Japan plant die Roboterrevolution

Roboter

Das vergreisende Land sucht eine technische Lösung für den Arbeitskräftemangel. Binnen weniger Jahre soll sich der Robotermarkt vervierfachen.

 

Martin Kölling Handelsblatt Tokio Maschinen statt Migration – mit diesem Mittel versucht Japan die negativen Folgen des Bevölkerungsschwundes zu bekämpfen. Am Freitag hat der Regierungsausschuss für die Verwirklichung der Roboterrevolution einen Fünf-Jahresplan vorgelegt, mit dem der Robotermarkt in Japan auf 2400 Milliarden Yen vervierfacht werden soll. Roboter sollen den Arbeitskräftemangel lindern.

 

Der Plan fokussiert sich auf Wirtschaftszweige, in denen schon jetzt die Personalnot am größten sein wird. Prominent stehen die Kranken- und Altenpflege, der Einsatz in Rehabilitation und die Landwirtschaft auf der Liste. Darüber hinaus sollen preiswerte und flexible Roboter für mittelständische Industrieunternehmen und Dienstleister gefördert werden, um deren Produktivität zu erhöhen.

 

Einige der Produkte für die nächste Evolutionsstufe der Automatisierung sind bereits auf dem Markt wie der Roboteranzug der Firma Cyberdyne, der bisher vor allem in der Rehabilitation eingesetzt wird. Der Mobilnetzanbieter und IT-Investor Softbank vertreibt einen Roboter für den Heimeinsatz namens Pepper. Und noch viel mehr Prototypen stehen hinter Labortüren Schlange und warten nur darauf, auf die Menschheit losgelassen zu werden.

 

Der Panasonic-Spin-off ActiveLink hat ebenfalls einen Roboteranzug entwickelt, der Arbeitern beim Tragen schwerer Lasten helfen kann. Wie dramatisch die Produktivitätszuwächse sein können, zeigt eine Hüftroboter von Cyberdyne: Er ermöglicht einem Bau- oder Lagerarbeiter, täglich nicht mehr nur 800 Kilogramm durch die Gegend zu wuchten, sondern acht Tonnen.

 

Andere Produkte unterstützen bei der Apfelernte oder beim Pflanzen. Und bei den Anbietern handelt es sich keineswegs nur um finanzschwache Start-ups, sondern Großkonzerne wie den Elektronikkonzern Panasonic oder den Autobauer Toyota, die sich im ersten Schritt auf die Pflege konzentrieren.

 

Panasonic beispielsweise hat ein Roboterbett im Labor stehen, das sich aus einem Bett in eine Rollstuhl verwandeln kann. Ein bettlägeriger Patient kann sich nun selbst bewegen und ist nicht mehr auf und so einem bettlägerigen Patienten mehr von Helfern abhängig.

 

Um den Robotern den Sprung in den Alltag zu erleichtern, will die Regierung nicht nur 700 Millionen Euro in die Entwicklung des Markts investieren. Fast noch wichtiger ist die Forderung, das bisher sehr restriktive Genehmigungsverfahren für Roboter in der Pflege und im Alltag zu lockern.

 

Wie wichtig dies ist, zeigt ein japanisches Paradox: Das Land ist zwar führend in der Entwicklung von maschinellen Helfern im Krankenhaus. Aber die größten Tests laufen gewöhnlich in Singapur oder Dänemark, weil rechtliche Beschränkungen und der Widerstand von Ärzten, Pflegepersonal und Krankenkasse schon die Erprobung und erst recht den regulären Einsatz von Robotern erschweren.

 

Cyberdyne-Chef Yoshiyuki Sankai kennt das Dilemma aus eigener Erfahrung. „In Deutschland wird der Einsatz unserer Roboteranzüge in der Rehabilitation von der Krankenkasse finanziert“, erzählt der Professor der Universität Tsukuba. Wenn dies nun wie versprochen auch in Japan passiert, steht der Revolution nicht mehr viel im Wege. „Wir haben gerade erst begonnen“, sagt Sankai, „Wir sehen gerade erst die Morgendämmerung einer neuen Epoche.“

 

Handelsblatt 27.01.2015

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