Wenn Häuser intelligent werden

Haus mit Smart-Home Lösung

Telekom führt Standard für Smart-Home-Lösungen ein – „Qivicon“ soll sämtliche Haushaltsgeräte verbinden

Es ist der lang gehegte Wunschtraum aller Heizungsbauer, Waschmaschinenhersteller, Stromproduzenten und Telekomanbieter: das vernetzte Heim, in dem sich der Wäschetrockner den günstigsten Stromtarif aussucht, der Kühlschrank den Einkaufszettel schreibt und der Besitzer schnell vom Strand der Adria aus mit seinem Smartphone überprüfen kann, ob er das Dachfenster wirklich vor Antritt der Reise geschlossen hat.

Vieles davon ist technisch bereits möglich, es gibt zahlreiche Insellösungen, nur so richtig festgesetzt in den Köpfen der Kunden hat sich die Grundidee einer zentralen Steuerung sämtlicher technischer Funktionen im Haus über Smartphone, Laptop oder Tablet bislang nicht.

Neue Plattform soll Wirrwarr an Steuerungssprachen beenden

Das hängt mit dem fast babylonischen Sprachgewirr zusammen, mit dem die unterschiedlichen Hersteller ihre technischen Systeme betreiben. Rund 400 solcher verschiedenen Kommunikations- und Steuerungssprachen gibt es, schätzt Holger Knöpke, Leiter Connected Home der Deutschen Telekom. Manches passt nicht zusammen, mag nicht miteinander kommunizieren – und wenn, dann nur mit hohem technischen Vermittlungsaufwand. Und welcher Hausbesitzer stellt zehn oder mehr Steuerungsboxen in den Keller und lädt sich diverse Apps herunter?

Diesen gordischen Knoten zu durchschlagen und eine Plattform für alle zu entwickeln, haben sich Knöpke und sein Team vor knapp zwei Jahren vorgenommen und „Qivicon“ auf den Weg gebracht. Wie schwierig es ist, so viele Partner und technische Systeme unter einen Hut zu bringen, lässt sich schon daraus ersehen, dass Qivicon, bereits auf der Funkausstellung (Ifa) in Berlin 2012 vorgestellt, erst ein Jahr später endgültig an den Start gehen soll. „Erste Produkte gibt es zur Ifa oder kurz danach“, verspricht Knöpke. Kommen die Menschen erst einmal auf den Geschmack, so die Hoffnung, werden sie parallel zum wachsenden Angebot auch mehr Funktionen nutzen. 23 Plattformpartner sind dabei, unter ihnen als Gründungsmitglied der Haushaltsgeräte-Hersteller Miele, aber auch Samsung, der Stromkonzern EnBW und zahlreiche kleinere Firmen, wie der Haussteuerungsspezialist EQ3. Auf rund 30 Firmen soll der Partnerpool bis Ende des Jahres anwachsen, 100 Unternehmen seien noch in der Warteschleife, sagt Knöpke, will aber keine Namen preisgeben.

Für die Telekom ist Qivicon ein Prestigeobjekt, gehört das Projekt doch zu den künftigen Wachstumsmärkten, auf denen der Bonner Konzern schon in wenigen Jahren Milliarden- Umsätze bestreiten will. Qivicon selbst fängt erst einmal klein an, räumt Knöpke ein: „Ich erwarte über Nacht keine großen Wachstumssprünge.“ Gleichwohl sei der Markt interessant: Laut Umfragen hätten 40 bis 60 Prozent aller Deutschen Interesse an einem vernetzten Haushalt. Finanzieren soll sich die Smart Home- Lösung für die Telekom durch die Gebühren der Plattformpartner.

Um den technischen Aufwand zu minimieren, sollen bei Qivicon allenfalls fünf Funklösungen unterstützt werden – statt zehn oder zwanzig. Miele hat sich darauf eingelassen und ist auf den Funkstandard Zigbee umgestiegen, über den seine Waschmaschinen und Trockner nun untereinander kommunizieren können, aber auch mit dem intelligenten Stromzähler eines Energieversorgers. „Die Digitalisierung des Haushalts ist nicht mehr umkehrbar“, sagt Miele-Manager Peter Hübinger, „und wir wollen deshalb von Anfang an dabei sein.“ Derzeit liefert der Hausgerätehersteller aus Ostwestfalen bereits alle seine Spitzengeräte mit intelligenter Kommunikationssteuerung aus,der Rest werde im Laufe der Jahre folgen.

Konzerninsider: „Es bleibt kompliziert"

Trotz zunehmender Vernetzung technischer Geräte – einige Branchenbeobachter stehen dem Erfolg von Qivicon skeptisch gegenüber: „In dem Bereich hat noch keiner was Tragfähiges hinbekommen“, sagt Wolfgang Specht vom Bankhaus Lampe. „Ich habe schon zu viele dieser Entwicklungen der Telekombranche wieder einschlafen sehen.“ Andere monieren den hohen technischen Entwicklungsaufwand, den die Telekom betreiben müsse: „Es bleibt kompliziert“, sagt ein Konzerninsider, der dem gesamten Projekt keine Zukunft verspricht. „Es gibt zu wenige Partner, um einen starken Auftritt am Markt hinzulegen. So kann die Telekom keine Standards setzen.

“ Handelsblattausgabe "News am Abend", Dienstag, 16.07.2013

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