Schütteln für den Ernstfall

Erbeben geschädigte Straße

Mit hohem Aufwand soll Tokio noch erdbebensicherer werden. Mit Simulationen und neuen Gebäudetechnologien rüsten sich die Japaner für die nachste Naturkatastrophe.

 

Martin Kölling Handelsblatt Tokio „Beide Hände ans Geländer! Bitte halten Sie sich gut fest!“, sagt der Ingenieur im Forschungszentrum des japanischen Baukonzerns Shimizu. Gleich wird er den Startbefehl für das Megabeben geben, dass vor vier Jahren Japan erschüttert hat. Einen kurzen Moment später werden die Testpersonen durchgeschüttelt wie damals in einem Tokioter Bürohochhaus im obersten 24. Stock, 350 Kilometer vom Epizentrum entfernt. Halbwegs wenigstens. „Wir haben die Beschleunigung aus Sicherheitsgründen halbiert“, verrät der Ingenieur.

 

Doch auch so reicht das Schwanken und Stampfen, um fast von den Füßen oder aus den Sitzen gerissen zu werden. Die Demonstration ist Shimizus Beitrag zum Gedenktag an die Tsunami- und Atomkatastrophe.

 

Gleich zwei rekordverdächtige Rütteltische hat der Baukonzern diesen Monat in Betrieb genommen, um das Land und vor allem Tokio künftig noch besser gegen Beben schützen zu können. Der E-Beetle ist der größte Erdbebensimulator der japanischen Bauindustrie . Er kann mit 35 Tonnen schweren Modellen von Hochhäusern die stärksten Beben der Welt simulieren. Nur der staatliche Rütteltisch E-Defense ist größer. Der wuchtet bis zu 200 Tonnen durch die Gegend. Der kleinere E-Spider, auf dem die Simulation stattfindet, ist wiederum der erste Rütteltisch der Welt, mit dem in Lebensgröße langwellige Starkbeben in Hochhäusern nachgemacht werden können.

 

Der Aufwand zeigt, wie sehr die Katastrophe vor vier Jahren das Land wachgerüttelt hat. Der volkswirtschaftliche Schaden des damaligen Megabebens verblasst im Vergleich zu einem direkten Treffer des Großraum Tokios, der mit 36 Millionen Menschen das politische und wirtschaftliche Herz Japans ist.

 

Bei einem Beben der Stärke 7,3 auf der Richterskala rechnet die Regierung mit Schäden von bis zu einem Viertel des Bruttoinlandsprodukts und zigtausend Toten. Ein solches Beben soll die Stadt mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit in den kommenden 30 Jahren treffen. Ein Beben der Achterklasse wie vor 90 Jahren wird mit bis zu 70 000 Toten kalkuliert. Wahrscheinlichkeit: zwei Prozent.

 

Tokios Problem sind besonders die Altbauten, die vor der Verschärfung der Baurichtlinien im Jahr 1981 errichtet wurden. Bei einem Beben drohen sie als erste zu kollabieren. Immerhin machen sie noch 30 Prozent der Bausubstanz aus. Die Landes- wie Lokalregierungen fördern daher Projekte, um alte Gebäude zu verstärken. Die Tokioter Stadtregierung hat beispielsweise die Besitzer größerer Altbauten entlang der Hauptverkehrsadern aufgefordert, die Erdbebensicherheit ihrer Immobilien untersuchen und bei Bedarf nachbessern zu lassen.

 

Ein langsamer Prozess: Bis Ende 2014 hatten erst 89 Prozent der Besitzer die geforderten Diagnosen durchgeführt. Doch immerhin stellen immer mehr Bauherren neue Hochhäuser und private Wohnhäuser auf riesige Stoßdämpfer, um die Gebäude von den Bewegungen des Bodens zu isolieren.

 

Viele Firmen sind daher nach dem Erdbeben in solch isolierte Gebäude umgezogen. Diese Gebäude sollten wenigstens ein Beben der Stärke 7,3 unzerstört überstehen, sagen die Experten. Doch der Chef von Shimizus Forschungszentrum, Yutaka Ishikawa, will dies lieber nicht persönlich ausprobieren. „Bei einem starken Beben möchte ich nicht in Tokio sein“, gesteht Ishikawa ehrlich

 

Handelsblatt 12.03.2015 

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