Google expandiert in den OP-Saal

OP-Saal

Der Internetriese entwickelt gemeinsam mit dem US-Pharmariesen J&J neue Robotiksysteme.

 

Astrid Dörner Handelsblatt New York Die Details sind vage, doch die Vision ist klar. Google kooperiert mit dem weltgrößten Pharmakonzern Johnson und Johnson (J&J), um den Operationssaal der Zukunft zu gestalten. Es geht um roboterassistierte Chirurgie. Gemeinsam wollen Google und J&J neue Geräte für den Operationssaal entwickeln und bestehende Robotiksysteme verbessern, teilten die Unternehmen mit. Googles Life Science Team, ein Bereich, der zum Zukunftslabor Google X gehört, wird sich auf die Entwicklung von Software konzentrieren.

 

So könnten Programme künftig dabei helfen, Venen, Nerven oder Tumorränder besser zu erkennen, heißt es bei dem Internetkonzern aus dem Silicon Valley. Zudem könnte Google auf eine Fülle von Daten zurückgreifen, um den Operateur in Echtzeit mit Informationen zu versorgen.

 

Die J&J-Tochter Ethicon soll die Entwicklung der Geräte vorantreiben. „Wir hoffen, dass wir eines Tages die Erfahrungen für den Chirurgen und den Patienten im Operationssaal verbessern können“, sagte Andy Conrad, der das Life Science Team bei Google X leitet.

 

Schon heute wird Robotertechnologie in rund drei Millionen Operationen in den USA angewendet, vor allem bei sogenannten minimalinvasiven Eingriffen. Der Chirurg steht dabei nicht mehr direkt am Operationstisch, sondern bedient vier bewegliche Roboterarme über eine Konsole. Eine Kamera liefert ihm ein dreidimensionales Bild.

 

Doch das soll erst der Anfang sein. Der Internetkonzern baut mit der strategischen Zusammenarbeit seine Position in der Medizin aus. Andy Conrads Team hat bereits eine intelligente Kontaktlinse entwickelt, die Blutzuckerwerte messen und somit Diabetikern das Leben einfacher machen kann. Das Schweizer Biotechnologie Unternehmen Novartis hat die Technologie 2014 lizenziert und will mit Googles Technologie entsprechende Produkte auf den Markt bringen.

 

Im Herbst übernahm Google X das Unternehmen Lift Labs, das einen vibrierenden Löffel entwickelt hat, der das Zittern einer menschlichen Hand ausgleicht. Damit können zum Beispiel Parkinson Patienten wieder selbstständig essen. Im Sommer startete Conrad eine großangelegte Studie, in der er einen biochemischen Fingerabdruck von 175 gesunden Menschen erstellen lässt. Immer wieder werden Blut, Speichel, Urin und eine ganze Reihe anderer Daten der Probanden untersucht, um zu erkennen, wie sich Krankheiten entwickeln.

 

In dem separaten Unternehmen Calico hat sich Google der Mission verschrieben, das Altern zu bekämpfen. Calico kooperiert mit dem Biotechunternehmen AbbVie aus Chicago, um Krebs und andere Krankheiten zu bekämpfen.

 

„Moonshots“ nennt Google-Chef Larry Page solche ambitionierten Projekte. Nur selten ist klar, ob und wie sich ein Problem am Ende lösen lassen wird. Doch der Konzern, der einst als Suchmaschinen-Anbieter angefangen hat, hat den Ehrgeiz, als Erster ein Feld zu besetzen.

 

Und Optionen gibt es reichlich. Jede zwanzigste Suche bei Google hat mit Medizin zu tun. Daraus will der Konzern, der für seine umfassende Datenanalyse bekannt ist, Kapital schlagen. Gerade läuft ein Test mit Telemedizin. Wenn ein Nutzer „Knie Schmerzen“ in Googles Suchmaschine eingibt, kann er auf Wunsch direkt mit einem Arzt verbunden werden.

 

Auch Googles zwei Milliarden Dollar schwerer Risikokapitalarm Google Ventures hat mit 36 Prozent den größten Anteil in Biowissenschaften investiert. Vor zwei Jahren waren es erst sechs Prozent.

 

Noch andere Technologiekonzerne wollen in der Gesundheitsbranche mitmischen. Apple etwa stellte Anfang März das Research-Kit vor: eine Plattform für App-Entwickler, mit der iPhone-Nutzer an wissenschaftlichen Studien teilnehmen können. Und IBMs Superhirn-Computer „Watson“ wird in der renommierten Mayo Clinic eingesetzt, um Krebspatienten künftig schneller klinischen Studien zuzuteilen.

 

Handelsblatt 02.04.2015  

Artikel aus der Branche
25.08.2015
Eine neue Hand aus dem 3D-Drucker: Das Verfahren soll künftig auch Menschen ohne Zugang zu Hightech-Prothesen helfen. Entwickler feiern die Idee weltweit. Doch die Forschung steht noch am Anfang. 

22.04.2015
Tödliche Rückschläge, zahlreiche Pleiten – nach 25 Jahren Forschung wird das Reparieren von Genen nun zum Geschäft. Erste Verfahren gegen Erbkrankheiten kommen auf den Markt, bald sind Krebs und Herzleiden an der Reihe. 

10.03.2015
Gesichtsprothesen aus dem 3D-Drucker, virtuelle OP-Tische und Kontaktlinsen mit Lupen-Funktion: Auf einer Konferenz in den USA stellten Forscher Erfindungen wie aus Science-Fiction-Filmen vor. 

Weitere Artikel aus der Branche
Wer sind wir
Logo 3M
3M beherrscht die Kunst, zündende Ideen in Tausende von einfallsreichen Produkten umzusetzen – kurz: ein Innovationsunternehmen, welches ständig Neues erfindet. Die einzigartige Kultur der kreativen Zusammenarbeit stellt eine unerschöpfliche Quelle für leistungsstarke Technologien dar, die das Leben besser machen. Deshalb: Wenn Sie denken, dass 3M etwas für Sie tun kann, dann schreiben Sie uns.
Partner:
FAZ - Institut
RWTH Aachen
F&E Manager
Technische Uviversität Berlin
3M - Contentpartner
Steinbeis SMI
eSSENTIAL Accessibility Icon Download free eSSENTIAL Accessibility Browser