Medizin im digitalen Zeitalter

Ein Doktor der ein Tablet vor sich hält

Telemedizin erobert die USA. Vorreiter ist die renommierte Mayo Clinic, die mit Apple kooperiert.

 

Astrid Dörner Handelsblatt Rochester Wenn der Zustand des Patienten kritisch ist, wird RP7 hereingerollt. Er ist einer der „Stroke Robots“, der für die Mayo Clinic im Außendienst ist und bei Schlaganfällen konsultiert wird. Auf dem großen Monitor, dem Gesicht von RP7, erscheint dann der Gefäßneurologe, der sich aus dem Hauptquartier in Rochester im US-Bundesstaat Minneapolis zuschaltet. Der Spezialist untersucht und befragt den Patienten, der oft Hunderte von Kilometern weit entfernt mit Schlaganfallsymptomen in einem Partner-Krankenhaus der Mayo Clinic liegt.

 

Amerikas führende Klinik ist ein Vorreiter, wenn es darum geht, Technologie in den Alltag von Ärzten und Patienten einzubinden. „Über die letzten 100 Jahre hinweg wurde Medizin auf eine bestimmte Art und Weise praktiziert. Doch nun stellen wir fest, dass im digitalen Zeitalter längst nicht mehr alle Behandlungen im selben Raum stattfinden müssen“, sagt Dr. Steve Ommen, der bei der Mayo Clinic das Center for Connected Care leitet und dort eine Reihe von telemedizinischen Initiativen koordiniert.

 

Dabei setzt das Krankenhaus auf prominente Partner aus der Technologie-Branche: So pflegt die Mayo Clinic enge Kooperationen mit Apple und Google. Über einen eigenen Inkubator haben die Ärzte zudem im Blick, von welchen Innovationen aus der Start-up-Welt die Patienten der Klinik profitieren können.

 

Es ist die Vision von Steve Jobs, die die digitale Medizin vorantreibt. Der Apple-Mitgründer, der 2011 an Krebs starb, soll schockiert gewesen sein über die chaotischen Zustände in Krankenhäusern und Praxen. Untersuchungsergebnisse an einem Ort zu bündeln, damit immer alle Ärzte Zugang zu wichtigen Informationen haben, war damals unmöglich. Daraufhin soll Jobs es zu einer Mission von Apple gemacht haben, das Gesundheitssystem effizienter und effektiver zu gestalten, berichtet der Branchendienst Recode.

 

Heute ist das Standard in der Mayo Clinic – und viele andere Gesundheitsanbieter nehmen sich ein Beispiel daran. Der Markt für Telemedizin boomt. Vor allem abgelegene Gebiete der USA können so besser versorgt werden. Zudem bevorzugen viele Patienten, per Skype oder SMS mit Ärzten Kontakt aufzunehmen, als stundenlang im Wartezimmer zu sitzen. Walgreens, die größte Drogeriekette des Landes, baut gerade einen Telemedizin-Dienst auf. Mit Hilfe des Service können Kunden in 25 Bundesstaaten über das Netz mit einem Hausarzt sprechen, der bei Bedarf auch Rezepte ausstellt. Anfang Juli startete die App Curely, die Patienten per SMS und Foto mit Ärzten kommunizieren lässt. Das Jefferson University Krankenhaus Philadelphia erlaubt Folgeuntersuchungen per Livestream. In St. Louis entsteht gerade ein Zentrum für Telemedizin, in dem vor allem kleinere Notfälle und chronisch kranke Patienten behandelt werden sollen, die regelmäßig ärztlichen Rat brauchen.

 

Und das ist erst der Anfang. „Die Anzahl der Fälle, in denen Ärzte über ein Tablet mit ihren Patienten interagieren, wird exponentiell steigen“, ist Ommen überzeugt. Die Mayo Clinic hat mit Apple Apps entwickelt, bei denen es vor allem auf Benutzerfreundlichkeit ankommt. Eine Applikation etwa erlaubt es den Ärzten über ein iPad oder ein iPhone, auf alle Patientendaten zuzugreifen. Die neuesten Röntgenbilder, Blutanalysen und verschriebene Medikamente werden übersichtlich sortiert und sind jederzeit abrufbar. Das hilft den Ärzten auch im Gespräch mit den Patienten. Für Apples Health Kit wiederum haben die Programmierer aus dem Silicon Valley den ärztlichen Rat der Mayo Clinic eingeholt.

 

In Zukunft könnten die Ärzte der Mayo Clinic bereits eingeschaltet werden, bevor jemand krank wird. „Daten wie Körpertemperatur und Puls und wie viel sich jemand bewegt können in Zukunft Frühwarnsysteme sein. Man kann sich vorstellen, dass wir kontinuierlicher mit Patienten in Kontakt sind und ihnen dabei helfen, gesund zu bleiben“, sagt Ommen. Apple und andere Tech-Größen arbeiten bereits an der Technologie.

 

Handelsblatt 06.08.2015

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