Post liegt im Drohnen-Wettlauf vorn

Drohne

 

Der Logistikkonzern beliefert eine Apotheke auf Juist – und hängt damit mächtige Rivalen wie Amazon und Google vorerst ab.

 

 

HB I Hannover  Die Deutsche Post testet erstmals den Einsatz von Drohnen für die alltägliche Paketzustellung. Bis zum Jahresende soll ein sogenannter Paketkopter Medikamente von der niedersächsischen Hafenstadt Norden zu der „Seehund“-Apotheke auf der Nordsee-Insel Juist fliegen. Der Feldversuch sei weltweit einzigartig, sagte ein Sprecher des Paketdienstes DHL.

 

„Wir sind im Bereich der Drohnen der erste gewerbliche, nicht-militärische Anwender, der im Pilotprojekt Paketkopter einen regulären Linienbetrieb unterhält“, sagte Paketvorstand Jürgen Gerdes. Nach ersten Testflügen mit dem unbemannten Kleinfluggerät fanden nach Angaben der Deutschen Post DHL bereits statt. Seit Freitag läuft der reguläre Lieferbetrieb mit der „Seehund“-Apotheke – sofern es das Wetter zulässt, sorgt Drohne für einen regulären Zustelldienst zu bestimmten Uhrzeiten.

 

Laufen soll das Projekt vorerst vier bis sechs Wochen, wie die Post ankündigte. Einen einmaligen Probelauf für die Paketzustellung per Drohne hatte DHL bereits Ende 2013 mit einem Flug über den Rhein absolviert. Bei dem jetzt eingesetzten unbemannten Fluggerät handelt es sich um eine Weiterentwicklung des damals benutzten Paketkopters. Er wurde mit Blick auf Flugdauer, Reichweite und Geschwindigkeit für den Einsatz bei Wind und Wetter an der Nordseeküste optimiert.

 

Die etwa zwölf Kilometer lange Distanz zurInsel legt der neue „DHL Paketkopter 2.0“ völlig autonom – also ohne jeglichen Eingriff von außen – per Autopilot in etwa 50 Meter Höhe zurück. Je nach Wind soll er Nachmittags mit einer Geschwindigkeit von bis zu 18 Meter pro Sekunde unterwegs sein.

 

Allerdings verfolgt eine mobile Bodenstation von Norddeich aus jede Phase des Fluges, um in Notfällen eingreifen zu können. Für die 1,2 Kilo schwere Nutzlast wurde ein extrem leichter wetter- und wasserfester, tropfenförmiger Behälter entwickelt. Er ist unter der knapp fünf Kilogramm schweren Kohlefaser-Karosserie der Drohne befestigt, die über ihre vier Rotoren in der Luft gehalten wird.

 

Obwohl das behördliche Okay von der Flugsicherung, der Nationalparkverwaltung Wattenmeer und anderen Stellen für den mehrmonatigen Feldversuch vorliegt, muss aus Sicherheitsgründen aber jeder Flug noch einzeln angemeldet werden.

 

Neben der Deutschen Post DHL und dem Drohnen-Hersteller Microdrones ist für die wissenschaftliche Begleitung auch das Institut für Flugsystemdynamik der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) an dem Test beteiligt.

 

Konkrete Pläne für den regulären Betrieb derartiger Drohnen hat DHL nach eigenen Angaben aber noch nicht. Der Paketdienst schließt allerdings deren Einsatz in dünn besiedelten oder schwer erreichbaren Gebieten künftig nicht aus – vorausgesetzt er ist ökonomisch sinnvoll und technisch machbar. „Die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung nimmt täglich zu. Heute kann kaum noch jemand ohne Smartphone und Tablet leben – vor wenigen Jahren waren diese Geräte völlig unbekannt, weil nicht existent. Insofern geht es manchmal sehr viel schneller, als man am Anfang glaubt“, sagte Gerdes.

 

Auch der Online-Handelsriese Amazon arbeitetdaran, künftig mit unbemannten Fluggeräten Pakete auszuliefern. Der US-Konzern Google will neben kleinen Paket-Drohnen mit Hilfe großer Fluggeräte Internet in entlegene Gebiete bringen. Facebook hat ähnliche Pläne. Die US-Unternehmen testeten schon Liefer-Drohnen. Die US- Flugsicherung Federal Aviation Administration erklärte jedoch im vergangenen Jahr, sie werde keine entsprechenden Flüge ohne Pilot zulassen, solange keine festen Regeln dafür festgelegt sind.

 

Handelsblatt 30.09.2014

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