Wenn Straßen intelligent werden

Straßenteilung mit entsprechender Fahrbahnmarkierung

Das Straßennetz ist das größte Bauwerk, das die Menschheit je errichtet hat. Forscher sind der Ansicht, dass der Asphalt viel mehr leisten kann als nur Untergrund für Fahrzeuge zu sein. Energie erzeugen zum Beispiel: Startups wie Solarroadways in den USA wollen Straßen in Sonnenkollektoren verwandeln. Ein niederländisches Unternehmen arbeitet an einer temperaturempfindlichen Fahrbahnfarbe, die Autofahrer bei Frost vor Glatteis warnt.

 
Smartphone-App führt Autofahrer zu einem freien Parkplatz
Der Personen- und Güterverkehr wird Prognosen zufolge deutlich wachsen. Experten sind überzeugt: Wenn mit dem Verkehrsaufkommen nicht auch Unfälle, Staus und Schadstoffe noch weiter wachsen sollen, müssen Straßen smart werden. Sie müssen helfen, den Verkehr besser zu organisieren – und darüber hinaus vielleicht auch ganz neue Funktionen übernehmen.
In Braunschweig testet das USStartup Streetline zusammen mit Siemens ein System, das Autofahrer per Smartphone-App zum freien Parkplatz navigiert. Dazu installiert Streetline Sensoren im Asphalt, die erkennen, ob dort ein Auto steht. Per Funk gelangen die Informationen an einen Server im Internet und von dort in die App. Noch sind in Braunschweig nur 60 Testsensoren installiert – in San Francisco dagegen sind es schon 7000. Wenn 100 000 Autofahrer dreimal pro Woche die Park-App nutzen, behauptet Streetline, spare das 670 000 Liter Benzin im Jahr.
Eine weitere Technik, mit der Straßen künftig Informationen weitergeben, entwickelte die Amerikanerin Elizabeth Redmond. Sie baut mit ihrem Startup Powerleap Gehwegplatten, unter denen druckempfindliche Materialien Strom erzeugen. Der kann Sensoren betreiben, die per Funk Straßenlaternen aktivieren, wenn Fußgänger unterwegs sind. Die passenden Laternen, die solche Informationen verarbeiten, gibt es schon – zum Beispiel in der niederländischen Stadt Tulberg. Die Lichter werden automatisch heller, wenn Sensoren Fußgänger und Fahrzeuge registrieren.
Der niederländische Designer Daan Roosegaarde setzt auf selbstleuchtende Fahrstreifen, um Energie zu sparen. Dafür hat er zusammen mit dem niederländischen Straßenbauer Heijmans eine phosphoreszierende Farbe entwickelt, die Mittelstreifen oder Spurbegrenzung auf dem Asphalt markieren und bis zu zehn Jahre halten soll. Sie speichert die Energie des Sonnenlichts und leuchtet damit bis zu zehn Stunden, wenn es dunkel wird.
Leuchtende Farben sind möglicherweise nur die Vorstufe einer noch radikaleren Idee, die das Startup Solar Roadways in den USA verfolgt, gegründet vom Ehepaar Scott und Julie Brusaw. Der Elektroingenieur und die technikbegeisterte Psychologin wollen Straßen nicht nur in Displays verwandeln, sondern auch in horizontale Solarkraftwerke. Solche High-Tech-Straßen könnten nachts leuchten, tagsüber Warnhinweise einblenden und nebenbei ganze Städte mit Strom versorgen.
Schon jetzt Realität sind Straßen, die Solarenergie nutzen, um Wasser zu erwärmen, das durch im Asphalt eingelassene Rohre fließt. Das niederländische Straßenbauunternehmen Ooms hat auf seinem Parkplatz sowie mehreren anderen ein System installiert, das im Sommer heißes Wasser in rund 100 Meter tiefe Hohlräume im Untergrund transportiert, wo es bis zum Winter lagert. In der kalten Jahreszeit heizt das warme Wasser aus dem Untergrund das Bürogebäude von Ooms und hält gleichzeitig den Parkplatz schneefrei.
Das britische Startup ICAX beheizt mit einer ähnlichen Technologie seit 2011 ein riesiges Ausbildungszentrum für 2000 Schüler nahe London. Das Warmwasser liefern 14 Kilometer lange Rohrleitungen auf einem Parkplatz.
 
Bodenbelag soll Autoabgase vernichten
Eine stark befahrene Straße in Chicago leistet seit wenigen Monaten ihren Beitrag beim Kampf gegen den Klimawandel: Ihr Bodenbelag frisst buchstäblich die Abgase, die der über sie rollende Verkehr produziert. Scheint die Sonne auf die Fahrbahn, lösen winzig kleine Partikel aus Titanoxid, die dem Asphalt beigemischt sind, chemische Reaktionen aus. Stickstoffoxide aus Autoabgasen, die beim Menschen zu Lungenschäden führen, verwandeln sich dann in gesundheitsneutrale Salze. Die spült der nächste Regen weg. Entwickelt hat den Asphalt der italienische Baustoffkonzern Italcementi.
Einen weiteren Trick hat ein neuartiger Asphalt auf Lager, den der niederländische Wissenschaftler Erik Schlangen von der Universität Delft entwickelt hat: Er repariert sich selbst. Dafür füllt der Forscher zwischen die Steinchen des Straßenbelags einen Kleber, dem er feine Stahlfasern beimischt. Will Schlangen Risse in seinem Straßenbelag schließen, muss er den darin enthaltenen Stahl nur mit einer Art Mikrowelle erhitzen. Daraufhin schmilzt der Asphalt und die Risse schließen sich.
 
Handelsblatt Ausgabe "News am Abend", Donnerstag,  20.06.2013
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