Schrauben statt Betonieren

Schrauben

Einst revolutionierte der Mittelständler Krinner die Weihnachtsbaumständer. Jetzt will er mit riesigen Schrauben Fundamente aus Beton verdrängen.

 

Axel Höpner Handelsblatt Straßkirchen Klaus Krinner hat es weit gebracht im niederbayerischen Straßkirchen. Mit seinem kleinen Elektroauto flitzt der 75-Jährige am ehemaligen elterlichen Bauernhof vorbei, zwei Neffen entwickeln hier heute Maschinen für seine Firmengruppe. Stolz präsentiert er ein großes Feld mit Solaranlagen, es war einmal der größte Park in Deutschland, seine Produkte sind hier verbaut. Schließlich geht es zur Krinner Schraubfundamente GmbH.

 

Im Grunde sind Schraubfundamente nichts anderes als riesige Schrauben, bis zu fünf Meter hoch. Krinner hat diese als Ersatz für Betonfundamente erfunden, sie lassen sich später einfach wieder rückstandslos aus dem Boden drehen. „Ich verstehe selbst nicht, warum da keiner früher draufgekommen ist“, meint der Selfmade-Unternehmer.

 

Einsatz vor allem bei Photovoltaik-Anlagen

Am Matterhorn kamen die Schrauben zum Beispiel gerade zum Einsatz – um die provisorischen Unterkünfte im Basislager während des Umbaus der Bergsteigerhütte im steinigen Fels zu verankern. Auch das Café im Ort ruht auf firmeneigenen Schraubfundamenten. Vor allem aber werden mit den Schraubfundamenten Photovoltaik-Anlagen im Boden verankert.

 

Doch der Photovoltaik- Markt in Deutschland brach zuletzt ein. Bis Ende Mai wurden nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft nur noch Solarstromanlagen mit 827 Megawatt Leistung installiert, ein Rückgang um 44 Prozent. Bereits 2013 hatte es ein dickes Minus gegeben.

 

Der Erfinder wirbt mit Kostenvorteilen der Technik

Zulieferer Krinner kam glimpflich davon. Die bessere Entwicklung lag zum einen daran, dass Krinner ein solider Mittelständler ist. Zu hundert Prozent in Familienbesitz, fast komplett eigenfinanziert. „Es ist gut, wenn man ein schönes Polster hat“, betont Geschäftsführer Thomas Mayer. Zudem gelang es Krinner rechtzeitig, die hohe Abhängigkeit vom deutschen Markt zu reduzieren. In der Spitze lag der Inlandsanteil am Umsatz bei 80 Prozent, heute sind es nur noch 20 Prozent.

 

Daneben forscht Krinner ständig nach neuen Anwendungsmöglichkeiten. „Das Thema Beton muss aus den Köpfen raus“, meint der Chef. Schraubfundamente seien oft billiger, zudem rückstandslos zu entfernen. Nach Einschätzung von Erfinder Krinner gibt es bei der Größe keine Limits. Selbst die riesigen Offshore- Windkrafträder könnten mit Schrauben im Boden verankert werden, ist er überzeugt. Auch bei den neuen Stromtrassen, die gebaut werden müssen, könnte seine Technik zum Einsatz kommen.

 

An kreativen Ideen mangelt es dem ehemaligen Landwirt ohnehin nicht. Er war einer der Ersten von denen, die in den 1970er-Jahren in Ostbayern Erdbeerfelder im großen Stil anpflanzten. Den Grundstein für seinen heutigen Konzern legte er aber mit einem anderen Projekt: Lange Zeit hatte immer sein Vater daheim den Christbaum aufgestellt. Als die Aufgabe 1988 Klaus Krinner zufiel, ärgerte er sich, dass der Baum mit dem klassischen Weihnachtsbaumständer allein kaum gerade aufzustellen war. Also bastelte er sich ein eigenes Modell mit einem Zugseil. Wer den Ständer zu sehen bekam, war begeistert von der Idee.

 

Kreatives Marketing macht Innovationen publik

Folglich machte sich Krinner mit seinen Skizzen auf nach Polen und ließ von einem polnischen Rüstungsbetrieb – der „eiserne Vorhang“ war gerade gefallen – 25 000 Stück günstig produzieren. Auch beim Marketing war Krinner kreativ. Einem TV-Mann stellte er ungefragt einen Weihnachtsbaumständer vor die Haustüre, die „Bild“-Zeitung besuchte er ebenfalls mit seiner Erfindung in der Hand.

 

Einige Hersteller haben inzwischen Krinners Idee kopiert. Doch hat er das Modell weiterentwickelt und verkaufte zuletzt noch 800 000 Stück im Jahr. Seinen Marktanteil schätzt Krinner auf 70 Prozent. Ähnlich entstand die Idee für die Schraubfundamente: Krinner suchte nach einer Lösung, um zum Beispiel eine Wäschespinne im Garten ohne den Einsatz von Beton aufstellen zu können. Die kommerziellen Möglichkeiten ergaben sich dann von selbst.

 

Handelsblatt 29.07.2014

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