Im Geheimlabor von GM

Arbeiten an einer Autotür

Als erster Hersteller will der US-Konzern 2016 ein selbstfahrendes Auto auf den Markt bringen. Auch Opel soll profitieren.

 

Thomas Jahn Handelsblatt Detroit Milford Proving Ground ist eine der größten und ältesten Teststrecken der Welt. Auf dem 16 Quadratkilometer großen Areal prüft der Autobauer General Motors (GM) seit 1924 seine Fahrzeuge auf Herz und Nieren. Nun stellte GM dort ein neues Testgelände für selbstfahrende Autos vor. „Die Branche befindet sich an einem Wendepunkt“, sagte Mark Reuss, Produktchef von GM, bei der Einweihung.

 

Schon in einem Jahr will der Konzern als erster Hersteller mit dem Cadillac „Super Cruise“ ein selbstfahrendes Auto auf den Markt bringen. Mit Kameras und Radar hält sich das 2017er-Modell der Premium-Tochter in der Mitte der Fahrbahn und in sicherer Entfernung zu vorausfahrenden Fahrzeugen oder Passanten – auch bei 110 Stundenkilometern. Daimler bietet ein solches System bereits an. Das funktioniert jedoch nur bei niedrigen Geschwindigkeiten wie etwa im Stau.

 

„Wir wollen die Ersten und Besten sein, die selbstfahrende Technik in Autos zusammenbringen“, sagte Reuss. Mit dem neuen Fahrzeug will Cadillac sich in einer hohen Preiskategorie etablieren, die den deutschen Premiumautos wie Audi A8, BMW 7er und Mercedes-Benz S-Klasse gleicht. „Wir testen den Super Cruiser derzeit hier auf dem Testgelände und im regulären Straßenverkehr“, erläuterte Reuss.

 

Selbstfahrende Technik ist nicht auf den Super Cruise beschränkt, sie soll auch bei Opel eingesetzt werden. Ein Beispiel ist „Front Pedestrian Braking“: Ein Chevrolet Malibu fährt mit 50 Stundenkilometern auf einen Dummy zu. Das Auto macht den Fahrer erst per Klingelton auf das Hindernis aufmerksam, danach bremst es scharf ab.

 

Der Test gehört zu den Anforderungen von Euro NCAP, dem Verband europäischer Verkehrsministerien, Autoklubs und Versicherer, der die Sicherheit von Neuwagen prüft. Das System soll auch in Europa zum Einsatz kommen. In den USA ist es bei den 2016er-Modellen von Cadillac, dem CT6 und dem Chevrolet Malibu zu haben. Letzterer entspricht in Rüsselsheim dem Mittelklasse-Modell Insignia.

 

Ein anderer Test für Europa nennt sich „City Speed Front Automatic Braking“, auf gut Deutsch: Test zur Vermeidung von Auffahrunfällen bei Ortsgeschwindigkeit. Dazu fährt auf dem Testgelände ein Cadillac CTS mit 50 Stundenkilometern hinter den Dummy eines Autos. Der Cadillac misst per Sensoren den Abstand zum Fahrzeug vor ihm, um im Notfall wieder erst zu warnen und dann selbstständig zu bremsen.

 

„Automatisches Bremsen stellt einen wichtigen Schritt zu automatischem Fahren dar“, sagte Kevin Larson, der bei GM den Bereich „Autonome Bremssysteme“ verantwortet. Man könne nicht von einem Tag auf den anderen ein selbstfahrendes Auto einführen, die Kunden müssten „in Phasen“ daran gewöhnt werden. Das Hauptargument: 94 Prozent aller Unfälle geschehen durch Fahrfehler.

 

Beim Thema selbstfahrende Autos gibt es verschiedene Ansichten, wie sehr der Fahrer noch aktiv sein muss. Google arbeitet an einem Fahrzeug ohne Steuerrad, bei dem der Fahrer gar nicht mehr eingreifen kann. Davon will GM-Produktchef Reuss nichts hören: „Wir sind im Autogeschäft, sie nicht.“

Ein wichtiger Baustein für die neue Technik ist die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen. Bei GM heißt das „Vehicle-to-Vehicle“ (V2V). Mit speziellen Funksendern und Empfängern können die Autos Daten anderer Wagen, etwa zu Staus und Verkehrsbehinderungen, aufnehmen und weiterleiten. Sogar die Warnung vor einem abrupt abbremsenden vorausfahrenden Auto kann weitergegeben werden. Einen Hackerangriff auf die Autos wie kürzlich bei Fiat Chrysler, dem amerikanisch-italienischen Hersteller des Jeep, schließt Reuss aus. GM habe schon im vergangenen Jahr den Posten „Chef für Internet-Sicherheit“ geschaffen. Außerdem hat sich der Konzern mit der US-Armee und dem Flugzeughersteller Boeing zusammengesetzt, um von deren Sicherheitsprotokollen zu lernen.

 

Handelsblatt 04.08.2015

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