Mit gut elf Litern einmal um die Erde

Die Welt

An der Hochschule Trier bauen Nachwuchsingenieure an Autos der Zukunft. 

Diese müssen vor allen eins können: mit möglichst wenig Energie fahren.

 

HB I Trier

Sie sehen aus wie kleine Rennautos, ihre Fahrer tragen Helme und spezielle Anzüge. Ihr Ziel ist aber nicht, schnell zu fahren, sondern möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Mit ihren Elektrofahrzeugen sind Nachwuchsingenieure der Hochschule Trier schon weit gekommen: Modell „Protron“ schafft es mit einem Energieäquivalent von einem Liter Superbenzin 3500 Kilometer weit – also von Deutschland bis Nordafrika. Für eine Erdumrundung wären gerade einmal 11,4 Liter erforderlich. Modell „Aeris“ hat mit einem Liter Kraftstoff oder der entsprechenden Menge Strom eine Reichweite von 3000 Kilometern.

 

Mit den beiden Sparautos ging das Trierer Studenten- Team Protron für Rheinland- Pfalz unlängst beim 30. Shell Eco-Marathon Europe in Rotterdam an den Start. Erstmals waren die angehenden Maschinenbauer, Elektrotechniker, Informatiker und Designer 2007 beim weltgrößten Effizienz-Wettbewerb dabei. „Wir wollen jedes Jahr besser werden“, sagt Teamsprecher Florian Deutscher.

 

A und O ist das Gewicht der Fahrzeuge.Je leichter sie sind, desto weniger Energie brauchen sie. So sei es ein großer Durchbruch gewesen, als die Konstrukteure im vergangenen Jahr das Gewicht des aus Kohlefaser gefertigten „Protrons“ um gut zehn Kilo auf jetzt 37 Kilo verringerten, sagt Deutscher. Da jedes Gramm zählt, gilt für die Fahrer: „Sie sollten nicht größer als 1,60 Meter sein und ein Maximalgewicht von 50 Kilo haben“, sagt Projektleiter Matthias Braband.

 

Deswegen sitzen im „Protron“ Frauen am Steuer. Etwa Stephanie Rodermund von der Universität Trier. Wie sich so ein Auto fährt? „Man liegt schöner darin als es aussieht“, sagt die Studentin der Wirtschaftsinformatik. Das Gefährt lasse sich gut lenken. Die große Kunst sei, möglichst konstant zu fahren, um wenig Energie zu verbrauchen. Der „Protron“ wird von zwei Elektromotoren angetrieben. Wegen moderner Brennstoffzellentechnik bestehen die Abgase zu 100 Prozent aus Wasser, sagt Elektrotechniker Braband.

 

Der knapp 150 Kilo schwere „Aeris“ hat zwei Elektromotoren im Radkasten, die von einem Lithium-Eisen-Phosphat- Akkumulator gespeist werden. Zusätzlich wird Energie über Solarzellen erzeugt, die auf dem Auto verbaut sind. Der Zweisitzer habe auch eine Straßenzulassung, sagt „Aeris“-Projektleiter Felix Müllenbach.

 

An einem dritten viersitzigen Auto mit elektrischem Antrieb arbeitet das 80-köpfige Team noch. Hier soll versucht werden, „durch einen intelligenten Einsatz von Werkstoffen wie Naturfasern oder Kohlefasern Material wie Stahl zu ersetzen, um Gewicht zu reduzieren“, sagt Projektleiter Christian Gapp. Auf das Thema Energieeffizienz werde beim Autobau zu wenig geachtet, sagt Maschinenbau- Student Deutscher. Eine große Rolle spiele dagegen der Komfort. „Und der kostet sehr viel Gewicht“, sagt er. Jeder einzelne Stellmotor, der am Sitz festgeschraubt werde, jeder elektrische Fensterheber – das sei alles Gewicht. Die Aggregate müssten zudem mit Strom versorgt werden, was Energie koste.

 

„Man muss das Auto mittelfristig von all dem befreien, das man nicht zum Fahren braucht“, sagt Maschinenbau- Professor Hartmut Zoppke, der das Projekt Protron 2006 an der Trierer Hochschule ins Leben gerufen hat. Auch Deutscher meint: „Man muss das Auto wieder als das betrachten, was es eigentlich ist: ein Verkehrsmittel und kein zweites Wohnzimmer“.

 

Nach Einschätzung der Shell-Eco-Marathon-Veranstalter wird sich der weltweite Energiebedarf angesichts der wachsenden Bevölkerung bis 2050 verdoppeln. Die Zahl der Fahrzeuge werde von gut 900 Millionen auf mehr als zwei Milliarden steigen.

 

„Wie sich Mobilität im 21. Jahrhundertangesichts knapper werdender Rohstoffe gewährleisten lässt, ist eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit“, sagt die rheinlandpfälzische Wissenschaftsministerin Doris Ahnen (SPD). Daher seien die Erkenntnisse des Trierer Teams für Wissenschaft und Wirtschaft „gleichermaßen wertvoll“  

 

Handelsblatt 27.05.2014         

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