Revolution bei minus 162 Grad Celsius

Zug

Amerikanische Eisenbahngesellschaften testen verflüssigtes Erdgas als Dieselersatz. Das könnte die Umwelt entlasten und den Firmen viel Geld sparen.

 

C. Schlautmann Handelsblatt Düsseldorf

Es produziert bei der Verbrennung weniger Klimagas als Diesel, reduziert die Feinstaubbelastung drastisch und ist seit dem Schiefergas- Boom in rauen Mengen preiswert erhältlich: Liquefied Natural Gas (LNG), zu Deutsch „verflüssigtes Erdgas“.

 

Ausgerechnet Deutschlands größter Dieselverbraucher aber hält sich zurück, wenn es um den Einsatz des umweltschonenden Energieträgers geht. „Wir haben den Einsatz von Gas diskutiert“, sagte die Technikvorständin der Deutschen Bahn, Heike Hanagarth, dem Handelsblatt. „Aber es gibt dazu noch keine Planung.“

 

Eine verpasste Chance, der Umwelt zu helfen und innovativ zu sein. Immerhin ist die Bahn mit 1900 Diesellokomotiven und ebenso vielen Dieseltriebwagen im ganzen Land unterwegs. Aber noch lassen Investitionen in dieses Zukunftsfeld auf sich warten.

 

Dabei hat sich die Bahn schon vor anderthalb Jahrzehnten mit Gas als Alternative zum Diesel beschäftigt. Testlokomotiven waren unter anderem im Münchener Hauptbahnhof unterwegs. Ergebnis: „Einsatz problemlos möglich.“ Dennoch kommt das umweltfreundliche Gas nicht zum Zuge – vorerst. Grund: Der Aufbau eines komplett neuen Tankstellennetzes würde einen „hohen zweistelligen Millionenbetrag“ verschlingen, sagt die Bahn.

 

In Nordamerika sieht das ganz anders aus. Dort drängt Börsenguru Warren Buffett beim Bahnunternehmen BNSF darauf, den Zugbetrieb, falls möglich, komplett auf Erdgas umzustellen. Die aus den Eisenbahnfirmen Burlington Northern und Santa Fe fusionierte Gesellschaft – eines der größten Transportunternehmen der USA – untersteht Warrens Finanzfirma Berkshire Hathaway. 4,5 Milliarden Dollar gab die US-Bahngesellschaft 2013 für Diesel aus, mehrere 100 Millionen davon könnten eingespart werden, wenn die Umrüstung klappt.

 

Die Zeit drängt. 2015 greifen in den USA strengere Abgasnormen für Schienenfahrzeuge, die mit Diesel nur unter hohen Zusatzkosten zu schaffen sind. Von LNG versprechen sich die Amerikaner erhebliche Umweltvorteile: Weil das Gas fast rußfrei verbrennt, sinkt der abgesonderte Feinstaub im Vergleich zum Diesel um 90 Prozent. Zudem reduziert sich der Ausstoß des Klimakillers CO2 um ein Fünftel. Risiken bei der Gasförderung („Fracking“) klammern sie dabei aus.

 

Noch befindet sich das Ende 2013 gestartete Projekt in der Testphase. Weil staatliche Zulassungen fehlen und ein Tanknetz erst aufgebaut werden muss, rollen die Prototypen derzeit über ein Testgelände des Lokomotiven-Herstellers Caterpillar-EMD in Kansas. Auch General Electric (GE), als zweiter Lieferant von BNSF verpflichtet, probt den Gasantrieb von Lokomotiven auf seinem Werksgelände.

 

Andere Bahngesellschaften prüfen ebenfalls den Einsatz von LNG-Erdgas, das bei minus 162 Grad Celsius flüssig wird und 50 Prozent mehr Tankraum beansprucht als Diesel. Union Pacific und Norfolk Southern gehören dazu, Canadian National ebenfalls. Die Kanadier stellen nicht nur Dieselloks auf LNG-Betrieb um. Sie haben zudem für je eine Million Dollar vier Tender bestellt, die als rollende Gastanks den Zug während der langen Fahrt über den Kontinent versorgen – und ihn damit von Gastankstellen unabhängig machen.

 

LNG-betriebene Lokomotiven, glaubt Lorenzo Simonelli, Chef der Bahnsparte GE Transportation, könnten die Energiekosten gegenüber Diesel halbieren. In der Eisenbahnindustrie sei dies voraussichtlich die „größte Revolution, seit der Diesel die Dampfloks ersetzte“.

 

Handelsblatt 07.08.2014            

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