erfahrungen, lässt sich vielleicht ganz generell etwas ableiten, wie Wirtschaft und Innovationskultur funktionieren sollten: So ist er noch heute jenen frühen Geldgebern dankbar, die ihm, der keinerlei Sicherheiten zu bieten hatte, Kredit gaben – manchmal nur 50 Mark, um jenen ersten eigenen Hammer und ein paar andere Werkzeuge kaufen zu können.

 

Gleichzeitig erinnert er aber auch daran, dass es in solchen Fällen höchste Priorität des Schuldners sein müsse, sich des Kredites mit harter Arbeit würdig zu erweisen. Und – Richard Sennett hat ein ganzes Buch darüber geschrieben, Fischer sagt es in ein paar Sätzen: Das Handwerk sollte – zusammen mit Kopfarbeit und nicht getrennt davon – die wichtigste Grundlage sein. „Es ist wichtig, mit der Materie, dem Material selbst, Kontakt zu haben, selbst an der Drehbank zu stehen, das sich entwickelnde Produkt immer wieder und wieder in die Hand zu nehmen.“

 

Handelsblatt 08.05.2014       

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