Wie die Schweden zu Cyborgs werden

Cyborg

Bio-Hacker haben einen implantierbaren Chip entwickelt, der Türen öffnet und Büromaschinen steuert. In einem Bürokomplex in Stockholm ist die Cyborg-Vision schon Realität – was nicht nur Zustimmung findet.

 

Helmut Steuer Handelsblatt Stockholm Das geht unter die Haut: Ein Chip, klein wie ein Reiskorn, eingepflanzt zwischen Daumen und Zeigefinger – damit lassen sich buchstäblich Türen öffnen. Oder eine kurze Handbewegung in Richtung der Kasse, und der Einkauf ist bezahlt. Science Fiction? Nein. Zumindest nicht nach Meinung von Hannes Sjöblad.

 

Sjöblad, ist Gründer der schwedischen Bio-Hacker Gruppe Bionyfiken. Bio-Hacker oder auch Cyborgs – das sind Menschen, die Technik und Körper vereinen. „Ich habe diverse Aktivitätsarmbänder ausprobiert und finde, dass sie nicht sehr gut sind. Die Technik soll ja das Leben der Menschen vereinfachen, nicht umgekehrt. Wenn jetzt Sensoren und Chips immer kleiner und billiger werden, ist das die bessere Lösung“, sagte Sjöblad. Sein Traum: Eine Gesellschaft ohne Schlüssel, Kreditkarte und Pincodes.

 

Bionyfiken hat einen winzigen Chip entwickelt, gerade einmal zweimal zwölf Millimeter groß, der unter die Haut gesetzt wird. Ein kleiner, wenn auch – den Gesichtern der Patienten nach zu urteilen – recht schmerzhafter Eingriff, und die Mensch-Maschine-Kombinaton ist aktiviert. 1700 Kronen, etwa 185 Euro, kostet der Eingriff, Chip inklusive. Viel Geld, wenn man bedenkt, dass der Nutzen bislang äußerst begrenzt ist. Gerade einmal ein Vorzeige-Bürogebäude, das „Epicenter“, und einige wenige andere Geschäfte kommunizieren mit dem implantierten Chip. Doch die Bionyfiken Enthusiasten wollen gerade mit dem „Epicenter“ zeigen, dass die Zukunft schon bald ganz nah sein wird.

 

Die Türen zu dem hypermodernen Bürokomplex lassen sich mit dem Chip unter der Haut bereits jetzt öffnen, der Kopierer reagiert ebenfalls schon auf eine kurze Handbewegung, die Kantine rüstet gerade um. Und demnächst, so hofft Sjöblad, lassen sich mit der neuen Technik nicht nur Einkäufe tätigen, sondern eigentlich alles, wozu man bislang extra Chipkarten oder Pincodes benötigt.

 

Die Technik ist eigentlich nicht neu. Bei Haustieren werden die Chips hinter dem Ohr eingesetzt und enthalten Daten über Identität des Tieres, Impfungen und Behandlungstermine des Tierarztes. Ohne einen solchen Chip dürfen Haustiere beispielsweise gar nicht nach Schweden mitgenommen werden. Das Auslesen der Daten geschieht mit der sogenannten Near Field Communication (NFC), die drahtlos über ganz kurze Entfernungen geschieht. NFC-Chips sitzen heute bereits in vielen Smartphones der neuesten Generation. Sie sollen das Bezahlen im Supermarkt ermöglichen. In Schweden haben bereits einige Handelsketten die Kassen mit NFC Geräten ausgerüstet: Der Kunde hält nur sein Handy an das Gerät und der zu zahlende Betrag wird vom Konto abgebucht.

 

Mit dieser Technik arbeiten auch die Bionyfiken-Enthusiasten. Ihr Problem: Es gibt bislang nur wenige Anwendungsmöglichkeiten in Schweden. Ein paar Fitnessstudios und Waschsalons, das Epicenter-Bürogebäude. Mehr nicht. Geht es nach Sjö- blad wird sich das allerdings bald schon ändern. „Im Moment sind wir rund 300 Leute mit dem Chip“, sagt der 37-jährige. Und: „Je mehr wir werden, desto größere Macht haben wir, die künftige Entwicklung zu lenken“.

 

Der IT-Spezialist ist überzeugt davon, dass schon in naher Zukunft Bus-, U-Bahn und Flugtickets durch den Chip in der Hand ersetzt werden können. Irgendwann vielleicht sogar der Reisepass. Noch allerdings liegt das einige Jahre entfernt.

 

Einwände, durch den Chip würde der Mensch noch gläserner, noch überwachbarer, lassen die Cyborgs nicht gelten. „Ein Handy“, so sagt ein Bionyfiken-Mitglied, „zeichnet sogar dein Bewegungsprofil auf. Ein NFC-Chip kann das nicht“.

 

Doch so ganz scheinen die Cyborgs der Technik doch nicht zu trauen: Um Sicherheitsbedenken auszuräumen, arbeitet Bionyfiken seit Februar mit der russischen IT-Sicherheitsfirma Kaspersky Lab zusammen.

 

Bedenken ganz anderer Art haben dagegen die Gewerkschaften. Sie sorgen sich um den Datenschutz, fürchten, dass Arbeitnehmer mit implantierten Chips leichter überwacht werden können. Doch das Argument zieht bei den Cyborgs, aber auch bei IT-Spezialisten nicht richtig. Sie halten dem entgegen: Ein mitgeführtes Smartphone gewährt viel umfassendere Einblicke in den Lebenswandel des Besitzers.

 

Handelsblatt 19.03.2015

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