Innovationswettbewerb in China

Die Skyline Pekings

Siemens erhöht die Forschungsausgaben in der Volksrepublik. Der Münchener Technologiekonzern fühlt sich unter Zugzwang: Chinesische Unternehmen melden immer mehr Patente an.

 

Axel Höpner Handelsblatt Peking Die Forscher, die es für Siemens richten sollen, sitzen in einem unauffälligen Backsteinbau in Peking. Am Eingang der Forschungszentrale werden sie zur Teilnahme am Innovationswettbewerb aufgerufen. Kreativität ist gefragt, um die immer stärkere chinesische Konkurrenz in Schach zu halten. Entschieden wird der Wettbewerb wohl insbesondere auf dem Feld der Industrie 4.0. Siemens wolle auf der Welle der Digitalisierung in China reiten, sagt der Chef der Siemens-Konzernforschung in China, Zhu Xiaoxun: „Wir sind hier, um Spaß zu haben.“

 

Die Lage ist allerdings für Siemens und andere westliche Konzerne ernst. Lange bescherte China stabiles Wachstum und satte Margen, die aber sind derzeit in Gefahr. „Die Zeiten, in denen es eine Einbahnstraße gab, auf der wir Innovationen aus dem Westen nach China bringen konnten, sind vorbei“, warnt Siemens-Forschungsvorstand Siegfried Russwurm. Denn heute drängen die erstarkten chinesischen Wettbewerber auf die Weltmärkte. „Ein normales Land“ sei China jetzt, meint Russwurm.

 

Die chinesischen Konzerne glänzen zunehmend mit eigenen Innovationen. Sie melden immer mehr Patente an und drängen auf die westlichen Märkte in Europa und den USA. „Innovation wird der Haupttreiber für das künftige Wachstum in China sein“, ist Qi Wu, Partner bei Roland Berger, überzeugt.

 

Siemens will die Herausforderung aus China heraus angehen. Russwurm kündigte in Peking an, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in der Volksrepublik in den nächsten Jahren jeweils prozentual zweistellig steigern zu wollen. Konzerne wie Siemens wollen verstärkt in China für China und den Rest der Welt entwickeln, um einen Vorsprung vor den neuen Konkurrenten zu halten.

 

Manager Russwurm legt erstmals konkrete Zahlen vor. Der Konzern betreibt 20 F&E-Center sowie drei zentrale Forschungszentren in China. Dabei geht Siemens immer weiter in die weniger entwickelten Regionen. So eröffnete der Konzern Innovations-Center in Wuhan und Wuxi.

 

Die Zahl der Forscher und Entwickler von Siemens in China ist in den vergangenen fünf Jahren von 1900 auf 2400 gewachsen. Die F&E-Ausgaben steigerte Siemens in der vergangenen Dekade um 155 Prozent, im letzten Geschäftsjahr gab es einen Anstieg um 20 Prozent. Eine absolute Zahl nannte Russwurm nicht, nach Einschätzung in Industriekreisen dürften inzwischen aber etwas weniger als zehn Prozent der F&E-Ausgaben von gut vier Milliarden Euro auf China entfallen. Partnerschaften gibt es mit 85 Universitäten und Forschungseinrichtungen. „Wir müssen mit den Chinesen zusammen innovieren“, sagt Siemens-China Chef Lothar Herrmann.

 

Mit der Ausweitung steht Siemens nicht allein. Etwa 40 Prozent der Mitgliedsunternehmen der Handelskammer betreiben bereits Forschung und Entwicklung in China oder planen dies für die nächsten zwei Jahre. Hauptmotiv ist es, Produkte für die regionalen Anforderungen anzupassen – aber auch, im Wettbewerb mit den chinesischen Konkurrenten besser mithalten zu können. „Es entstehen lokale Wettbewerber“, erklärt Siemens-Manager Herrmann, „wir müssen damit fertig werden, ob uns das gefällt oder nicht.“ Wettbewerb sei aber am Ende immer positiv – weil er ja dazu zwinge, innovativ zu bleiben.

Viele westliche Konzerne sehen inzwischen Fortschritte, was den Schutz geistigen Eigentums betrifft. „Man kann Patente in China gut durchsetzen. Es gibt inzwischen Rechtssicherheit“, erklärt Siemens-Patentchef Beat Weibel dem Handelsblatt. Die Chinesen hätten erkannt, dass Innovationen der eigenen Wirtschaft nützen. So hielt Siemens zuletzt 4900 Patente in China, 500 mehr als vor einem Jahr.

 

Alle Unternehmen sind davon aber noch nicht überzeugt. Von den Firmen, die nicht in China forschen und entwickeln, begründen dies 70 Prozent mit der Sorge um das geistige Eigentum. Noch häufiger geben die Firmen nur an, dass sie ihre FE-Aktivitäten in Deutschland konzentrieren.

 

Handelsblatt 21.07.2015

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