Gesunde Apps und vernetzte Kliniken: Neues aus der Telemedizin (Teil 1)

Telemedizin

Während Hightech-Geräte häufig zur Standardeinrichtung von Arztpraxen und Kliniken gehören, hält die IT-gestützte Kommunikation im Gesundheitswesen erst allmählich Einzug.

Fällt eine medizinische App unter das strenge Medizinproduktegesetz? Welche IT-Sicherheitsbestimmungen gelten für den Einsatz von Smartphones in Studien? Die telemedizinische Versorgung könnte wesentlich weiter sein, wären da nicht die komplexen Regularien des Gesundheitswesens auf Bundes- und EU-Ebene und die Verteilungskämpfe zwischen den Sektoren der ärztlichen Versorgung.

Mit der Verbreitung des Smartphones hat die Entwicklung kräftig Fahrt aufgenommen, an die 300 Telemedizinprojekte gibt es derzeit in Deutschland. Ein Grund ist die Nachfrage: Die Patienten sind daran gewöhnt, vieles mobil und online zu erledigen. Sie finden es „normal“, an Termine und Tabletteneinnahme erinnert zu werden. In ihren Augen gibt es keinen Grund, weshalb Hausarzt, Klinik und Reha nicht über eine Anwendung zu erreichen sein sollten. Ein Blick in die medizinische Versorgung der Zukunft …

Sprechstunde per Videokonferenz

Zwar gibt es schon länger virtuelle medizinische Ratgeber, auf denen Patienten Symptome abgleichen können. Individuelle Diagnosen per E-Mail und Chat gelten jedoch als unseriös und vor allem sehr riskant. Einen Mittelweg geht Patientus: Die neue Online-Sprechstunde findet per Videokonferenz statt, um den persönlichen Kontakt zu gewährleisten. Für die abschließende Diagnose und Behandlung muss sich der Patient jedoch in die Praxis bemühen.

Sensoren statt Seniorenheim

28 Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen beteiligten sich am Forschungsprojekt Smart Senior. Bei der abschließenden klinischen Studie wurden Seniorenhaushalte mit allem ausgestattet, was die Telematik zu bieten hat, beispielsweise einem über Sensoren gesteuerten Notruf, einer Online-Sprechstunde und einem virtuellen Physiotherapie-Programm.

Die vernetzte Klinik

Für eine medienbruchfreie Kommunikation zwischen allen Leistungsteilnehmern im Gesundheitswesen setzt sich das Asklepios Future Hospital ein. In dem privaten Krankenhaus finden mobile Visiten statt, greifen die Ärzte per Tablet-PC auf Röntgen-, Labor- und Archivdaten zu und sind Blutkonserven mit RFID-Chips ausgestattet. Einen Eindruck vom Klinikalltag vermitteln Berichte und Videos.

Social Media für Fachärzte

Ein von EU und Bundesforschungsministerium gefördertes Projekt hat gleich mehrere Themen auf der Agenda: die Modernisierung der ärztlichen Weiterbildung, den Austausch von Ärzten im ländlichen Raum und die Verbesserung der medizinischen Versorgung. Kolegea setzt auf „Communities of Practice“, also die gemeinschaftliche Wissenserzeugung und das Lernen in berufsbezogenen Peer-Gruppen.

Telemedizin – Stand und Standard

Noch gibt es keine Standards für Telemedizin und Telematik, weder hinsichtlich der Strategie noch der IT-Plattform. Laut Ärzteblatt gehen die europäischen Länder das Thema sehr unterschiedlich an. Die Referenzprojekte des Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST vermitteln einen Eindruck davon, welche Themen die Gemüter der Experten bewegen.

Ich messe, also bin ich

Die Anwender jedenfalls sind längst bereit, wie es scheint. Herzrhythmus, Stresspegel, Essverhalten, Laufleistung? Steht alles im Netz! Fans der „Quantified Self“-Bewegung möchten sich durch Self-Tracking besser kennenlernen und quasi ihre „Performance optimieren“. Das Handy wird zum Körperteil – so beschreibt es die Frankfurter Allgemeine. Im gleichen Zug entstehen die technischen Lösungen für die Übermittlung solch intimer Details, vom funkenden Sportarmband bis zur Waage mit Online-Gewichtskurve. Ein zweischneidiges Schwert: Im einzelnen Krankheitsfall kann die Überwachung von Körperdaten lebenserhaltend sein; das Interesse der Gesundheits- und Pharmabranche an der massenhaften freiwilligen Entblößung hingegen gibt Anlass zur Besorgnis.

Von Implantaten mit Verfallsdatum, humanen Arzneilagern und Body Networks berichtet Teil 2 dieses Beitrags.

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