Roboter hinter der Ladentheke

Roboter Hand

In Japan beginnt ein Feldversuch mit humanoiden Automaten im Einzel -handel. Nestlé setzt solche Geräte bei der Kundenberatung ein.

 

Martin Kölling Handelsblatt Tokio Die Revolution im Einzelhandel beginnt mit einer kurzen Verzögerung. „Pepper!“, ruft eine Japanerin dem kleinsten Verkäufer am Nestlé- Stand in einem Tokioter Kaufhaus zu. Die Augen des Verkäufers irren einen Moment im Gewühl von Reportern umher, bis er die Sprecherin identifiziert. Doch dann beginnt er gestenreich, die Kundin beim Kauf einer Kaffeemaschine zu beraten. Das Identifizieren der Sprecherin im lauten Trubel eines japanischen Kaufhauses ist eine kleine technische Glanztat für den Verkäufer. Denn es handelt sich um einen humanoiden Roboter, so groß wie ein Viertklässler. Mit seinen großen Augen und seiner Piepsstimme sieht er aus wie eine japanische Zeichentrickfigur. Aber er hat eine Mission: Kaffeemaschinen verkaufen.

 

Wann sie denn Kaffee trinke, will er wissen. Welche Geschmacksrichtung sie möge. Dabei wirbeln die kleinen Arme geradezu südländisch durch die Luft. Und als sich die junge Frau am Ende für den Kauf interessiert, reißt Pepper die Arme in die Luft und jubelt: „Yatta!“ – „Geschafft!“ Yuko Tamashima, so der Name der Kundin, reagiert geradezu gerührt auf ihre erste Begegnung mit einem Roboter. „Die Kommunikation ist ja fast so wie bei einem richtigen Menschen.“

 

Pepper ist nicht nur der erste humanoide Großserienroboter der Welt. Der japanische Internetinvestor und Mobilnetzbetreiber Softbank will das Gemeinschaftsprodukt mit seinem französischen Tochterunternehmen, dem bekannten Roboterhersteller Aldebaran, ab Februar in Japan in den Handel bringen. Er ist auch Teil des bisher größten und längsten Freilandversuchs mit Robotern im Einzelhandel, die Avantgarde einer „Roboterrevolution“, mit der die Regierung Japans führende Rolle bei Industrierobotern auch in der neuen Welt der Partnerroboter reproduzieren will.

 

Die Firmen der Japan AG wirken daran mit Eifer mit, vor allem in der Kranken- und Altenpflege. Legendär ist der Roboteranzug Hal von Cyberdyne, dessen europäische Verkaufsniederlassung in Bochum gegründet wurde. Der Elektronikkonzern Panasonic vertreibt schon seit Jahren Medizinsortierroboter und neuerdings Kommunikations und Transportroboter sowie ein Krankenhausbett, das mit Hilfe von Robotertechnik von einem Bett in einen Rollstuhl transformiert werden kann.

 

Nestlés japanische Niederlassung glaubt, dass die Automaten mit Pepper auch ein Potenzial am Verkaufstresen haben. Mindestens 20 Roboter hat Nestlé Japan daher erworben. Die genaue Zahl verrät das Unternehmen nicht. Aber bis Ende 2015 sollen die Trainees durch insgesamt 1000 Nestlé- Verkaufsstellen ziehen, um Werbung für das hochpreisige Kaffeeprodukt zu machen – und die Eignung von Robotern im Einzelhandel auszuprobieren.

 

„Wir glauben, dass Roboter im Einzelhandel eine zusätzliche Kauferfahrung für die Kunden bieten“, erklärt Nestlé-Manager Kensuke Otani das Projekt. In Peppers Fall ist es neben der Erregung öffentlicher Aufmerksamkeit die eigentliche Verkaufsberatung für Kaffeemaschinen des Nestlé- Konzerns, die sich mit vergleichsweise teuren Kapseln bestücken lassen. Die standardisierten Fragen kann auch ein Roboter stellen und die Kunden so unterhaltsam für die Produkte interessieren.

 

„Nestlé ist unser erster großer Unternehmenskunde“, sagt Kenichi Yoshida, Vizepräsident der Softbank- Roboterabteilung. Ab Februar soll Pepper für 1400 Euro an Privatkunden verkauft werden. Die erste Serie von 200 Einheiten für App- und Roboterentwickler sei sofort ausverkauft gewesen, sagt Yoshida. Als weitere Kundengruppe sieht er Technikenthusiasten, die unbedingt den neuesten Schrei in ihrer Wohnstube haben wollen. Ab Sommer soll dann der Vertrieb an Unternehmenskunden starten.

 

Pepper hat zwar Hände, kann aber nicht greifen. Selbst kleinste Stufen sind für ihn unüberwindbare Hindernisse, da er keine Beine hat. Aber vorerst wird er mit diesen Beschränkungen leben müssen, erklärt Yoshida: „Am wichtigsten ist für uns jetzt, Applikationen zu finden, die wirklich wertvoll für die Kunden sind.“  

 

Handelsblatt 09.12.2014 

Artikel aus der Branche
11.06.2015
Dank neuer Materialien dürften Chips immer potenter werden, meint Intel-Gründer Gordon Moore 

29.05.2015
Der Elektroauto-Spezialist Tesla sucht neue Absatzmärkte für Batterien. Während diese sich für Haushalte wohl noch nicht rechnen, sollen sie bei Versorgern einspringen – etwa bei einer Überlastung des Stromnetzes. B. Weddeling, T. Jahn, L. Bay Handelsblatt New York Im Silicon Valley will nahezu jeder Gründer sein wie Elon Musk, der 43-Jährige, der sein Vermögen mit Paypal machte und das Geld dann weiter investierte. In das Raumfahrtunternehmen SpaceX steckte er 100 Millionen Dollar, in Tesla Motors 70 Millionen und 30 Millionen in Solarcity.

21.05.2015
Schlaganfall-Patienten leiden oft lebenslang unter den Folgen. Doch eine neue Therapie verspricht eine dauerhafte Genesung. Dabei werden Blutgerinnsel mechanisch entfernt. 

Weitere Artikel aus der Branche
Wer sind wir
Logo 3M
3M beherrscht die Kunst, zündende Ideen in Tausende von einfallsreichen Produkten umzusetzen – kurz: ein Innovationsunternehmen, welches ständig Neues erfindet. Die einzigartige Kultur der kreativen Zusammenarbeit stellt eine unerschöpfliche Quelle für leistungsstarke Technologien dar, die das Leben besser machen. Deshalb: Wenn Sie denken, dass 3M etwas für Sie tun kann, dann schreiben Sie uns.
Partner:
FAZ - Institut
RWTH Aachen
F&E Manager
Technische Uviversität Berlin
3M - Contentpartner
Steinbeis SMI
eSSENTIAL Accessibility Icon Download free eSSENTIAL Accessibility Browser