Lastwagen sollen von allein fahren

Mehrere LKW's hintereinander

Konzerne wie Daimler entwickeln selbstfahrende LKWs – Technik entlastet Verkehr und Fahrer

 

Jürgen Rees Wirtschaftswoche Düsseldorf Highway-Pilot verfügbar – so leuchtet es im Armaturenbrett auf, unmittelbar nachdem der Fahrer das schwere Fahrzeug gestartet hat. Wenig später lässt er plötzlich das Lenkrad los, und der Sattelschlepper von Mercedes-Benz rollt vollautomatisch auf der Autobahn entlang. Der Trucker drückt einen Knopf an der Armlehne, sein Sitz fährt nach hinten und dreht sich zur Beifahrerseite. Er kann nun entspannt die Beine ausstrecken. Während der Laster fährt, nimmt der Fahrer Frachtaufträge entgegen, meldet dem Kunden seine Ankunftszeit und verabredet sich für die Mittagspause mit Kollegen auf dem nächsten Rastplatz.

 

Science-Fiction? Keineswegs. Daimler stellte den Prototyp eines selbstfahrenden Lkws mit dem wenig originellen Namen Future Truck 2025 auf der Internationalen Automobil- Ausstellung (IAA) für Nutzfahrzeuge in Hannover vor. Nach Konzernangaben ist es „der erste Lkw weltweit, der in der Lage ist, vollkommen autonom – also ohne Eingreifen des Fahrers – zu fahren“. Noch ist die Technik teuer, sind rechtliche Fragen wie „Wer haftet, wenn’s kracht?“ nicht geklärt. Trotzdem ist absehbar: Nicht nur Pkws, auch Nutzfahrzeuge werden bald vollautomatisch über unsere Straßen rollen.

 

Selbstfahrende Laster, saubere Antriebe, smarte Assistenzsysteme sollen helfen, den drohenden Kollaps zu verhindern – indem die Nutzfahrzeuge die vorhandene Infrastruktur besser nutzen, die Umwelt weniger belasten und seltener in Unfälle verwickelt sind.

 

Daimler-Entwickler haben den Future Truck mit allem vollgestopft, was derzeit an Innovationen verfügbar ist. Bereits heute existierende Sicherheitssysteme haben sie konsequent vernetzt: Die überwachen mit mehreren Kameras und Radarsensoren den Raum um das Fahrzeug, halten automatisch Abstand zum Vordermann, beschleunigen und verzögern im Stop-and-go-Verkehr, bremsen im Notfall und halten die Spur, wenn der Fahrer einmal unachtsam ist.

 

Der vorausschauende Tempomat kennt dank dreidimensionaler Karten alle Hügel und Täler einer Strecke. Vor Steigungen holt er automatisch Schwung, und vor Gefällestrecken reduziert er rechtzeitig die Leistung, um Sprit zu sparen. Künftig werden sich die Fahrzeuge sogar untereinander vor Staus, Glatteis oder Unfällen warnen können.

 

Es war allerdings der Angriff eines Außenseiters nötig, damit die traditionellen Fahrzeughersteller und Zulieferer wie Daimler oder ZF Friedrichshafen aufwachten. Denn der Internet- Riese Google treibt mit seiner Entwicklung selbstfahrender Autos die Branche vor sich her. Dieser Innovationsschub könnte jetzt endlich die Vision vom unfallfreien Fahren und einer besseren Nutzung der Infrastruktur Wirklichkeit werden lassen. „Wir könnten die Kapazität der Straßen verdoppeln oder gar verdreifachen, wenn der Mensch nicht mehr selbst fährt“, verkündet beispielsweise der Stanford-Professor Sebastian Thrun, der lange Googles autonome Fahrzeuge mit entwickelt hat. Denn die können dichter auffahren, nachts besser sehen, schneller reagieren und effektiver bremsen.

 

Gigaliner mit Tablet rangieren

Was inzwischen möglich ist, zeigen die Ingenieure von ZF Friedrichshafen. Sie haben einen Gigaliner, 25 Meter lang und 40 Tonnen schwer, aufgerüstet. Den kann der Fahrer mit seinem Tablet-Rechner rangieren, ohne in der Kabine zu sitzen – ein Fingerwisch über das Display reicht. Mühelos vollzieht der Lkw selbst schwierigste Fahrmanöver und kommt schließlich lautlos und abgasfrei – weil auch noch elektrisch angetrieben – an der Rampe zum Stehen, bereit zum Ausladen. Das ist mehr als eine Arbeitserleichterung für die Fahrer, „sie können dank der Fernsteuerung auch früher zu ihren Ruhezeiten kommen“, sagt ZF-Chef Stefan Sommer. Schließlich könne zukünftig auch ein Mitarbeiter auf dem Betriebshof den Lastwagen in geringem Tempo von außen steuern.

 

Das technische System, das aus einem elektrischen Motor mit einer Leistung von 120 Kilowatt (163 PS), elektrischer Lenkung sowie den nötigen Steuergeräten besteht, eignet sich auch für das autonome Fahren. Allerdings vorerst aus Sicherheitsgründen nur bis zu einer Geschwindigkeit von vier Kilometern pro Stunde. Der ZF-Truck zeigt aber auch: Das Robotor-Fahren bereitet den Weg für neue alternative Antriebskonzepte.

 

So wie beim derzeit wohl größten Elektro-Lkw weltweit. Das Fahrzeug des niederländischen Spezialisten Terberg wiegt zehn Tonnen und kann bis zu 44 Tonnen schwere Sattelauflieger ziehen. Es fährt seit kurzem lautlos vom Berliner Westhafen durch die Hauptstadt. Seine Höchstgeschwindigkeit beträgt 40 Kilometer pro Stunde, mit einer Batterieladung kann er bis zu zwölf Stunden unterwegs sein. Ausgestattet ist er mit einem 140-Kilowatt-Elektromotor (190 PS) sowie einem Lithium- Ionen- Batteriesystem. Er liefert Container mit Waren, die per Zug unter anderem vom Projektpartner, dem Paketversender DHL, per Eisenbahn im Berliner Westhafen ankommen, an verschiedene Ziele in der Stadt aus. „Zum ersten Mal zeigen wir, dass eine vollständig elektrifizierte Lieferkette im kombinierten Verkehr Bahn und Straße funktioniert“, erläutert Projektleiter Herbert Sonntag von der Technischen Hochschule Wildau. 

 

Handelsblatt 02.10.2014                  

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