Wasserstoff statt Diesel

Lastkraftwagen

Viele Städte in Deutschland ersticken in Abgasen. Ein Pakt mit der Industrie könnte neuer Technik den Weg ebnen.

 

S. Kersting, D. Delhaes Handelsblatt Berlin Städte stehen hoch im Kurs. 1975 lebten weltweit 37,2 Prozent der Menschen in städtischen Ballungsräumen, heute sind es 54 Prozent. 2050, prognostizieren Experten, werden es 70 Prozent sein.

 

Die Verstädterung ist einer der großen globalen Trends. Lebenswert werden Städte aber nur dann sein, wenn aus ihnen keine Betonwüsten werden, die Luftqualität stimmt und der Lärmpegel sinkt. Eine der zentralen Herausforderungen: die Optimierung der städtischen Mobilität – sei es durch eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs, den Ausbau von Fahrradwegen, Carsharing, Elektromobilität oder die Förderung anderer emissionsarmer Antriebe wie Erdgas oder Wasserstoff.

 

Hamburg etwa, geplagt von Stickoxiden in der Luft, die vor allem durch Dieselfahrzeuge emittiert werden, setzt unter anderem auf wasserstoffbetriebene Busse. Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Hansestadt, wollte heute mit Londons Zweitem Bürgermeister Kit Malthouse und Vertretern der führenden europäischen Bushersteller, darunter Daimler, MAN und Solaris, zusammentreffen. Gemeinsames Ziel: Bis 2020 soll sich der Kauf von Wasserstoffbussen rechnen, um so das Leben in der Stadt ein Stück weit mehr von Abgasen zu befreien. Die beiden Bürgermeister, heißt es in Hamburg, stünden für ein europäisches Netzwerk von 30 Städten und Regionen, die im Rahmen einer von der EU initiierten Studie Interesse an der Nutzung von wasserstoffangetriebenen Bussen gezeigt hätten. Der Pakt soll mit einem Letter of Understanding seitens der Industrie bekräftigt werden.

 

„In Hamburg fahren bereits einige dieser Busse“, sagte Scholz dem Handelsblatt. „Unser Ziel ist es, ab 2020 nur noch Busse mit emissionsfreien Antrieben anzuschaffen. Damit dies gelingt, muss die Industrie jetzt investieren und wissen, dass sie Partner findet, die die Fahrzeuge dann auch kaufen. Hamburg wird das tun.“

 

Bei Umweltexperten stößt die Ankündigung des SPD-Politikers auf Lob, aber auch auf Skepsis. „Für die Luft in Hamburg ist die Entscheidung natürlich super“, sagt Jens Hilgenberg, beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) für Verkehrspolitik zuständig. Aber das reiche längst nicht aus: „Hamburg ist in Deutschland die größte Stadt, die keine Umweltzone hat.“

 

„Der Einsatz von Wasserstoff im öffentlichen Nahverkehr sorgt lokal für saubere Luft – ist aber nicht zwingend gänzlich emissionsfrei“, gibt Lars Mönch, Energieexperte beim Umweltbundesamt, zu bedenken. Der Grund: Je nachdem, wie Wasserstoff hergestellt und transportiert wird, fallen Emissionen an. Selbst wenn Wasserstoff durch Elektrolyse mit Hilfe von erneuerbar erzeugtem Strom hergestellt wird und später emissionsarm per Brennstoffzell ein einem Bus des öffentlichen Nahverkehrs verbrannt wird, muss er zuvor zu den Wasserstoff-Tankstellen am Einsatzort geliefert werden. Die Alternative wäre ein Leitungssystem für Wasserstoff, das in Deutschland bislang nicht existiert und äußerst kostenintensiv wäre, sagte Mönch dem Handelsblatt.

 

Trotzdem gilt Wasserstoff als ein Baustein bei der Suche der Städte nach Lösungen, Verkehr zunehmend treibhausgasneutral zu organisieren. Schließlich geht es nicht nur um das Problem zu hoher Schadstoffe in der Luft – wenngleich sich die Luftqualität in Deutschland in den letzten Jahrzehnten entscheidend verbessert hat. Ein weiterer Grund ist die Notwendigkeit, den Klimawandel aufzuhalten. Die Bundesregierung läuft Gefahr, ihre selbst gesteckten Klimaschutzziele zu verfehlen. Deswegen müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen weiter zu reduzieren. Bundesweit wird nach Einsparpotenzial gefahndet. Die Städte haben sich eigene Ziele gesetzt: Berlin etwa soll bis 2050 zu einer klimaneutralen Stadt entwickelt werden. Wie das konkret umgesetzt werden kann, wird derzeit untersucht.

 

Dreckschleudern sind im Übrigen nicht nur der Verkehr oder Emissionen aus Landwirtschaft und Industrie, sondern auch Baustellenfahrzeuge.

 

Handelsblatt 18.11.2014

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