Wie Apple Pay funktioniert

Apple iPhone

Das Zahlungssystem ist in den USA gestartet. Wie sicher es ist und wann es nach Deutschland kommt.

 

Kathrin Grannemann Wirtschaftswoche Düsseldorf Ein kleines Stück Plastik soll verschwinden. Die vorhandenen Zahlungsmöglichkeiten seien antiquiert, bemerkte Apple-Chef Tim Cook, als er im September das Programm Apple Pay vorstellte. „Der ganze Prozess basiert auf diesem kleinen Stück Plastik, egal ob Kredit- oder Lastschriftkarte. Wir sind abhängig von offengelegten Zahlen, dem altmodischen und unsicheren Magnetstreifen und den Sicherheitscodes, von denen wir wissen, dass sie nicht sicher sind“, ließ Cook die Zuschauer wissen. Apple Pay werde alles einfacher und praktischer machen, versprach er.

 

Am Montag startete Apple nun seinen iPhone-Bezahldienst in den USA. Der Konzern habe 500 weitere Banken sowie neue Einzelhändler als Partner gewonnen, sagte Cook am vergangenen Donnerstag bei der Vorstellung der neuen iPad-Generation. Die Kreditkarten-Anbieter Mastercard, Visa und American Express sowie mehrere große US-Banken waren bereits an Bord. Große Einzelhändler wie Macy’s, Groupon und die Sandwichkette Subway machen ebenfalls mit. Apple zufolge gibt es derzeit 220 000 Akzeptanzstellen in den Vereinigten Staaten – es dürften allerdings mehr werden, sobald sich Apple Pay verbreitet hat. Ein Termin für den Start in Europa ist noch nicht bekannt.

 

Das Zahlsystem ist ein Zusammenspiel aus digital gespeicherten Daten, Nahfeldkommunikation (NFC), Fingerabdrucksensor und Sicherheitschip. Nutzer können bereits vorhandene Kreditkartendaten aus dem iTunes- Account importieren oder per Kamera neue Daten erfassen.

 

Sobald ein Konto in der Datenbank liegt, kann das Handy als Zahlungsmittel bei teilnehmenden Händlern genutzt werden – allerdings nur in Kombination mit dem Fingerabdruck. Laut Eddy Cue, Chef der Apple-Internetabteilung, erfährt Apple nicht, welcher Nutzer was wo gekauft hat. Der Händler wiederum sieht weder den Namen noch Kartennummer und Sicherheitscode des Kunden.

 

Das iPhone wird für das Bezahlen im Laden an ein Zahlungsterminal gehalten. Danach bestätigt ein Druck auf den Fingerabdrucksensor die Zahlung. Apple Pay funktioniert außerdem in Apps. Dort muss es als Zahlungsmethode ausgewählt werden; die Bestätigung erfolgt ebenfalls mit dem Fingerabdruck. Neben iPhone 6, iPhone 6 Plus und den neuen iPads wird Apple Pay auch von der Apple Watch unterstützt. Bei Letzterer fehlt allerdings die Möglichkeit, den Fingerabdruck als zusätzliche Sicherheit zu verwenden.

 

American Express, Visa und Mastercard hat Apple als Kreditkartenanbieter mit ins Boot geholt. Zusätzlich soll es im Vorfeld auch Gespräche mit den fünf größten Finanzinstituten der USA gegeben haben – mit American Express, JP Morgan Chase, Citigroup, Capital One und Bank of America. Diese zeigten sich nicht nur bereit, die iPhone-gebundenen Zahlungen zu akzeptieren. Sie bieten Apple auch Rabatte von bis zu 0,25 Prozent auf die Transaktionskosten, die Apple zu zahlen hat. Zum Vergleich: Diese liegen durchschnittlich bei 1,5 bis 1,75 Prozent der Gesamttransaktion. Im Gegenzug dazu soll Apple einen Teil des Risikos der über Apple Pay getätigten Transaktionen übernehmen. Für die Wirtschaft könnte dieses Vorgehen langfristig einiges ändern. Bisher ist nur ein anderer Händler bekannt, der einen ähnlichen Rabatt aushandeln konnte: Die Handelskette Walmart.

 

Vor Apple hatten bereits PayPal, Google und andere Unternehmen versucht, eigene Mobile-Payment-Lösungen am Markt zu etablieren – bisher freilich erfolglos. Joshua Brustein vom US-Magazin „Businessweek“ ist überzeugt, dass Apple bewusst so lange mit der Einführung von der Nahfeldkommunikation gewartet habe: „Sie lassen die ersten Anbieter mit den frühen Versionen eines Produkts oder einer Dienstleistung scheitern und veröffentlichen dann eine aufpolierte Variante der gleichen Idee“, meint Brustein.

 

Kontaktloses Bezahlen bieten in Deutschland neben Paypal auch seit längeren die Deutsche Telekom sowie Mastercard und Visa an. Auch die Banken statten ihre Debitkarten mittlerweile mit kontaktlosen Zahloptionen aus. Das „Girogo“ genannte System wird als Erweiterung des Geldkartenchips in die Karten integriert. Dennoch konnte sich das kontaktlose Bezahlen zumindest in Deutschland bisher nicht durchsetzen. Ein Grund dafür ist die fehlende Akzeptanz der Nutzer, ein weiterer der mangelnde Austausch der Kassenterminals. Von etwa 800 000 Terminals bei deutschen Händlern sind gerade einmal um die 35 000 NFC-fähig. Dabei sind aktuell unzählige Android- Smartphones NFC-kompatibel, da sie einen entsprechenden Chip enthalten.

 

 

Es könnte noch mindestens zwei bis drei Jahre dauern, bis sich NFC flächendeckend in Deutschland verbreitet, davon geht jedenfalls Oliver Hommel vom Beratungsunternehmen Accenture aus.

 

Handelsblatt 23.10.2014

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