Resistente Mobilfunktechnik aus Afrika

Person nutzt das Ipad

Große Hitze und ständige Stromausfälle: Die Strapazen für Handys und Internet auf dem Schwarzen Kontinent sind groß. Kenianer haben eine neue Technologie entwickelt, die dem Rechnung trägt.

Wer in Afrika reist oder arbeitet, weiß, dass Kommunikationsverbindungen schon wegen der unsicheren Stromversorgung Glückssache sind. Mittlerweile ist zwar ein Großteil des Kontinents ans Mobilfunknetze angeschlossen. Doch was nutzt das, wenn die Antenne, der Laptop oder das Ladegerät gerade keinen Strom haben oder wegen empfindlicher Elektronik in dem extremen Klima den Geist aufgeben?

Weil die Produkte der Hersteller aus industrialisierten Ländern sie nicht befriedigten, sind Kenianer nun selbst aktiv geworden. Ushahidi, eine Non-Profit-Technologieorganisation aus Nairobi, hat ein Modem entwickelt, das dem heißen Klima und anderer Strapazen gewachsen ist.

Ushahidi entwickelt frei verfügbare Softwaretools für die Sammlung, Visualisierung und geografische Lokalisierung von Informationen auf Karten. Hilfreich ist so etwas beispielsweise bei Katastrophen oder in Kriegsgebieten, wo sich die Mitarbeiter häufig aufhalten, um Betroffene solcher Situationen kommunikationstechnisch zu unterstützen. Gerade unter solchen Umständen ist stabiles Equipment unverzichtbar – die vorhandenen Geräte waren oft den Umständen nicht gewachsen. „Innovationen entstehen vom Rand her“, schreibt das Team auf seiner Website.

Inzwischen ist nach neumonatiger Entwicklungszeit BRCK fertig. Das neuartige Modem kommt solide wie ein Ziegelstein (engl.: Brick) daher.

Das Modem loggt sich in das Netz ein, das gerade verfügbar ist oder von den verfügbaren am besten funktioniert. Es fungiert je nach Situation und ohne große Einstellungen als Brücke, Router, WLAN-Hotspot oder (mit SIM-Karte) UMTS/LTE Zugangspunkt und schließt bis zu 20 Geräte sowie acht Sensoren an das jeweils verfügbare Netz an. Das Modem unterstützt die wichtigsten Kommunikationsprotokolle und kann diesbezüglich nachgerüstet werden. Die WLAN-Sendestärke reicht, um mehrere Räume mit Verbindungen auszustatten. Eine interne Festplatte mit 16 GByte Kapazität kann Daten aufzeichnen. Die integrierte Software ist durch Apps ansprechbar, erlaubt das Management aus dem Hintergrund und kann Daten sammeln. Das Ganze steckt in einem mit Standardschrauben staubdicht verschlossenen, robusten Gehäuse, so dass BRCK auch den Transport über Buckelpisten oder durch den Wüstensand übersteht.

Für die Konfiguration des BRCK reicht es aus, ein paar einfache Fragen auf dem Smartphone- Display zu beantworten und gegebenenfalls ein Kabel einzustecken. Und am wichtigsten: Die in dem Gerät befindliche Lithium-Polymer-Akkus reichen in voll geladenem Zustand für acht Stunden und halten ihre Energie unbenutzt sechs Monate.

Dazu passend hat Ushahidi zusammen mit einer ebenfalls in Kenia ansässigen Textil- und Lederverarbeitungsfirma eine genauso robuste Tragetasche entwickelt, mit der sich der kommunikative Backstein überall dahin bringen lässt, wo seine Vermittlungsdienste gerade benötigt werden. Weiter stellt das 25-Mann-Unternehmen eine Cloud-Anwendung zur Verfügung, die Stromversorgung und Telekommunikation jedes BRCK weltweit zur Überwachung für seinen Anwender sichtbar macht.

Über eine Shop-Website kann man das Gerät für 195 Dollar plus Versandkosten von der ganzen Welt aus bestellen. Support und der übrige weltweite Vertrieb werden gerade organisiert. Ansonsten, so das Unternehmen, entstehen den Anwendern derzeit außer für den Netzzugang über einen Provider keine Zusatzkosten – es sei denn, die Entwickler, die später für den BRCK arbeiten, ließen sich kostenpflichtige Apps einfallen. Auch ein VPN-System, das eventuell geplant ist, könnte laut Ushahidi kostenpflichtig werden. Originell auch die Finanzierung, die sich bei ITInnovationen abseits des Mainstreams einzubürgern scheint: Mehr als 1000 Unterstützer stifteten über das Crowdfunding-Portal Kickstarter rund 172 000 $, die nun in die Produktion des Geräts fließen.

Das Team hat beim Erreichen weiterer Finanzierungsziele zusätzliche Features in Aussicht gestellt. Beispielsweise wird beim Erreichen von 300 000 Dollar ein Softwareentwicklungskit bereitgestellt, das die Programmierung von Apps für das Gerät erlaubt. Ab 500 000 Dollar werden Cloud-Applikationen wie Dropbox vorinstalliert. Die Finanzierung des ersten Ziels – 125 000 $ bis zum Aufbau der Produktion – war innerhalb weniger Wochen erreicht.

Artikel aus der Branche
06.01.2015
Gummihütchen, Membranen oder Mini-Schalter: Die Welt der Computertastaturen ist geheimnisvoll. Doch nicht jedes Modell ist für jede Aufgabe gleich gut geeignet. 

29.07.2014
High-Tech-Kameras drehen 360-Grad-Filme, liefern autonom Luftaufnahmen per Drohne und verschmelzen virtuelle und reale Welt. 

23.07.2013
Kaum ein Internet-Nutzer verschlüsselt E-Mails. Die Ausrede lautet: zu schwierig. Dabei ist das kaum komplizierter als ein Rührei zum Frühstück. Hier erfahren Sie das Rezept zur Kryptografie – und was schiefgehen kann. Fragt man Internet- Nutzer, warum sie ihre E-Mails nicht verschlüsseln, hört man meistens zwei Begründungen. Erstens: Es ist zu kompliziert. Zweitens: Die anderen machen es auch nicht.

Weitere Artikel aus der Branche
Wer sind wir
Logo 3M
3M beherrscht die Kunst, zündende Ideen in Tausende von einfallsreichen Produkten umzusetzen – kurz: ein Innovationsunternehmen, welches ständig Neues erfindet. Die einzigartige Kultur der kreativen Zusammenarbeit stellt eine unerschöpfliche Quelle für leistungsstarke Technologien dar, die das Leben besser machen. Deshalb: Wenn Sie denken, dass 3M etwas für Sie tun kann, dann schreiben Sie uns.
Partner:
FAZ - Institut
RWTH Aachen
F&E Manager
Technische Uviversität Berlin
3M - Contentpartner
Steinbeis SMI
eSSENTIAL Accessibility Icon Download free eSSENTIAL Accessibility Browser